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Spender gesucht für Armani, Gucci und Prada

Die Dresdner Tafel verkauft ein schwieriges Erbe: Etwa 1 000 Designerteile aus einem insolventen Edel-Kaufhaus.

© Jörn Haufe

Von Doreen Reinhard

Das Lager der Dresdner Tafel ist bis in die letzte Ecke mit Restposten gefüllt. Mit verschmähtem Gemüse aus dem Supermarkt, Milch, die nur noch ein paar Tage Haltbarkeits-Galgenfrist hat, und etlichen Zentnern Gebackenem. Alles, was heute keine Käufer mehr gefunden hat, wird morgen über 1 000 Bedürftige in ganz Dresden satt machen. „Und wie immer ist das meiste noch von guter Qualität“, sagt Tafel-Chefin Edith Franke. Zufrieden kontrolliert sie die gelieferten Lebensmittel, drückt reife Weintrauben und leuchtende Auberginen. Drei Stahltüren weiter befühlen ihre Hände eine ganz andere Spende: feines Wildleder, teure Seide, kostbarer Tweed. Prada, Armani, Gucci – insgesamt 1 000 Designerstücke, drapiert auf Kleiderbügeln und versteckt im derzeit Allerheiligsten der Tafel. Am Sonntag will Edith Franke ihre Schatzkammer, die eigentlich eine Kühlhalle ist, leeren und ein schwieriges Erbe unter die Menschen bringen.

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Tafel-Chefin Edith Franke will die Designerstücke am Sonntag ins beste Licht rücken. Für den Eigenbedarf hat sie sich einen schwarzen Kaschmir-Mantel ausgesucht und bereits gegen eine Spende getauscht.Foto: André Wirsig
Tafel-Chefin Edith Franke will die Designerstücke am Sonntag ins beste Licht rücken. Für den Eigenbedarf hat sie sich einen schwarzen Kaschmir-Mantel ausgesucht und bereits gegen eine Spende getauscht.Foto: André Wirsig © André Wirsig
© Jörn Haufe
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Dass sie, die Helferin der Armen, vor Bergen teuerster Textilien steht, kann die 71-Jährige noch immer nicht richtig fassen. Alles begann im Frühjahr mit einem Angebot, zu dem sie einfach nicht „Nein“ sagen konnte. „Ein Anwalt, der auch ein Büro in Dresden betreibt, rief mich an und fragte, ob ich Interesse hätte, die Waren eines insolventen Kaufhauses zu übernehmen.“ Als Spende, an die lediglich ein paar Bedingungen geknüpft waren. Mit den Sachen dürfe nicht spekuliert werden. Keine Verkäufe bei Ebay, keine Geschäfte mit Zwischenhändlern, die später vielleicht doch Gewinn machen könnten. Alles sollte in einem wohltätigen Rahmen bleiben. Auch über das Kaufhaus erfuhr Edith Franke so gut wie nichts, nur dass es in Baden-Württemberg beheimatet war.

Persönliche Preis-Politik

Warum nun ausgerechnet der Dresdner Verein zur größten Sachspende in seiner 18-jährigen Geschichte gekommen ist, dafür fällt Edith Franke nur eine vage Vermutung ein: „Vielleicht wusste man ja, dass ich vor meiner Arbeit für die Tafel ein paar Jahre Designermode verkauft habe, mich also ein bisschen damit auskenne.“

Als sie das Angebot angenommen hatte und die Textilien schließlich in fünf Transportern nach Dresden kamen, war sie trotzdem überwältigt. „Als ich die ersten Kisten ausgepackt und all die bekannten Designernamen gesehen habe, dachte ich, ich werde verrückt.“ Pelze, High Heels, Lederjacken, Blazer, alles vom Feinsten. Nicht mehr der allerneueste Schrei, sondern aus vergangenen Jahren und Kollektionen, aber trotzdem keineswegs zu verachten.

Aber auch nichts für jedermann – und deshalb ein Erbe, das Edith Franke nicht nur Freude, sondern auch Kopfzerbrechen bereitete. „Ich hätte die Sachen nicht einfach an unsere Bedürftigen weitergeben können“, sagt sie. „Die meisten passen da gar nicht rein, denn es handelt sich vor allem um kleinere Größen.“ Sie lagerte die Sachen sorgfältig ein und lud nur ab und zu Bekannte, die sie nach der passenden Statur ausgewählt hatte, zum Shopping ein.

Ein paar Hundert Teile hat sie auf diese Weise schon gegen Bargeld gewechselt. Das Gros blieb jedoch auf den Bügeln und soll an diesem Sonntag bei einem Wohltätigkeitsbasar gegen Spenden eingetauscht werden. Seit Tagen bereitet sie sich mit ihren Mitarbeitern darauf vor, sortiert und schätzt die Original-Preise der Ware. Ein Paar Schuhe von Dolce & Gabbana? „Sind im Laden nicht unter 800 Euro zu bekommen.“ Der Gürtel mit goldenem Chanel-Label? „Dafür hat man bestimmt mal einige Hundert Euro bezahlt.“ Und der Koffer mit Gucci-Emblem? „Ist über 1 000 Euro wert.“

Nun werden die Stücke als Schnäppchen herausgegeben – aber nicht verramscht, das ist ihr wichtig. Die Preise gestaltet Franke, die auch als Abgeordnete für die Linkspartei im Landtag sitzt, persönlich. „Ich werde jeden Käufer fragen: Was ist Ihnen dieses Teil wert? Und diese Summe soll er mir geben.“ Mit Kleingeld will sie sich allerdings nicht zufriedengeben. Darauf können sich beide Gruppen, die sie am Sonntag erwartet, einstellen. Bei den Schnäppchenjägern, von denen sie noch nicht weiß, wie zahlreich sie erscheinen. Und beim kleinen Kreis, den sie zum Shopping vor dem offiziellen Startschuss eingeladen hat. „Ich habe 50 Persönlichkeiten angeschrieben, Politiker, Staatsbedienstete und regelmäßige Spender der Tafel. Mal gucken, wer Lust hat, bei uns einzukaufen“, sagt Edith Franke. Wenn alles gut läuft, will sie am Ende des Tages in einer geplünderten Kleiderkammer stehen. Und vor einem großen Haufen Bargeld, aus dem schon bald gute Taten für die Tafel werden sollen.

Der Verkauf findet am Sonntag, 10 bis 15 Uhr, im Lager der Dresdner Tafel auf der Zwickauer Straße 32 statt.