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Steinigtwolmsdorfer Hobbytänzerinnen proben emsig für die Wettbewerbssaison – haben aber nichts anzuziehen.

Ein grafisches Muster in schwarz-weiß, dazu weite Volants, dezente Schleier und schwarze Fliege – in diesen Kostümen bestritt die Progress Dance Company ihre ersten Wettbewerbe.
Ein grafisches Muster in schwarz-weiß, dazu weite Volants, dezente Schleier und schwarze Fliege – in diesen Kostümen bestritt die Progress Dance Company ihre ersten Wettbewerbe. © Steffen Unger

Steinigtwolmsdorf. Hoch über der Bühne thront eine Puppenspielerin im überlangen Rock. In ihrem Spiel lässt sie die Marionetten in zwei Gruppen tanzen. Die aber durchbrechen die ihnen zugeteilte Ordnung, lassen Chaos entstehen, bilden schließlich eine eigene neue Einheit.

Wenn Victoria Hübner von der Choreografie erzählt, die sie mit ihrer Wettkampftruppe aus dem Steinigtwolmsdorfer Dance Center 66 in diesem Jahr auf die Bühne bringen will, tun sich unweigerlich Bilder vor dem Auge des Zuhörers auf. Dass sie gleichsam in der Lage ist, diese zum Leben zu erwecken, bewies sie in der vergangenen Wettkampfsaison. Bereits kurz nach der Gründung der Tanztruppe führte sie ihre Progress Dance Company zu den ersten beiden Wettbewerben. 

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Roben in Einzelanfertigung

Und das sehr erfolgreich: Mit ihrem Hip-Hop-Programm „Power“ belegten die jungen Frauen zwei erste Plätze. Ihre Showtanznummer „Freaks“ heimste immerhin einen zweiten Platz ein. Die vier Tänzerinnen trugen dabei auffällige, schwarz-weiße Blazer mit großen Volants. Dazu schwarze Fliegen, Schleier und aufwendiges Make-up. Klamotten, die wichtig sind, weil sie in die Bewertung einfließen– im Alltag aber eher nicht zum Einsatz kommen.

Genau aus diesem Grund möchte Trainerin Victoria Hübner in diesem Jahr darauf verzichten, die Ausgaben für die Showtanz-Kostüme in Gänze den Eltern ihrer 14 Schülerinnen aufzuerlegen: „Die Tanzschuhe für die Auftritte werden privat bezahlt, aber auch ein Kostüm kostet etwa 40 Euro“, erklärt sie. Gefunden sind die favorisierten Roben bereits. Die paillettenbesetzten Kleidungsstücke können auf der Bühne verändert werden. Auch eine Einzelanfertigung ist notwendig – der Rock der Puppenspielerin muss etwa zwei Meter lang sein. Hinzu kommen Ausgaben für Requisiten und Accessoires. Alles in allem benötigt die Progress Dance Company 800 Euro, um die Tänzerinnen auf der Bühne perfekt in Szene zu setzen. Der notwendige Betrag soll durch eine Crowdfunding-Aktion zusammenkommen.

Studiochefin Victoria Hübner studierte Bühnentanz. Heute ist das Trainieren ihre Leidenschaft.
Studiochefin Victoria Hübner studierte Bühnentanz. Heute ist das Trainieren ihre Leidenschaft. © Steffen Unger

Hübners Engagement für „ihre“ Mädels ist leicht erklärt: „Wir trainieren seit Ostern hart, haben gemeinsam die Idee zur Choreografie entwickelt. Gelingt der Auftritt, ist das auch immer gut für das Selbstbewusstsein der Mädels.“ Etwa 60 Schülerinnen bringt Victoria Hübner in ihrem Studio derzeit verschiedenste Tanzstile nahe. Ihre Leidenschaft aber ist das Hintrainieren auf Wettbewerbe. „Ich liebe die Vorbereitung, aber ich möchte nicht in der Haut der Mädchen stecken. Wettkampftage finde ich furchtbar schwierig“, sagt die junge Mutter, die mit drei Jahren zu tanzen begann und später in der Dresdner Palucca-Schule Bühnentanz studierte. Heute sieht sie sich vor allem als Trainerin: „Ich bin sehr ehrgeizig, was die Leistung meiner Mädchen angeht. Zwar bewegen wir uns nur im Hobbybereich, aber auch dort herrscht ein sehr hohes Niveau.“ Zweimal pro Woche trainiert die Progress Dance Company gemeinsam. Hinzu kommen gemeinsame Trainingslager. Neben der Verinnerlichung aller Bewegungsabläufe geht es dabei vor allem um Technik: „Ballett, Kraft, Dehnung“, zählt Victoria Hübner auf. Von ihren Schützlingen erwartet sie, dass die auch in der Freizeit an ihrer Fitness arbeiten. „Ich will die Motivation hochhalten“, macht Hübner deutlich. Nur konsequent ist es daher, wenn jeder ihrer Schülerinnen aber auch Tänzerinnen ohne Verbindung zum Dance Center 66 jährlich die Möglichkeit geboten wird, Teil der Company zu werden. Im September will sie dafür ein Casting veranstalten. „Auch die Company-Mitglieder werden einer Leistungsprüfung unterzogen“, verspricht sie.

Kostüme sollen nicht verstauben

Vorher gilt es aber, in den verschiedenen Tanzwettbewerben die teils hochkarätig besetzten Jurys zu überzeugen. Fest im Plan steht für die Progress Dance Company die Teilnahme am DAK Dance Contest in Leipzig, beim Jazz Dance Cup in Dresden und beim Foucault Adventscup in Hoyerswerda. Die Wettkampfkostüme, deren Anschaffung nach Ablauf der Crowdfunding-Aktion hoffentlich nichts mehr im Wege steht, haben bei diesen Gelegenheiten ihren großen Auftritt, sind danach aber noch so gut wie neu. Im Schrank werden sie nach Ablauf der Saison daher ganz sicher nicht verstauben: „Es gibt verschiedene Börsen für Tanzbekleidung. Die Tanzbranche arbeitet da sehr nachhaltig.“, verrät Victoria Hübner. Gemeinsam mit ihren Tänzerinnen hatte auch sie dort Ausschau nach passender Garderobe gehalten, war aber nicht fündig geworden. Der Verkaufserlös fließt in der kommenden Saison in die Anschaffung neuer Kostüme.

Informationen zum Dance Center 66 gibt es unter www.dancecenter66.com. Wer die Tanzcompany unterstützen möchte, spendet online unter www.leetchi.com/c/wettkampfkostueme-51oyv8ol

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