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Meißen

Spargelbauern fürchten um Erntehelfer

Ausländische Arbeitskräfte werden wohl wegen der Coronakrise ausfallen. Es gibt Ideen, wer die Lücken füllen könnte.

Rene Heidig mit grünem Spargel. Auf rund einem Hektar wird dieser angebaut, auf neun weiteren Hektar wächst weißer Spargel.
Rene Heidig mit grünem Spargel. Auf rund einem Hektar wird dieser angebaut, auf neun weiteren Hektar wächst weißer Spargel. ©  Archivfoto: Claudia Hübschmann

Diera-Zehren. René Heidig ist auf den Spargelfeldern unterwegs. Der Gesellschafter der Agrar GbR Naundörfel prüft mit fachmännischem Blick die Spargeldämme. Er ist zufrieden. "Es gibt erste Zuckungen. Der Spargel ist schon vital", sagt er. 

Dennoch: Wegen des vielen Regens, der an sich gut war für die Landwirtschaft, rechnet er damit, dass die Spargelernte in diesem Jahr etwa zwei Wochen später beginnen kann als sonst. Auf den Dämmen, die jetzt mit schwarzer Folie abgedeckt sind, damit die Wärme besser hält, könnten um den 8. April herum die ersten Stangen gestochen werden. "Diese Folie hält fast genau so warm, als stünden die Dämme in einem Gewächshaus", sagt er. 

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Die Sparkassen-Versicherung Sachsen ist auch in dieser außergewöhnlichen Situation für ihre Kunden da.

Um den Ertrag auf den zehn Hektar, auf dem der Agrarbetrieb Spargel anbaut – davon auf einem Hektar grünen Spargel – , macht er sich keine Sorgen. Wohl aber darum, wer das Edelgemüse ernten soll. Denn die meisten der etwa 20 Erntehelfer kommen Jahr für Jahr aus dem Ausland, aus Polen, seit einiger Zeit aber auch aus Rumänien. Durch die Corona-Krise und die geschlossenen Grenzen könnten die Helfer in diesem Jahr ausfallen. "Natürlich machen wir uns Gedanken, aber nicht zu viele. Denn was heute richtig ist, kann morgen schon völlig falsch sein", sagt René Heidig.

"Wer das macht, ist im Grunde egal"

Von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner kam jüngst der Vorschlag, Mitarbeiter der Gastronomie, deren Gaststätten wegen der Corona-Krise schließen müssen, als Erntehelfer einzusetzen. Heidig kann dieser Idee durchaus etwas abgewinnen. "Natürlich haben wir auch jetzt schon deutsche Erntehelfer, setzen auf diese. Wichtig ist für uns, dass der Spargel fachgerecht gestochen wird und wir hohe Qualität liefern. Wer das macht, ist im Grunde egal. Wir sind da in alle Richtungen offen", so der Landwirt.

Ein freudiges Ereignis in der tristen Zeit macht ihm Mut. Eine Schülerin, die derzeit die 12. Klasse besucht, bot sich als Erntehelferin an. Auch dies könnte durchaus ein Weg sein, sagt er. Weniger abgewinnen kann er der Idee, rumänische Erntehelfer trotz dichter Grenzen ins Land zu lassen. "Wenn die Ausbreitung des Coronavirus konsequent verhindert  werden soll, darf es nicht lauter Ausnahmen geben."

Sorgen macht ihm auch der Absatz des Edelgemüses. Der größte Teil geht schließlich in Gaststätten bis hin nach Dresden. Wenn diese Gaststätten dicht machen müssen, wird der Absatz ein Riesenproblem. Der Landwirtschaftsbetrieb setzt dann mehr als sonst auf Selbstvermarktung. Neben dem Direktverkauf in Nieschütz soll es auch einen Stand am Edeka-Markt in Meißen geben. Ob der Verkaufsstand am Meißner Obi wie im Vorjahr auch wieder öffnet, sei aber noch nicht entschieden.  

Mit zehn Hektar Anbaufläche ist der Spargel sozusagen ein Nischenprodukt des Pflanzenbaubetriebes, der rund 1.250 Hektar Ackerland bewirtschaftet. Auf diesem werden hauptsächlich Winterweizen, Wintergerste, Winterroggen, Winterraps, Mais und Zuckerrüben angebaut. Dafür sind wenigstens keine Erntehelfer nötig. Zusätzlich wird in Ockrilla eine Bio-Aroniaplantage betrieben.

Der Landwirtschaftsbetrieb wurde 1991 gegründet  und zählt zwölf Mitarbeiter sowie zwei Auszubildende. Die Gesellschafter Martin Naumann, René Heidig sowie Winfried Starke und Sohn führen den familiengeführten Betrieb in der mittlerweile zweiten Generation.

Mehr Mitarbeiter für die Erdbeersaison

Michael Görnitz vom Obstbau Görnitz in Neusörnewitz ist nach eigenen Angaben noch gut versorgt mit Erntehelfern, ohne Zahlen nennen zu wollen. „Es sind schon welche da, weil wir früher in die Saison gestartet sind“, erklärt Görnitz. Im vergangenen Jahr waren es 70. Die meisten kamen aus Rumänien, einige aus der Ukraine. Aktuell wird noch gepflanzt und werden die Gewächshäuser vorbereitet. Bis Ende April seien die Arbeitskräfte dafür ausreichend, so Görnitz. 

Danach, mit Beginn der Erdbeersaison im Gewächshaus, brauche er mehr Mitarbeiter. „Die müssen wir auf dem einheimischen Arbeitsmarkt finden, was schwierig wird, weil diese Arbeit keiner machen will.“ Acht Stunden am Tag Erdbeeren pflücken, das würde kein Deutscher mehr machen. Die letzten Landsleute waren 2010 auf seinen Feldern unterwegs. Oder man versucht, Flüchtlinge dafür einzustellen. Ebenfalls ein schwieriges Vorhaben.

Was, wenn einer krank wird?

Im Blatterslebener Obsthof Ibisch arbeitet man seit Jahren mit Saisonarbeitern zusammen. Wie das in diesem Jahr sein wird, will Firmenchefin Birgit Herrmann noch nicht mutmaßen. 

Auch Elizabeth Schöne vom Spargelhof in Ponickau zuckt eher ratlos die Schultern. Wenn das Wetter weiterhin so gut bliebe, könne der erste Spargel in gut zwei Wochen gestochen werden. Aber dazu braucht es freilich Arbeitskräfte, die das tun. Das ihre rumänischen Helfer in das Land einreisen dürfen, erscheine angesichts der jetzigen Situation eher unwahrscheinlich. „Offen gestanden hoffen wir, dass sich bis dahin doch noch eine Lösung ergibt! Wir sind ja nicht das einzige Unternehmen, welches dringend auf Saisonkräfte aus dem europäischen Ausland angewiesen ist“, bekennt Elizabeth Schöne.

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Der Spargelhof Nauwalde hält sich mit dem Vorbereiten der Spargelfelder zurück. "Wir werden nicht die komplette Fläche hochfräsen", sagt Geschäftsführer Hartwig Kübler. Auch er weiß noch nicht, ob er in diesem Jahr auf seine Erntehelfer aus Rumänien setzen kann. "Wenn sie kommen, dann übernimmt man als Arbeitgeber eine wahnsinnige Verantwortung", gibt er zu bedenken. "Wenn hier einer der Rumänen erkrankt, dann ist der ganze Betrieb gefährdet."  

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