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Spagat zwischen Markt und Verantwortung

Herrnhut. Zum Jubiläum des Firmengründers schaut sich IHK-Präsident Hartmut Paul in einem der ältesten Unternehmen Sachsens um.

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Von Gabriel Wandt

Das ganze Zimmer atmet Geschichte. Die große Standuhr, der alte Schrank. Der Schreibtisch des Geschäftsführers ist wuchtig, aber strahlt gleichzeitig Eleganz aus. Von der Wand blickt das Porträt Abraham Dürningers. Seit 17 Jahren leitet Hans-Michael Wenzel die Geschicke der Firma, und als am Donnerstag der Präsident der sächsischen Industrie- und Handelskammer zu Besuch kam, war dieser voll des Lobes über die Firma, die zu den ältesten in Sachsen zählt. „Ich sehe hier ein Beispiel für einen gut funktionierenden Betrieb“, sagt Hartmut Paul nach einem Rundgang durch die Herrnhuter Abraham Dürninger & Co. GmbH.

Im Umfeld Gutes tun

Geschäftsführer Hans-Michael Wenzel ist‘s zufrieden, sieht er sich doch den Leitlinien des Firmengründers auch heute verpflichtet. „Es ist nicht unser Prinzip, Kapital anzuhäufen“, sagt Wenzel. „Wir wollen im Umfeld Gutes tun.“ Diese Firmenphilosophie begleitet das Unternehmen von Anfang an. Graf Nikolaus von Zinzendorf fand in Abraham Dürninger 1747 einen Geschäftsmann, der eine wirtschaftliche Grundlage für die aufzubauende Gemeine schaffen sollte. „Zinzendorf wollte im sozialen Bereich Geld ausgeben“, bringt Wenzel es auf den Punkt, „und Dürninger sollte es verdienen.“

Der Straßburger Kaufmann übernahm einen kleinen Laden, einen Gasthof sowie die Apotheke und baute daraus ein erfolgreiches Unternehmen. Was er verdiente, investierte er in die Zukunft des Unternehmens, was danach übrig blieb, bekam die Brüdergemeine. Diesen Grundsatz hinterließ er als sein Vermächtnis.

Für Hans-Michael Wenzel ist das ein täglicher Spagat, wie er es selbst ausdrückt. Doch einen grundlegenden Widerspruch zwischen marktwirtschaftlichem Erfolg und sozialem Engagement sieht der 62-Jährige nicht. „Natürlich ist das nicht ganz einfach, denn die verschärften Marktbedingungen machen um uns keinen Bogen.“ Der Schlüssel zum Erfolg liegt seiner Ansicht nach in den Grundsätzen Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit. „Eine Übervorteilung gelingt nur kurzzeitig“, glaubt er.

Taschen aus Fernost

Beim Rundgang durch den Betrieb wird der Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und ethischer Verantwortung greifbar. 15 Behinderte arbeiten im Versand der Firma, legen bedruckte Taschen zusammen. Doch obwohl zu den verschiedenen Standbeinen des Unternehmens auch eine Weberei gehört, bezieht Wenzel die Taschen aus Fernost.

Hartmut Paul sieht die Firma auf dem richtigen Weg, weil sie kontinuierlich Lehrlinge ausbildet und übernimmt. Er sieht darin eine Vorbildfunktion: „Es ist wichtig für die Zukunft einer Firma, sich die Fachleute heranzubilden. Wenn man sie danach übernimmt, kennen sie den Betrieb bereits und können gleich produzieren“, sagt er wohl auch an die Adressen anderer Firmen.