merken
PLUS

Sparkasse holt Dienstleister aufs Dorf

Das Pilotprojekt „Große Emma“ sorgt für bundesweite Aufmerksamkeit. In gut einer Woche startet es in Zabeltitz.

Von Susanne Plecher

Große Emma“ heißt das, was in Zabeltitz am Montag, dem 16. Juni, mit großem Bahnhof eröffnet werden soll. Landwirtschaftsminister Frank Kupfer reist an, der Chef des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) Michael Ermrich wird da sein genau so wie Landrat Arndt Steinbach. Etliche Vertreter von Städten und Kommunen haben sich angekündigt. Viele kommen aus strukturärmeren Gegenden, aus Städten mit ländlichen Ortsteilen, aus Dörfern. Sie reisen an aus Ost und West.

Anzeige
Die Karriere in Fahrt bringen
Die Karriere in Fahrt bringen

Im Autohaus Dresden gilt: Wenn Mitarbeiter gute Leistungen zeigen, dürfen sie ihr ganzes Potential entfalten. Da ist so mancher schnelle Aufstieg möglich.

Das öffentliche Interesse richtet sich auf etwas, das es in dieser Form in Deutschland noch nicht gibt, aber das eine probate Lösung bieten könnte für die Probleme, die sich infolge des gesellschaftlichen Wandels ergeben: Bevölkerungsschwund, Abwanderung, Ladensterben, Ärztemangel und das Fehlen von sozialen Treffpunkten. Weil diese Probleme alles andere als neu sind, hat das Demografienetzwerk des OSV das Modell der „Großen Emma“ entwickelt. Es soll im ländlichen Räumen eine qualitativ hochwertige Versorgung der Bevölkerung auf innovative Weise sichern und sie dort, wo sie bereits verloren ist, durch neue Ansätze aufbauen.

Mit Initiativpreis geehrt

Dafür hat der OSV gemeinsam mit der Sparkasse Meißen, die 2010 in das Projekt eingestiegen ist, sogar den Initiativpreis des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes erhalten. Innovativ daran ist, dass sich mehrere Anbieter Räume und Möbel teilen, um Kosten zu sparen, aber vor Ort präsent sein zu können. Denn für einen eigenen Laden, eine eigene Niederlassung ist der Umsatz auf den Dörfern oft zu gering. „Das kann man sich nicht mehr leisten“, sagt Ralf Krumbiegel, Pressesprecher der Sparkasse Meißen. Das musste auch die Sparkasse selbst für sich erkennen, und hat vor einem Jahr sieben von 32 Filialen geschlossen.

Nun wird es in Zabeltitz konkret. Nachdem mit einem leer stehenden Haus an der Hauptstraße eine passende Immobilie und mit der Agrargenossenschaft Skäßchen ein williger Partner gefunden wurde, ist das Gebäude seit Anfang des Jahres saniert worden. Die Agrargenossenschaft hat etwa 130000 Euro in den Innenausbau und die Sanierung des Dachs und der Fassade gesteckt. Das Gebäude beherbergt drei Büroräume und ein großes Foyer, das sich für soziale Zwecke nutzen ließe. Vereine könnten sich dort versammeln. Die Sparkasse selbst wird als Mieter einziehen und sich mit dem Lohnsteuerberatungsverbund e.V. einen Raum teilen. „Wir möchten damit die Lebensqualität auf den Dörfern verbessern“, sagt Manfred Engelmann. Die Sparkasse hofft das auch, und sie hofft auf Kunden. Denn „wenn niemand herkommt, brauchen wir es nicht anzubieten“, so Ralf Krumbiegel.