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Sparkasse spart sieben Filialen ein

Spätestens bis September will die Kreissparkasse ihre Filialen in Röderau, Kalkreuth, Pulsen, Lampertswalde, Sacka, Priestewitz und Riesa, Meißner Straße, schließen und damit Kosten sparen. Der Verwaltungsrat hat dem Vorhaben am Dienstag zugestimmt.

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Von Reiner Hanke

Gerade zwei Monate im Amt, geht der neue Chef der Sparkasse Riesa-Großenhain, Dieter Meier, mit eiserner Hand an die Sanierung des Unternehmens. Mit einem mageren Gewinn von 200 000 Euro im Jahr 2002 kann und will sich der Banker nicht zufrieden geben. Noch dieses Jahr soll sich das Ergebnis sichtlich verbessern. Auf dem Weg dorthin werden jetzt sieben von 27 Filialen zwischen Sacka und Riesa geschlossen, um Kosten zu sparen. Rund 5 000 der 95 000 Sparkassenkunden sind direkt davon betroffen und müssen auf eine benachbarte Filiale ausweichen. Die wirtschaftliche Situation zwinge leider „zu diesen unpopulären Maßnahmen“, so Meier. Lieber „ein harter Schnitt“ als Scheibchentaktik, sagt er. Weitere Schließungen seien vorerst nicht geplant, heißt es.

Den Verwaltungsrat hat der Sparkassenchef mehrheitlich hinter sich. Mitglied Markus Mütsch, zugleich Riesaer Finanzbürgermeister, sagt deutlich: „Der Rat war sich klar, wenn die Sparkasse selbstständig bleiben soll, dann gibt es keine andere Wahl.“ Mütsch sieht als Finanzexperte derzeit keinen Vorteil in einem Finanzverbund. Zumal auch der keine Zukunftsgarantie für das komplette Filialnetz abgeben würde.

Tatsache sei aber ein „rückläufiger Bargeldverkehr“ und dafür ein rasanter Zuwachs beim Onlinebanking. Damit teilt Mütsch die Einschätzung von Dieter Meier. Hinzu kämen enorme Kosten für Technik, Miete, Telekommunikation, und das bei einer permanent sinkenden Kundenfrequenz. Die kleinen Filialen seien außerdem in Detailfragen der Anlageberatung oft überfordert, schätzt der Sparkassenchef ein.

Qualität kontra

verärgerte Kunden

Mit einer Qualitätsoffensive will das Kreditinstitut jetzt nicht nur diese Schwachstellen ausbügeln, sondern zugleich über den Verlust der sieben Filialen hinwegtrösten. So werde es auch keine betriebsbedingten Kündigungen geben, versichert Dieter Meier. Die Kräfte sollen dafür an ebenfalls sieben zentralen Standorten gebündelt und die Zahl der Berater aufgestockt werden. Längere Öffnungszeiten ergänzen das Konzept. Außerdem werden Außendienstmitarbeiter verstärkt auf Achse sein, und die Kunden auf Wunsch daheim in allen Gelddingen beraten. Nun hofft die Sparkasse, dass ihre Kundschaft die Argumente schluckt und zählt auf deren Treue. Ganz sicher ist sich das Management aber nicht und hat vorsichtshalber ab heute eine Hotline geschaltet, um Fragen zu beantworten und entrüstete Bürger zu beruhigen. Wie Sandra Lehmann aus Röderau zum Beispiel. Sie fühlte sich bisher in Röderau gut beraten und fordert: „Wenigstens der Geldautomat sollte bleiben.

Tüchtig aufgebracht ist der Priestewitzer Bürgermeister Ernst-Georg Rendke: „Das werde ich nicht protestlos hinnehmen“, poltert er kämpferisch und spricht vom „Kahlschlag im ländlichen Raum.“ Am schwächsten Glied werde angesetzt. Statt dort, wo tatsächlich die Verluste gemacht werden, im Immobiliengeschäft, so vermutet Rendke. Und verweist mit bissigem Unterton auf die Präsenz der Konkurrenz in Priestewitz: „Die „Leute wollen schließlich einen Ansprechpartner vor Ort.“

In der Chefetage der Sparkasse wird etwas anders gerechnet. Nur zehn bis 15 Kunden nutzen die betroffenen Filialen pro Tag. Das sei schlicht unwirtschaftlich. Dennoch schmerzt der Gedanke, verärgerte Kunden könnten zur Konkurrenz flüchten. „Rechnen müssen wir natürlich damit“, sagt Öffentlichkeitsmitarbeiter Ralf Krumbiegel und hofft zugleich auf Verständnis.

Dennoch könnte die Volks- und Raiffeisenbank Meißen-Großenhain lachender Gewinner der Rotstiftaktion sein und die Servicelücke schließen. Ist sie doch gerade in Priestewitz und Lampertswalde präsent. Doch auch bei der Genossenschaftsbank grummelt es. Insider sagen, dass die Filialen in Zabeltitz und Ebersbach wackeln. Zumindest dementiert wird das in der Meißner Zentrale nicht. Der kleine Standortvorteil wäre damit jedenfalls schon wieder verspielt.