merken
PLUS

Spannung halten!

Dynamo Dresden steckt nun schon seit Saisonbeginn im Abstiegskampf. Das fordert Körper, Kopf und den Trainer.

© Frank Dehlis

Von Tino Meyer

Und zur Belohnung für die Serie von inzwischen vier ungeschlagenen Spielen erhalten die Dresdner Dynamos ein freies Wochenende. Die Idee klingt angesichts der sportlichen Lage ein bisschen verwegen, weshalb sich Olaf Janßen das spöttische Grinsen nicht verkneifen kann. Doch es stimmt ja, nach dem Auslaufen am Sonnabendvormittag hat Dynamos Trainer seine Mannschaft tatsächlich bis gestern Nachmittag nach Hause geschickt.

Anzeige
Deine Chance auf Heimspiele:
Deine Chance auf Heimspiele:

Jetzt DSC-Saisonkarte 2020/21 sichern!

Gut zwei Tage kein Training – das kann man so knapp vorm Saisonende fast schon Kurzurlaub nennen. Janßen aber bezeichnet die Maßnahme als methodisch wertvoll. „Die englische Woche hat schon sehr gezehrt, auch die Art und Weise, wie wir spielen, die Ergebnisse, die Spielverläufe“, begründet der 47-Jährige. Die zehn Tage zwischen der Partie in Cottbus am vergangenen Freitag und dem nächsten Spiel am Montag gegen 1860 München kommen gerade recht.

Er erinnert an den großen Kampf gegen Fürth, das späte Elfmetergegentor in Aalen, die aufgebrachten Fans nach der quälenden Nullnummer gegen Sandhausen und das vergebliche Anrennen zuletzt bei Energie. „Das bleibt alles irgendwie in den Kleidern stecken. Man zweifelt da schon. Denn wir haben ja kein Spiel verloren, aber eben auch keines gewonnen“, verweist Janßen auf die vier Unentschieden hintereinander. So eine Nutzlos-Serie nervt aber nicht nur, sie kostet zusätzlich Kraft, vor allem mental. Die kleine Trainingspause ist also weniger Belohnung, mehr Notwendigkeit. Körperlich nämlich, betont der Trainer, „sind die Jungs super drauf“.

Nun ist der Fußball auch deshalb Volkssport geworden, weil das Spiel so einfach zu sein scheint. Jeder kann gegen den Ball treten. Noch verbreiteter ist die Annahme, mitreden zu können. An trainingsmethodischen Prinzipien aber kommt auch diese Sportart nicht vorbei.

Auf der Suche nach der Balance

Und den Grundsatz Nummer eins nennt der in Köln ausgebildete Fußballlehrer Janßen: „Entscheidend ist die richtige Balance zwischen Belastung und Regeneration. Sonst würde man ja jeden Tag fünfmal trainieren und immer fitter werden. Das ist aber nicht der Fall.“ Abschalten, Kraft sammeln, auf andere Gedanken kommen – das sind nach den spiel- und ereignisreichen Tagen deshalb die Vorgaben fürs Wochenende gewesen.

Auch Benjamin Kirsten hat sich daran gehalten. Doch er hätte die Pause vermutlich gar nicht gebraucht, meint Dynamos Torwart. Mit Spannung und Konzentration halten habe er jedenfalls keine Probleme, selbst nach solchen nervenaufreibenden Spielen wie am Freitag in Cottbus. „Das fällt mir überhaupt nicht schwer. In dieser Situation waren wir ja vergangene Saison auch schon. Und ein paar Jahre zuvor auf Drittliga-Niveau ebenfalls“, erklärt er. Wobei es damals um den Aufstieg in die zweite Liga ging, nicht wie jetzt um die drohende Rückkehr in die Drittklassigkeit.

Ein kleiner, aber feiner Unterschied ist das – der Kirsten nicht interessiert. Diese sogenannten Endspiele, wie sie am Ende einer Saison gleich reihenweise stattfinden, sind für einen wie ihn, der sich sehr gut selbst antreibt und motivieren kann, immer gleich schön. „Das sind doch jetzt die Spiele, in denen man zeigen kann, dass man es draufhat. Das macht ja auch Spaß. Deswegen spielen wir alle Fußball“, betont Kirsten, und seine Augen verraten, dass es sich zumindest bei ihm nicht um Durchhalteparolen handelt.

So ähnlich sieht das auch Janßen. Er betrachtet die schwierige Ausgangssituation mit sechs Punkten Rückstand bei noch fünf ausstehenden Spielen als Prüfung. Offen ist, ob seine Prüflinge dem gewachsen sind. Denn während Dynamo an den vergangenen Spieltagen meist vorlegen konnte, ist die Konstellation nun eine andere. Erst spielt die Konkurrenz und zum Abschluss die Dresdner. „Ob das ein gutes Omen ist“, sagt Janßen, „wissen wir am kommenden Montag.“ Rein trainingsmethodisch, findet er, hätte die Ansetzung aber gar nicht viel besser sein können.