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Spatenstich fürs Wasserwerk Boxberg

Nach langem Anlauf ist das Millionenprojekt endlich gestartet – für sichere Trinkwasserversorgung. Auch in Weißwasser.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (M.) und Boxbergs Bürgermeister Achim Junker (re.) als Vorsitzender des Wasserzweckverbands „Mittlere Neiße – Schöps“ vollzogen den symbolischen Spatenstich. Das alte Wasserwerk Boxberg arbeitet, bis das neue fertig is
Ministerpräsident Michael Kretschmer (M.) und Boxbergs Bürgermeister Achim Junker (re.) als Vorsitzender des Wasserzweckverbands „Mittlere Neiße – Schöps“ vollzogen den symbolischen Spatenstich. Das alte Wasserwerk Boxberg arbeitet, bis das neue fertig is © Joachim Rehle

Ironie des Schicksals: Im Nordkreis regnet es viel seltener als anderswo in der Oberlausitz. Ausgerechnet am Freitagnachmittag zum symbolischen Spatenstich für das neue Wasserwerk in Boxberg war das aber der Fall. Dennoch sahen alle Beteiligten darin ein gutes Omen. Ohne Wasser geht es nun mal nicht. Auch Ministerpräsident Michael Kretschmer und Boxbergs Bürgermeister Achim Junker (beide CDU) als Vorsitzender des Wasserzweckverbands „Mittlere Neiße – Schöps“ nahmen es gelassen, als sie zum Spaten griffen und wenig später statt der sonst üblichen separaten Grundsteinlegung gleich noch eine Hülse mit den beiden regionalen Tageszeitungen für die Nachwelt im Boden versenkten.

Michael Kretschmer nannte es „einen schönen Termin“. Aufgewachsen sei er im Wasserwerk 9 in Görlitz, erzählte er. Vater und Großvater Wasserwerker, da hätten sich seinerzeit viele Arbeitseinsätze um die Wasserversorgung gedreht. Daher kenne er Filter und Kaskaden, auch wenn heutzutage natürlich alles viel moderner sei.

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Nicht nur die Technik ist ihm ein Begriff, die Bemühungen um eine gesicherte Trinkwasserversorgung für den Nordkreis ebenso. Michael Kretschmer hat sie über viele Jahre begleitet. Er würdigte, mit welcher Hartnäckigkeit die Beteiligten drangeblieben sind. „Weißwasser braucht Wasser. Die Stadt hat eine Zukunft“, erklärte er. Gleichzeitig verwies er auf ein Treffen mit der Bundesverteidigungsministerin am Tag zuvor und auf Investitionen des Freistaats in die Stiftung in Bad Muskau. „Wir wollen Vieles bewegen und dazu braucht man Trinkwasser“, so der Ministerpräsident.

Mit dem Projekt soll im Norden des Landkreises Görlitz für 35.000 Menschen in Zukunft die Versorgung mit Trinkwasser in hoher Qualität zu bezahlbaren Preisen sichergestellt und zugleich ein Beitrag zum Strukturwandel geleistet werden. So fasste WZV-Vorsitzender Achim Junker das Anliegen zusammen. Alles in allem 9,5 Millionen Euro werden dafür investiert – in den Bau einer Wasserfassung am Bärwalder See, in die Verlegung einer knapp zwei Kilometer langen Rohwasserleitung im Durchmesser von 60 Zentimetern vom See bis ins Wasserwerk sowie in den Neubau des Wasserwerks. Es soll im Frühjahr 2021 den Probebetrieb aufnehmen. „Ein sportliches Ziel“, wie es Achim Junker nannte. Bei dem Vorhaben zeige sich die Stärke der regionalen Zusammenarbeit.

Eigentlich sollte der symbolische Spatenstich schon im April stattfinden. Doch wegen der seinerzeit noch geltenden Kontaktbeschränkungen fiel der Festakt Corona zum Opfer. Nicht so die Bauarbeiten für die Wasserfassung. Und auf dem Gelände des Wasserwerks selbst sind nach dem Abriss des alten Sanitärgebäudes in der Baugrube bereits die Fundamente für das neue Werk gelegt. Die sechs Filter kommen aus den alten Bundesländern. Sie sollten eigentlich über die Elbe transportiert werden, was wegen des niedrigen Wasserstands jedoch Probleme bereitet. Um die Filter herum wird eine Halle in Leichtbauweise errichtet, die bis zum Winter fertig und dann ausgebaut wird.

Für Verzögerung sorgten hohe Umweltauflagen mit der Forderung nach einer ökologischen Bauüberwachung. Entlang der Trasse der Rohwasserleitung mussten Lurche per Hand abgesammelt werden. Ein Schutzzaun soll jetzt verhindern, dass neue Lurche in das Baugelände eindringen.

Endlich ein gutes Ende in Sicht

„Viele Ungewissheiten sind jetzt geklärt“, versicherte Marco Hülse, der bei den Stadtwerken Weißwasser für Trinkwasserprojekte zuständig ist. Der enge Zeitplan sei eine große Herausforderung. Für die Planer beispielsweise, „die alle randvoll mit Arbeit sind“, sagte er. WZV-Geschäftsführerin Petra Brünner, ist „ein Stein vom Herzen gefallen“, als die Ausschreibungen begannen. Sie sei froh, dass es für alle Lose Angebote von Firmen gab und „keinen Abbruch durch Corona“. Auch die Finanzierung sei zu einem guten Ende gebracht. Die Kosten für die Wasserfassung und die Rohwasserleitung werden vollständig vom Bergbausanierer LMBV finanziert, die für das Wasserwerk zu 54 Prozent. Der Haushalt des WZV mit Investitionskosten und Kreditaufnahme ist von der Rechtsaufsicht genehmigt.

Seit 2007 beschäftigt die Neustrukturierung der Trinkwasserversorgung in Weißwasser und den WZV-Mitgliedsgemeinden die Verantwortungsträger. Das Thema reicht aber viel weiter zurück. 1993 war die Flutung des im Jahr zuvor stillgelegten Tagebaus Bärwalde beschlossen worden. Schon da sollte in einem Gutachten ermittelt werden, was das für einen Einfluss auf die Wasserversorgung hat. Im Januar 2018 ging die 22 Kilometer lange Wasserleitung vom Wasserwerk Boxberg zur Druckerhöhungsstation nach Weißwasser in Betrieb – ein wesentlicher Schritt, um vom Wasserwerk Schwarze Pumpe unabhängig zu werden. Parallel zu diesem Bau waren Varianten untersucht und verworfen worden wie der Bau einer Versorgungsleitung vom Wasserwerk in Sdier nach Boxberg.

Diese Ideen sind Geschichte und eine nach den Worten von Ministerpräsident Michael Kretschmer „vernünftige Lösung“ gefunden: Ein neues Wasserwerk in Boxberg, welches aus dem Bärwalder See gespeist wird. Um dessen Wasserstand und damit die touristische Entwicklung nicht zu gefährden, werden pro Jahr 500.000 Kubikmeter Wasser aus dem See selbst entnommen, weitere 1,5 Millionen Kubikmeter aus dem unterirdischen Abstrom. Das macht nur einen Bruchteil der unterirdischen Wassermenge aus. Vor allem aber ist das Wasser von hoher Qualität. Zur Einweihung des neuen Wasserwerks wird damit angestoßen. Das steht schon jetzt fest.

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