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Spendenbüchsen an den Skiloipen

Altenberg. Die Bergstadt erwägt, Tagesausflügler um einen Obolus für das Spuren der Skiwegezu bitten.

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Von Mandy Schaks

Er ist fit, sie unternehmungslustig. Beide haben in der Regel einen Job. In ihrer Freizeit wollen sie entspannen und sich auch – abhängig vom Wetter – aktiv betätigen. So ungefähr beschreibt Jochen Löbel, Geschäftsführer vom Hotel Lugsteinhof Zinnwald und Sprecher des Wirtestammtisches, den durchschnittlichen Tagestouristen. „Und den dürfen wir nicht verprellen, weil er an Bedeutung gewinnt.“

Wie aber kann er in die Region gelockt werden und etwas Geld hier lassen? Eine Frage, die die Tourismus-Branche und die Stadt Altenberg immer wieder beschäftigt. Gerade im Winter, wenn bei herrlichen Skibedingungen Tausende Tagesgäste anreisen, ihre Bretter anschnallen und in die gespurten Loipen steigen. Zum Null-Tarif.

Die Bergstadt betreut etwa 30Kilometer Loipen und noch einmal so viele Skiwanderwege. Das kostet sie jede Saison um die 30000Euro. Die Urlauber, die in Altenberg auch übernachten, beteiligen sich an den Aufwendungen. Sie zahlen Kurtaxe für die touristischen Einrichtungen. Also auch für das Ski-Netz. Tagesgäste nehmen diese Leistung bislang gratis in Anspruch.

Daran will Altenberg in Anlehnung an andere Wintersportorte etwas ändern. Unabhängig von dem Nutzungsentgelt, das jetzt der Staatsbetrieb Sachsenforst von den Loipenbetreibern verlangen will, wird im Osterzgebirge seit Monaten über einen freiwilligen Obolus für die präparierten Skiwege diskutiert. Schilder an den Loipen und eine Art Spendenbüchse sollen Tagesgäste dazu animieren, ein paar Cent oder auch Euro einzuwerfen und sich so an den Kosten zu beteiligen. „Wir hatten Gäste, die sagten zu uns: ,Warum machen Sie das umsonst?’“, schilderte jüngst die Altenberger Tourismus-Chefin Ute Marschner im Stadtrat. „Es gab auch schon Leute, die legten fünf Euro auf den Tisch für den, der mit dem Pistenbully die Loipen so schön gespurt hatte.“

Altenberg überlegt nun, diese Idee aufzugreifen und dafür an zentralen Loipen-Einstiegspunkten zu werben, auch unter einheimischen Skifahrern. Hotelchef Jochen Löbel glaubt, dass man diese Variante durchaus mal testen kann. Er verspricht sich allerdings von der wirtschaftlichen Seite her nicht viel.

Um das Ergebnis zu verbessern, bliebe nur, einen Loipen-Beitrag – in welcher Form auch immer – zu erheben. Doch da sind viele skeptisch. „Das funktioniert nur mit einem schlüssigen Konzept“, sagt Löbel. „Dann muss es gerecht sein und nicht zum Chaos führen.“ Wenn Skifahrer dann vielleicht aus Kostengründen die Loipe verlassen und querfeldein durch Wiesen und Wälder fahren, wäre der Schaden vielleicht größer als der Nutzen. „Wir haben Vogelschutzgebiete“, so Löbel. „Die Skifahrer könnten die Nester der Birkhühner zerstören.“ Außerdem erwarte der Gast bei einer festen Loipen-Gebühr, dass die Skiwege auch intakt sind – egal ob es stürmt oder schneit.