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Spagat zwischen Kultur und klammen Kassen

Seit zehn Jahren organisiert die Kreisfirma Kuweit die Kultur im Landkreis – erfolgreich, aber mit Opfern.

Von Gabriel Wandt

Sie ist aus der Not heraus geboren und wurde von vielen Seiten mit Skepsis beobachtet: die Kultur- und Weiterbildungsgesellschaft Kuweit des Landkreises, die nun zehn Jahre alt ist – und trotz aller Kritik so einige Erfolge vorweisen kann.

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Es waren die knappen Kassen, die den Landkreis Löbau-Zittau 2003 veranlassten, kulturelle Aufgaben und deren Organisation in eine GmbH auszulagern. Die erhielt den Auftrag, die Vielfalt zu erhalten – und trotzdem zu sparen. Diesen Spagat muss Geschäftsführer Peter Hesse bis heute leisten. Die Skepsis, mit der viele Kreisräte den Kuweit-Start damals sahen, lautete denn auch klar: Ist das überhaupt leistbar? Kann eine GmbH, die noch viel mehr aufs Geld schauen muss als die öffentliche Hand, teure Kulturangebote im Griff haben? Peter Hesse hat in den zurückliegenden Jahren seine eigene Antwort darauf gefunden. Er hat die Kuweit immer breiter aufgestellt. Das geschah nicht immer ganz freiwillig, aber es ist wohl ein maßgeblicher Schlüssel zu dem Erfolg dieser Gesellschaft. Gestartet ist sie als gemeinsames Dach der Volkshochschulen Löbau und Zittau, der Kreismusikschule und der Christian-Weise-Bibliothek. Mittlerweile ist die Volkshochschule zu einer verschmolzen, und sie erstreckt sich wie die Musikschule über den ganzen Großkreis Görlitz. Zur Weise-Bibliothek ist das Salzhaus gekommen, das die Kuweit seit 2005 betreibt. In Löbau, Zittau und Weißwasser betreibt sie zudem Wohnheime für Berufsschüler, in wenigen Wochen wird sie auch in der Stadt Görlitz Fuß fassen, und für den Freistaat stemmt sie außerdem die Internet-Vernetzung aller 141 sächsischen Bibliotheken. Das Medienpädagogische Zentrum in Löbau richtet sich an Schüler und Pädagogen.

Zittaus OB Arnd Voigt (Freie Bürger) schätzt die Arbeit der Kuweit, ist froh, dass es gelungen ist, Musik- und Volkshochschule in der Innenstadt zu haben. Doch die Kuweit hat auch ihre Kritiker, die sie gern als Krake bezeichnen. Geschäftsführer Peter Hesse (55) mag dieses Bild naturgemäß nicht. „Wir wollen nur kuscheln“, entgegnet er, macht aber auch klar, dass er seinen Auftrag, im ganzen Kreis Bildung anzubieten, ernst nimmt. Und wenn irgendwo etwas wegzubrechen droht, macht er sich eben Gedanken, ob und wie die Kuweit einspringen kann. So geschieht das jetzt in Görlitz, wo der Verein Jugend-Beruf-Start sein Mehrgenerationenhaus im Stadtteil Weinhübel nicht mehr halten kann. Das wird die Kuweit im Sommer übernehmen, Kreisgesellschaft und Verein verschmelzen dann. Die Stadt Görlitz sieht das kritisch, das hat Hesse schon gemerkt, als sein Bibliotheksbus das Görlitzer Umland anfuhr, nach dem die Stadtbibo sich zurückgezogen hatte. Es gehe ihm nicht um Besitzstände, sondern darum, bezahlbare, kulturelle Angebote zu schaffen, betont er. Und er hat Rückendeckung: Kreiskämmerer Thomas Gampe drückt seine volle Zufriedenheit mit der Arbeit der Kuweit aus – und erklärt, sie solle mittelfristig im gesamten Kreisgebiet tätig sein.

Bezahlbar muss die Kuweit weiterhin für den Landkreis bleiben, der ihr jährlich einen Zuschuss überweist. 2004 startete der bei 1,6 Millionen Euro, aktuell liegt er laut Kämmerer Gampe bei 1,7 Millionen. Allerdings leistet die Kuweit mittlerweile deutlich mehr. Zudem ist die Zahl der fest angestellten Mitarbeiter von 65 auf 117 gestiegen, dazu kommen die Honorarkräfte. Für die nächsten fünf Jahre wird der Kreiszuschuss jetzt neu verhandelt. Immerhin: Hier seien keine Kürzungen vorgesehen, erklärt Gampe.

„Der Reiz liegt in der Veränderung“, erklärt Hesse. Eines hat sich allerdings nicht allzu viel verändert, und auch das gehört zur Wahrheit des Kuweit-Erfolgs: die Bezahlung der Mitarbeiter. Viele liegen auf dem Tarifstand von 2004, punktuell gab es Gehaltserhöhungen, aber viel sei eben nicht drin. „Die Lohnabstände sind ein Problem“, räumt Hesse ein. Lösen kann er es nicht, verweist darauf, ein familienfreundlicher Arbeitgeber zu sein. Gefeiert wird trotzdem, im Juni, mit einer Festwoche. Auf ein Wort