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Spedition schreddert jetzt Holz

Die Firma Missale aus Miltitz besitzt längst einen guten Namen. Als Transporteur. Nun betreibt sie auch einen Wertstoffhof.

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© René Plaul

Von Manuela Reuß

Wegwerfen war gestern. Jetzt wird wieder gesammelt. Die Miltitzer Firma Missale hat den Sero-Gedanken aufgegriffen und mit ihrem Altstoffhandel ein zweites Standbein fürs Unternehmen geschaffen. Sero hieß zu DDR-Zeiten, dass man in Haushalten Sekundärrohstoffe – also Wiederverwertbares, wie alte Flaschen und Zeitungen – nicht im Müll entsorgte, sondern sammelte. Dafür gab’s ordentlich Geld. Ein Kilo Zeitungen, schön gebündelt, brachte seinerzeit 30 Pfennige ein.

Papier, Glas und Textilien kann man inzwischen auch bei der Miltitzer Firma Missale wieder zu Geld machen. Zwar gibt es für ein Kilo Papier derzeit „nur“ sieben Cent. „Doch das ist im Vergleich zu anderen Ankäufern in der Region eigentlich ein guter Preis“, weiß Justus Große, einer der beiden Missale-Geschäftsführer.

Logistik und Wertstoffe

Mit dem neu geschaffenen Wertstoffhof hat sich das Miltitzer Unternehmen jetzt breiter aufgestellt. „Nur als reine Transportfirma kann man fast nicht überleben“, erklärte Firmenchef Matthias Missale bereits vor gut zwei Jahren. Davon gebe es zu viele. Die Miltitzer firmieren deshalb jetzt nicht mehr nur als Logistik- sondern auch als Wertstoffunternehmen.

Möglich wurde dies vor allem erst durch den Kauf des Grundstückes, auf dem das Unternehmen seit 2009 seinen Sitz hat. Das gehörte bislang der Enso Energie Sachsen Ost AG, die an dem Standort ursprünglich mal eine Biogasanlage errichten wollte. Nachdem der geplante Neubau vom Tisch war, brauchte der Energieversorger das rund 40 000 Quadratmeter große Land nicht mehr. Mieter und Vermieter wurden sich schnell einig. „Die Enso war ein fairer Partner“, erklärt Justus Große. Einen sechsstelligen Betrag investierte Missale in den Grundstückskauf sowie den Bau der Boxenanlage und einer Maschinenhalle.

Ideale Lage

Der Gedanke, einen Wertstoffhof einzurichten, hatte mehrere Gründe. Zum einen sei die Lage natürlich ideal. „Wir befinden uns hier im Industriegebiet. Das ist schon mal eine gute Voraussetzung.“ Auch die verkehrstechnische Anbindung sei günstig. Und nicht zuletzt schaffen sich die Miltitzer mit dem zweiten Standbein auch Arbeit fürs erste. Denn alles, was auf dem Gelände umgeschlagen wird, transportiert die eigene blaue Brummi-Flotte. Zudem entstanden zehn neue Arbeitsplätze.

Nur mit Papier, Glas und Textilien aus privaten Haushalten kommt da allerdings nicht viel zusammen. Deshalb lagern auf dem weitläufigen Firmengelände in riesigen Boxen unterschiedlichste Wertstoffe. Vom Holz bis zu Ziegel- und Fliesenbruch. Selbst Altreifen kann die Firma dort deponieren. Denn die Miltitzer haben sich als Entsorgungsfachbetrieb zertifizieren lassen. Seit zwei Jahren besitzen sie auch die zum Betreiben eines Wertstoffhofes nötige Erlaubnis nach Bundesimmissionsschutzgesetz. Diese sogenannte Bimsch-Genehmigung regelt u.a., wie viele und welche Abfälle auf dem Areal liegen dürfen.

Abfall als Ressource

Die Firma Missale lagert die Wertstoffe aber nicht nur, sondern führt sie dem Wirtschafts-Kreislauf wieder zu. Sie betrachtet Abfall nicht als Last, sondern als Ressource. Deshalb sei man ständig dabei, sich weiterzubilden und neue Recyclings-Möglichkeiten aufzutun. Damit weniger wertvolle Rohstoffe auf der Mülldeponie enden. „Aus unserer Sicht ist das eine sinnvolle Sache.“

Der größte Posten sind derzeit Holzabfälle, von denen rund 5 000 Tonnen im Jahr umgeschlagen werden. Je nach Qualität gehen sie in die stoffliche oder thermische Verwertung. Letzteres sei allemal besser, „als teure Kohle aus der Erde zu holen“, sagt Justus Große. Selbst für geschredderte Altreifen gebe es inzwischen Verwendungsmöglichkeiten und damit einen kleinen Obolus. Die Entwicklung auf dem Recycling-Markt findet Missale-Geschäftsführer Große spannend. Zudem habe man das gute Gefühl, „ein bisschen was für die Umwelt getan zu haben“.

Deshalb öffnen die Miltitzer ihren Wertstoffhof auch für Privatleute. Sie können bei Missale nicht nur Rohstoffe loswerden, sondern auch Baustoffe wie Splitt, Kies oder Sand einkaufen. Selbst kleine Mengen. Oder auch Baumaschinen ausleihen. Oft ist das nämlich sinnvoller, als teure Maschinen selbst zu kaufen.