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Spatenstich für das neue Groß-Finanzamt

Die Behörden von Freital und Pirna werden zusammengelegt. Das ist mehr als eine logistische Herausforderung.

© Norbert Millauer

Von Alexander Müller

Nun wird die Vision des Finanzministers Wirklichkeit. Gestern gab es den ersten Spatenstich für das neue Groß-Finanzamt in Pirna. Minister Georg Unland (CDU) ließ es sich nicht nehmen, persönlich dabei zu sein. Es ist jetzt ziemlich genau zwei Jahre her, da lief er mit Innenminister Markus Ulbig (CDU) durch die Stadt und schaute sich die Immobilie an. Obwohl damals eher Verfallenes zu sehen war, gab Georg Unland schon seinerzeit zu verstehen, dass Pirna hier den Zuschlag bekommt – was aber das Aus für Freital bedeutet.

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Das neue Finanzamt ist nämlich nicht nur ein bloßer Neubau. Die Behörde entsteht zum einen an historischem Ort und bedeutet zum anderen ein Zusammenschluss der Finanzämter von Freital und Pirna. Mitte 2016 sollen hier knapp 300 Mitarbeiter ihre Tätigkeit aufnehmen. Die bestehenden Finanzämter werden an ihren alten Standorten geschlossen. Die Freitaler werden sich dann nicht nur auf längere Wege einrichten müssen, sondern auch auf eine neue Steuernummer. Den Mitarbeitern versuchte der Finanzminister den Umzug immerhin so schmackhaft zu machen, dass sie dadurch ja auch bessere Arbeitsbedingungen vorfänden.

Das Areal, wo gestern der Spatenstich vollzogen wurde, ist sehr alt. Hier befindet sich das sogenannte Liebenausche Vorwerk. Das ist das Wohnhaus eines ehemaligen Hauptmanns, der sich vor allem während des Dreißigjährigen Krieges militärisch verdient gemacht hatte. 1639 verteidigte er die Festung Sonnenstein gegen schwedische Truppen.

Zum Dank erhielt er das Vorwerk, dessen Bebauung schon damals historisch war. Das wurde nun auch den Archäologen deutlich, die bei ihren Grabungen umfangreiches Material sichern konnten. Offenbar geht die Geschichte an diesem Ort sogar bis zur Erstbesiedlung Pirnas im Mittelalter zurück.

Neben dem Liebenauschen Vorwerk, das in seinem Kern erhalten bleibt, wird auch der Blaue Hecht in seiner Substanz gerettet. Der ehemalige Gasthof ist ebenfalls von historischer Bedeutung. Ein Berliner Architekturbüro hatte es nach Ansicht der Verantwortlichen am besten verstanden, Geschichte und Moderne zu verknüpfen. Vor allem die sich optisch einfügende Dachkonstruktion war gelobt worden.

Der Bau an der Königsteiner Straße/B 172 zwischen Clara-Zetkin-Straße und Seminarstraße wird Pirna nachhaltig verändern. Das weckt zum einen Hoffnungen, aber auch Ängste. So freut sich die Stadt natürlich auf der einen Seite, dass die Angestellten und Beamten die Innenstadt weiter beleben. So sollen sie vor allem einen Impuls für die Breite Straße sein, die sich gleich direkt gegenüber der neuen Behörde befindet, bisher in Pirna aber eher ein Schattendasein führt. Die Befürchtungen sind umgekehrt wiederum, dass es künftig noch mehr Staus und weniger Parkflächen in Pirna gibt. Zwar werden auch am neuen Finanzamt Parkplätze gebaut, doch die werden nicht reichen. Die Pirnaer Stadtverwaltung glaubt aber, dass diese von dem nahen Parkhaus „Stadtmitte“ zur Verfügung gestellt werden können.

Insgesamt werden mindestens 23 Millionen Euro in das Gesamtvorhaben fließen. Es ist damit eines der größten Projekte in der Stadt seit der Wende.