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Stechen Kunden den Spargel in Nauwalde bald selber?

Der Spargelhof Nauwalde wollte die Spargelsaison schon ganz absagen. Nun geht er neue Wege, um den Verlust wegen fehlender Erntehelfer zu begrenzen.

In anderen Regionen Deutschlands wird schon fleißig Spargel gestochen. In Nauwalde könnte es in zwei Wochen soweit sein. Aber wer macht dann die Arbeit?
In anderen Regionen Deutschlands wird schon fleißig Spargel gestochen. In Nauwalde könnte es in zwei Wochen soweit sein. Aber wer macht dann die Arbeit? © dpa

Nauwalde. Den Spargelbauern bleibt in diesem Jahr nichts erspart. Erst dieser warme Winter, der zu einer extremen Verfrühung der Erntezeit führt. Der Boden ist nicht gefroren. Der Spargel treibt aus und kann schon Anfang April gestochen werden. Und dann keine Erntehelfer aus Osteuropa, die wegen der Corona-Bestimmungen nicht nach Deutschland einreisen dürfen. Das geht auch am Spargelhof Nauwalde nicht spurlos vorbei. Dort wartet Geschäftsführer Hartwig Kübler vergeblich auf seine fleißigen Spargelstecher aus Rumänien. 

"Das ist nicht nur für uns ein Verlust, sondern auch für sie", sagt Diplom-Agraringenieur. Denn der deutsche Mindestlohn von über neun Euro sei deutlich besser als das  Durchschnittseinkommen eines Rumänen. Mehr noch. Auf dem Spargelhof Nauwalde würden gute Spargelstecher 13 bis 14 Euro verdienen, wenn die Leistung stimmt. "Da machen wir keinen Unterschied zwischen Deutschen und Rumänen", so Kübler.

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Gute Leistung, das bedeute, etwa 20 Kilogramm Spargel in einer Stunden zu stechen. Das schaffe man nur mit Erfahrung, betont der promovierte Landwirt. Ungelernte Arbeitskräfte würden in der gleichen Zeit nicht mal fünf Kilo schaffen. Ganz zu schweigen davon, wie viel Ausschuss dabei rauskommt. Deshalb ist Kübler von der Idee von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner wenig begeistert, Kellner, die wegen der Corona-Krise zurzeit keine Arbeit haben, aufs Feld zu schicken.  

Geschäftsführer Hartwig Kübler steht vor den Spargel-Buden. Ein paar von ihnen werden dieses Jahr wohl auf dem Spargelhof Nauwalde bleiben.
Geschäftsführer Hartwig Kübler steht vor den Spargel-Buden. Ein paar von ihnen werden dieses Jahr wohl auf dem Spargelhof Nauwalde bleiben. © Jörg Richter

Er hat stattdessen eine andere Idee: Ein paar Spargelfelder in und um Nauwalde sollen zum Selbststechen freigegeben werden, ähnlich wie das Selbstpflücken von Erdbeeren und Äpfeln. "Zwar sind die Anlage danach mit Sicherheit kaputt", sagt Kübler. "Aber das ist besser, als den Spargel vergammeln zu lassen." Ganz ohne fachliche Anleitung ginge das allerdings nicht. Ein, zwei Angestellte müssten mit vor Ort sein, um den Kunden die Spargelmesser auszuhändigen und sie kurz in ihren Umgang einzuweisen. 

Mit oder ohne die Selbststecher - für den Agraringenieur steht fest: "Es wird in diesem Jahr insgesamt weniger Spargel geben." Das hat er aus Gesprächen mit Berufskollegen erfahren. Auch sie reduzieren ihre Spargelfelder um mindestens ein Drittel ihrer Fläche.

In Nauwalde ist es sogar mehr. "Wir haben von vornherein gebremst", sagt Kübler. Von den zwölf Hektar werden momentan nur die Hälfte vorbereitet. Die Junganlagen, die vor zwei Jahren gepflanzt wurden und in diesem Jahr zum ersten Mal Ertrag bringen sollten, werden diesmal in Ruhe gelassen. "Wir haben sogar schon überlegt, auf das Spargelgeschäft in diesem Jahr komplett zu verzichten", so der Diplom-Agraringenieur. Denn vieles sei nach wie vor ungewiss. "Momentan ist alles in der Schwebe. Wir wissen nicht, wie der Markt reagiert, weil die Gaststätten wegfallen."

In den vergangenen Tagen wurde dieses Spargelfeld bei Nauwalde vorbereitet.
In den vergangenen Tagen wurde dieses Spargelfeld bei Nauwalde vorbereitet. © Jörg Richter

Weniger Spargelbuden im Einsatz

In Spitzenzeiten hat der Spargelhof Nauwalde 20 Verkaufstände: zwei Hofläden in Nauwalde und Raitzen, mehrere Buden vor Edeka-Märkten und auch mobilen Stände auf Wochenmärkten. "Letztere haben wir komplett gecancelt", bestätigt Kübler. Und so manche Spargelbude wird auf dem Hof stehen bleiben, weil das Personal fehlt. Denn oft sind es Rentnerinnen, die sich als Verkäuferin etwas dazu verdienen. Aber auf sie können die Nauwalder in der momentanen Corona-Krise nicht setzen, gelten ältere Menschen doch als Risikogruppe Nummer eins. 

Für den Gutshof Raitzen, zu dem der Spargelhof Nauwalde gehört, sei das nicht existenzbedrohend. "Zum Glück sind wir breit aufgestellt", sagt der Geschäftsführer. Das landwirtschaftliche Unternehmen besitzt eine Färsenaufzucht mit 400 Rindern, bewirtschaftet rund 2.300 Hektar Ackerland und Wiesen und erzeugt mit seiner Biogasanlage in Raitzen genug Strom, um einen möglichen Ernteausfall beim Spargel kompensieren zu können. Kübler: "Wir können jedenfalls unsere 20 Mitarbeiter bezahlen."