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Speckgürtel wächst, Berge bluten

Während die Gemeinden um die Landeshauptstadt zulegen können, verliert das restliche Gebiet des Weißeritzkreises immer mehr Menschen. Vor allem im oberen Kreisgebiet schrumpfen die Orte.

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Von T. Harder und M. Brückner

Kreischa

In Kreischa lebt man schon im Grünen, ist jedoch noch nah am pulsierenden Leben der Großstadt. Innerhalb von 30 Minuten schafft man es bis ins Zentrum Dresdens. Die Anbindung funktioniert. „Wir können mit der Infrastruktur sehr zufrieden sein“, sagt Kreischas Bürgermeister Frank Schöning . Seine Gemeinde will perspektivisch auf 5 000 Einwohner kommen. Dann werde sie jedoch die Wachstumsgrenze erreicht haben.

Bannewitz

In den Bannewitzer Ortsteilen wurde in den 90er Jahren intensiv gebaut. Die Gemeinde wuchs um 3 000 Einwohner, hat nun mit über 10 000 fast so viele wie die Kreisstadt. „Unser Motiv ist nicht mehr, schnell weiter zu wachsen“, meint Bürgermeister Christian Zeibig (parteilos). Etliche Baugebiete sind wieder aus dem Flächennutzungsplan verschwunden. Mit nur geringen Neuausweisungen von Bauland soll die Expansion bloß noch abgerundet werden. Zusammen mit der Sanierung von leerstehenden Gebäuden in den Ortslagen könnte die Einwohnerzahl langfristig jedoch bis auf 12 000 steigen, glaubt Zeibig.

freital

Freital liegt zwar in der Nähe Dresdens, aber „Speckgürtel“ wäre wohl nicht richtig. Nur im Dresden-nahen Ortsteil Pesterwitz und im Gebiet am Pulverturm boomt der Wohnungsneubau. Schwierig sei die Situation in den Gründerzeithäusern entlang der Dresdner Straße, sagt Stadtplaner Andreas Klein. Der Lärm lässt viele wegziehen. Deshalb soll der Durchgangsverkehr nach und nach hinter die Eisenbahntrasse verbannt werden.

Pretzschendorf

Die Gemeinde verzeichnet seit dem Zusammenschluss von Pretzschendorf, Friedersdorf, Röthenbach, Klingenberg und Colmnitz 1999 einen Rückgang der Einwohnerzahl. 2,2 Prozent beträgt der Verlust durch Wegzug im ersten Halbjahr 2003. Viele junge Menschen verlassen ihre Heimat auf der Suche nach Ausbildungs- und Arbeitsplätzen.

Altenberg

Über 150 Einwohner hat Altenberg innerhalb eines Jahres verloren. Damit hat die Bergstadt die rote Laterne. Für Bürgermeister Thomas Kirsten ist der Schwund seiner Einwohnerschaft kein „hausbackenes Problem“ – sondern ein sächsisches. Drei Ursachen benennt der Stadtchef: Zum einen gibt es in Altenberg zu wenig Arbeitsplätze. Zum anderen ziehen Leute, die täglich pendeln könnten, ins Vorgebirge oder nach Dresden, weil es dort wegen des Überangebotes an Wohnraum mittlerweile günstige Wohnungen gibt und die „Infrastruktur vielleicht besser ist“. Auch der starke Transitverkehr auf der B 170, die viele Orte der Gemeinde tangiert, trage nicht gerade zur „Lebensqualität“ der Anwohner bei.

Schmiedeberg

In Schmiedeberg verfolgt man mit Sorge den Bevölkerungsschwund. Die Ursachen liegen für Kämmerin Barbara Rademacher auf der Hand. Zum einen gab es im ersten Halbjahr nur zehn Geburten. Dem standen 45 Sterbefälle entgegen. „Fast 20 mehr als in den Vormonaten“, so die Kämmerin. Zudem zog im Mai das Pflegeheim Sadisdorf samt seiner Insassen nach Dippoldiswalde.

Dippoldiswalde

Den langsamen, aber stetigen Einwohnergewinn kann Irena Hoffmann, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt, schnell begründen: „In Dipps fühlt man sich einfach wohl.“ Immer mehr Dresdner zieht es ins nicht ganz so städtische Dippoldiswalde. Das beweise die steigende Auslastung der ausgewiesenen Bebauungsgebiete. Vorteilhaft für Dipps sei die gute Ausstattung mit Schulen und Kindergärten, so Hoffmann. Zudem gibt es von der Kreisstadt gute Verbindungen nach Dresden, Chemnitz, Freiberg, Altenberg und Tschechien.KOMMENTAR