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Sozialpolitikerin auf dem Chefsessel

Rathauschefin Helma Orosz steht seit gut drei Jahren an der Spitze der Landeshauptstadt. Wichtig sind ihr vor allem die Kinder.

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Von Thilo Alexe

Manchmal wirkt sie sehr streng: Etwa wenn es im Stadtrat laut zugeht. Dann greift Helma Orosz zur Glocke, bimmelt energisch und benutzt bei der namentlichen Abstimmung einen fiesen Kniff. Sie ruft die Räte nicht wie sonst in alphabetischer Reihenfolge auf, sondern beginnt mit Z wie Zimmermann. Damit sich alle konzentrieren.

Keine Frage: Dresdens Oberbürgermeisterin kann mitunter trickreich und schroff sein, wenn ihr Kleinigkeiten wie das Murmeln von Stadträten gegen den Strich gehen. Dabei ist sie – betrachtet man ihre Laufbahn in der Politik – gar keine Disziplin- und Ordnungsfanatikerin. Die 58-Jährige steht für eine urbane, weltoffene Familienpolitik.

Genau deshalb hatte der damalige Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) Orosz 2003 als Sozialministerin in sein Kabinett berufen. Sie frische „unser Dresdner Blut etwas auf“, sagte er bei ihrer Ernennung. Zudem lobte Milbradt die Parteifreundin als „Kennerin der sozialen Probleme vor Ort“.

Nach oben gearbeitet

Drei Jahre war Orosz Oberbürgermeisterin von Weißwasser. Die gebeutelte Glasbläserstadt im nordöstlichen Zipfel des Freistaates gilt gemeinhin als Synonym für Abwanderung und Arbeitslosigkeit. Orosz konnte den Abschwung zwar nicht stoppen, doch immerhin Lichtpunkte setzen. Ein moderner Anbau ans Krankenhaus, sanierte Kindertagesstätten und die Eishockeyfüchse zeugen von Orosz’s Engagement.

Die gebürtige Görlitzerin hat sich auf beeindruckende Weise nach oben gearbeitet. Die Erzieherin begann 1975 ihre berufliche Laufbahn als stellvertretende Krippenleiterin in Weißwasser. Bereits vier Jahre später leitete sie eine Kindereinrichtung. Im Nachwendejahr 1990 wurde sie Gesundheits- und Sozialdezernentin im Kreis Weißwasser. „Orosz hat sehr gute Strukturen hinterlassen“, sagt ihre Nachfolgerin in diesem Amt, Martina Weber. Und verweist neben dem Einsatz für die Kinderbetreuung auf ein Netzwerk für Spätaussiedler, das Orosz mit geknüpft habe.

Neben dem Beruf bildete sich die Kommunalpolitikerin zur diplomierten Verwaltungsbetriebswirtin fort. Als Ministerin scheute die geschiedene Mutter einer Tochter den Konflikt mit Kabinettskollegen nicht, wenn diese gegen ihr Familienbild protestierten: Der von Orosz betriebene Ausbau der Kleinkinderbetreuung passe nicht zur CDU. Solche Vorwürfe konterte Orosz intern, verzichtete auf einen Schlagabtausch über die Medien und setzte sich schließlich durch.

In Dresden verfügt sie über beinahe optimale Gestaltungsmöglichkeiten. Das politische Klima in der Landeshauptstadt ist zwar rau, der Stadtrat zersplittert. Doch seit dem spektakulären Verkauf der städtischen Wohnungsgesellschaft Woba vor zwei Jahren ist die Kommune schuldenfrei und kann investieren. Seit knapp drei Jahren ist Dresden zudem welterbefrei – wegen der Waldschlößchenbrücke.

Am 1. März kehrte Helma Orosz nach einem Jahr Krankheit auf den Chefsessel im Rathaus zurück. Sie war im Februar 2011 an Brustkrebs erkrankt und wurde von ihrem Stellvertreter, Dirk Hilbert, würdig vertreten. Da Dresden rasant wächst, steht Orosz vor erfreulichen, aber großen Herausforderungen. So müssen Hunderte Millionen Euro investiert werden, um genügend Plätze in Kitas und Schulen für alle Kinder zu schaffen.