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Döbeln

Gefährdet Corona auch die Spargel-Ernte?

Zu Ostern könnte die Feldarbeit in Ostrau beginnen. Doch für die schwere Arbeit fehlen die Erntehelfer aus Osteuropa. Eine große Herausforderung für Landwirte.

Noch 2019 war die Spargel-Ernte sehr gut. Student Matias Schertenleib (rechts) hat seinen Eltern auf dem Hof in Ostrau geholfen. Dieses Jahr wird die Ernte aufgrund vom Coronavirus zur Herausforderung.
Noch 2019 war die Spargel-Ernte sehr gut. Student Matias Schertenleib (rechts) hat seinen Eltern auf dem Hof in Ostrau geholfen. Dieses Jahr wird die Ernte aufgrund vom Coronavirus zur Herausforderung. © Archiv/Dietmar Thomas

Auch für die Bauern bringt das Coronavirus Probleme mit sich. Pflanzen müssen in die Erde. Bald beginnt die Spargelernte, Helfer aus Osteuropa aber fehlen. Das trifft auch den Spargelhof Schertenleib in Ostrau. Der könnte eigentlich zu Ostern mit der Ernte starten.

Kurz vor Beginn der Spargelsaison fürchtet Landwirtin Elfi Schertenleib, dass sie nicht ausreichend Mitarbeiter für die diesjährige Ernte zusammen bekommt. In den letzten Jahren sei dies nie ein großes Problem gewesen, wie sie berichtet. "Wir haben in Rumänien einen Vermittler, der uns immer wieder acht Arbeiter nach Deutschland geholt hat", erzählt sie. "Nun geht das jedoch durch die geschlossenen Grenzen nicht mehr." Die kommende Zeit werde hart, meint Schertenleib.

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Wegen der Corona-Krise gelingt es wie dem Ostrauer auch vielen anderen Betrieben derzeit nicht, Arbeitskräfte aus Polen und anderen osteuropäischen Ländern zu bekommen. "Das ist eine große Herausforderung", sagt der Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbandes Sachsen Manfred Uhlemann. Und nicht nur Spargelbauern sind betroffen. Uhlemann geht davon aus, dass verteilt über die Saison rund 20.000 Helfer in Sachsen im Obst- und Gemüseanbau zum Einsatz kommen. "Überall dort, wo Handarbeit gefragt ist", so Uhlemann.

In den vergangenen Jahren hätten sich die Betriebe vor allem auf osteuropäische Saisonarbeitskräfte verlassen. Das wird aber durch die derzeitigen Grenzkontrollen erschwert. Vor allem Helfer aus Rumänien und Polen kämen derzeit nur schwer ins Land. Die Landwirte in Sachsen seien daher aufgerufen, in einem Formular einzutragen, wie viele Erntehelfer sie voraussichtlich benötigen. Der Verband melde das zusammen mit den anderen Landesverbänden dann an den Bund, der laut Uhlemann Gespräche mit den betreffenden Botschaften etwa in Polen aufnehmen wolle. "In dieser Situation ist die Politik in Berlin gefragt", meint der Hauptgeschäftsführer.

Zudem habe es jüngst ein Telefongespräch mit Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) über die Einrichtung einer Online-Plattform gegeben, auf der sich freiwillige Helfer für die Landwirtschaft registrieren lassen können. "Die Idee finde ich klasse", so Uhlemann. Damit könnten Freiwillige und Betriebe leichter zusammenkommen. Es habe bisher in Sachsen schon zahlreiche Angebote aus der Bevölkerung gegeben, die Hilfe beim Spargelstechen, Pflanzen oder Bäume schneiden angeboten hätten. "Da sind wir wirklich überwältigt», sagt Uhlemann. Auch Studenten seien als Erntehelfer willkommen.

Susanne Stewig war eine von vielen Helfern auf dem Hof in Ostrau, die im vergangenen Jahr das Gemüse geerntet haben. In diesem Jahr fehlen ihr die Kollegen aus Osteuropa, die auf dem Feld arbeiten.
Susanne Stewig war eine von vielen Helfern auf dem Hof in Ostrau, die im vergangenen Jahr das Gemüse geerntet haben. In diesem Jahr fehlen ihr die Kollegen aus Osteuropa, die auf dem Feld arbeiten. © Archiv/Dietmar Thomas

Elfi Schertenleib aus Ostrau ist sich der Hilfe bewusst, vertraut deutschen Erntehelfern jedoch mittlerweile nicht mehr all zu sehr. Bereits vor einigen Jahren musste sie aufgrund verschiedener Gründe auf heimische Arbeiter zurückgreifen - unter anderem Studenten und Menschen, die vom Arbeitsamt vermittelt worden. "Man merkt einen deutlichen Unterschied: Die Deutschen machen zwar gute Arbeit, halten aber meist nur einige wenige Tage durch. Unsere rumänischen Mitarbeiter brauchen das Geld wirklich und ziehen da die Woche durch", sagt die Ostrauer Landwirtin.

Dem Spargelhof am Rande der Lommatzscher Pflege haben jedoch in den vergangenen Tagen auch einige positiv klingende Mails von Personen erreicht, die jetzt gern aushelfen würden. Darunter seien laut Elfi Schertenleib auch eine Studentin sowie eine Lehrerin aus Dresden. "Das ist zwar sehr nett, aber ich bin mir nicht sicher, ob sie die harte Arbeit durchhalten", meint die Landwirtin. "Wir werden unser Glück versuchen." Gemeinsam mit ihrer Familie hat sie sechs Hektar Spargelfläche zu ernten. Wenn sie es personell in diesem Jahr nicht schaffen, dann wolle sie die Pflanzen bis zum nächsten Jahr in der Erde lassen.

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"Wir können es nicht ändern. Dann bleibt der regionale Spargel leider aus", so Schertenleib. Natürlich sei das auch eine finanzielle Einbuße, jedoch habe der Betrieb keine andere Wahl. "Allein schaffen wir es nicht. Da können wir nur froh sein, dass wir gute Hausbanken haben, um möglicherweise einen Kredit aufzunehmen", erklärt sie. "Investitionen werden wir dann wohl auch erst einmal zurückfahren müssen." (mit dpa)

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