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Spaßvögel und andere Feinde

Nach zwei rauchfreien Wochen hat mein Umfeld meine Abstinenz noch nicht verkraftet. Um mich herum wimmelt es von „Bemühten“ und „Feinden“.

Von Philipp Siebert

„Mann, die Kippe schmeckt gut!“ Wie zufällig bläst mein Kumpel Martin eine Rauchwolke in meine Richtung. Zuvor hatte er die Zigarette bereits mit großer Geste aus der Schachtel gefingert und genussvoll an ihr geschnüffelt.

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Er grinst, hofft auf einen Lacher. Tue ich ihm den Gefallen, wird sich die Szene noch oft wiederholen. Also versuche ich, nicht zu lachen.

Die Bemühten sind überall

Täglich grüßt das Murmeltier: Mindestens zwei Dutzend Mal habe ich genau die Situation in den letzten zwei Wochen erlebt. Warum Martin und andere Spaßvögel diesen Witz ständig machen, ist mir schleierhaft. Auffällig ist aber, dass sich manche Raucher mir gegenüber jetzt sonderbar verhalten. Entspannte Normalität sieht anders aus.

Neben dem „Spaßvogel“ ist der Typus des „Bemühten“ am weitesten verbreitet. Er ist gnadenlos rücksichtsvoll. Mein Vater ist so jemand.

In meinem Beisein verzichtet er entweder demonstrativ auf Zigaretten, oder er fragt schon fast verschämt nach, ob es in Ordnung wäre, wenn er sich jetzt eine anstecken würde. Beim Ausblasen stellt er derartige Verrenkungen an, dass ein orthopädischer Schaden vorprogrammiert ist. Alles nur, damit ich unter seiner Raucherei nicht leide.

Weniger zuvorkommend – aber zum Glück auch weniger häufig – ist der letzte Typus. Er ist der „Feind“. Besser gesagt, ich bin seiner. Geht es um das Thema Rauchen, fährt er stets Kampflinie. Derb im Tonfall, von Vorzügen des Nichtrauchens will er nichts wissen. „Na, du Verräter“, ist die übliche Grußformel. Ansonsten verstehen wir uns aber blendend.

Rücksicht ist nicht nötig

Ich reime mir das so zusammen: Er ist überzeugter Raucher und sieht seine Spezies immer und überall bedroht. Vor allem in Zeiten, in denen Raucher immer und überall ausgeschlossen sind. Mit meinem Rauchstopp bin ich ihm nun auch noch in den Rücken gefallen, aus der geheimen Nikotinbruderschaft ausgetreten. Seine Logik: Wer nicht mit ihm raucht, ist gegen ihn. Wirklich verstehen kann ich seine Denkweise nicht.

Einen Schmachter nach einer Kippe habe ich nur selten. Besondere Rücksicht ist deshalb nicht nötig. Ebenso wenig die kleinen Anfeindungen.

Ich habe nicht die Absicht, jemanden zu missionieren. Na ja, und was ich von schlechten Witzen halte, muss ich nicht erklären.

Interessant ist trotzdem: Für mich scheint das Rauchen weit weniger präsent zu sein, als für manche Raucher meine Abstinenz. Vielleicht geht es aber auch nicht so sehr um mich, sondern um sie selbst.