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Sparen trotz Minizinsen

Der Vorstand der Sparkasse Meißen vergleicht Sparer mit Eichhörnchen. Doch er kennt Auswege aus der Misere.

Herr Schlagloth, nach der Entscheidung der Europäischen Zentralbank, über eine Billion Euro in die Märkte zu pumpen, müssten Sie sich eigentlich freuen. Wird das die Vergabe von Krediten im Landkreis Meißen ankurbeln?

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Wer jetzt kein Haus baut, baut sich keines mehr: Der Rilke-Vers gewinnt angesichts rekordverdächtiger Niedrigzinsen eine ganz neue Bedeutung. In Großenhain sind im Wohngebiet Kirschallee (Foto) bis auf einen alle Bauplätze verkauft, inzwischen wird „Im Wi
Wer jetzt kein Haus baut, baut sich keines mehr: Der Rilke-Vers gewinnt angesichts rekordverdächtiger Niedrigzinsen eine ganz neue Bedeutung. In Großenhain sind im Wohngebiet Kirschallee (Foto) bis auf einen alle Bauplätze verkauft, inzwischen wird „Im Wi

Natürlich werden Kredite nun noch günstiger. Sie werden aber von unseren Kunden nur nachgefragt, wenn sie für das Geld eine sinnvolle Verwendung haben. Denn die Menschen wissen, dass auch zinsgünstige Kredite zurückgezahlt werden müssen. Insofern werden wir uns freuen, wenn sich unsere Kunden mit der Nachfrage nach einem Kredit an uns wenden.

Zumindest laufen doch Hausbaukredite immer noch gut. Die Zinsen werde noch lange niedrig bleiben. Sollten jetzt alle bauen? Oder droht eine Blase?

Wohnbaukredite laufen bei uns gut. 2012 haben wir 47,7 Millionen Euro ausgereicht, 2013 waren es schon 54,2 Millionen und im Vorjahr 61,9 Millionen. Das ist ein Anstieg um fast 30 Prozent. Die Volkswirte sind sich einig, dass es noch längere Zeit bei niedrigen Zinsen bleiben wird. Allerdings kann niemand sagen, wie lange. Wer heute mit dem Bau eines Hauses an seine finanzielle Belastungsgrenze geht, könnte Schwierigkeiten bekommen, wenn der Zins eines Tages steigt. Zudem verursacht eine Immobilie auch immer Folgekosten, die ebenfalls betrachtet werden sollten. Kunden sollten also kein Haus bauen, nur weil der Zins derzeit so gering ist. Aber den lange gehegten Wunsch nach den eigenen vier Wänden kann man jetzt so günstig wie noch nie umsetzen.

Für Sparer wird es noch schwerer. Sie können keine Zinsen mehr verdienen. Was sollen sie tun ?

Sparen ist immer sinnvoll, auch wenn es gerade wenig oder keine Zinsen dafür gibt. Auch ein Eichhörnchen vergräbt Nüsse für den Winter, ohne die Aussicht, beim Ausgraben mehr Nüsse zu finden. Wer eine höhere Rendite sucht, muss heute mehr Risiko eingehen oder eine längere Laufzeit für die Geldanlage wählen. Gut beraten ist, wer sein Geld auf mehrere Anlageformen, auch Aktien, und Laufzeiten verteilt.

Sind Aktien nicht gefährlich?

Gefährlich sind Aktien nicht – aber mit anderen Risiken verbunden. Aktien sind in erster Linie Beteiligungen an Unternehmen. Unternehmer und auch angestellte Manager streben in erster Linie danach, dass ihr Unternehmen ertragreich wirtschaftet, sonst könnten sie ihr Geld auch anders anlegen bzw. verlören ihren Job. Insofern sind Aktien eine lohnenswerte Alternative zu zinstragenden Papieren. Allerdings nimmt man beim Erwerb von Aktien in Kauf, dass ihr Wert schwankt. Neben diesen Wertveränderungen erhält der Anleger aber auch in der Regel eine jährliche Dividende.

Ist das ein Problem für ihre Kunden oder für Sie, dass der Euro so weich wird?

Einzelne Kunden und auch die Sparkasse Meißen kommen nur in geringem Maße mit dem Wechselkurs des Euro in Kontakt. Demnach sehe ich hier keine grundsätzlichen Probleme. Für Deutschland insgesamt ist der weiche Euro ebenfalls kein Problem, da wir hohe Exportüberschüsse erwirtschaften. In Euro bezahlte Waren werden im Nicht-Euro-Ausland günstiger, was uns als Exportnation entgegenkommt. Der Preis in Schweizer Franken oder US-Dollar bezahlter Waren wird höher – was Importe verteuert. Die EZB hofft, dass die günstigeren Waren aus dem Euro-Raum eine höhere Nachfrage erzeugen und sich daraus ein Wirtschaftswachstum ergibt.

Werden Sie höher verzinsliche Sparpläne oder Bausparverträge jetzt kündigen? Der Sparkasse Ulm ist das jetzt von einem Gericht verboten worden.

Die Sparkasse Meißen wird sich an die mit unseren Kunden geschlossenen Verträge halten. Im Übrigen steigen trotz der niedrigen Zinsen die Anlagen unserer Kunden. Ende 2012 hatten sie bei uns 2,12 Milliarden Euro angelegt, Ende 2013 schon 2,15 Milliarden und Ende 2014 waren es 2,18 Milliarden.

Es fragte Ulf Mallek.