merken
PLUS Döbeln

„Sperren Sie mich doch ein“

Ein Döbelner hat bei Gruma dicke Wagen angemietet und dreimal nicht bezahlt. Vor dem Amtsgericht zeigt er sich uneinsichtig und legt sich mit der Richterin an.

Symbolfoto
Symbolfoto © dpa

Döbeln. Ein Döbelner hat im Jahr 2018 aus Prestigezwecken bei Gruma in Döbeln dicke Mercedes geliehen. Drei Rechnungen dafür beglich er nicht. Bereits am ersten Prozesstag beteuerte der von drei Schlaganfällen gezeichnete wegen Betrugs Angeklagte, das Begleichen der Rechnungen schlicht und einfach vergessen zu haben. Zudem hätte er die Rechnungen nicht erhalten. Weder im Autohaus noch per Post.

In der Beweisaufnahme des zweiten Prozesstages erbrachte der gebürtige Erzgebirger Auszüge verschiedener Konten, die seine Zahlungsfähigkeit beweisen sollten. Allerdings sei die, selbst in Addition der Beträge, nicht möglich gewesen, wie die Vorsitzende feststellte. 

TOP Veranstaltungen
TOP Veranstaltungen
TOP Veranstaltungen

Was ist los in Sachsen und Umland? Wo gibt es was zu erleben? Unsere Top-Veranstaltungen der Woche!

„Es tut mir wahnsinnig leid, ich hab das Vertrauen des Autohauses missbraucht“, zeigte sich der Angeklagte reumütig. Die als Zeugin geladene Mitarbeiterin des Autohauses beschrieb ihn bis zu diesem Zeitpunkt als Kunden zuverlässig. Allerdings war sie sich sicher, ihm die Rechnungen bei Rückgabe der Wagen mitgegeben zu haben. 

Die Frage der Richterin, warum dann die Geschäftsbeziehung endete, begründete die Zeugin damit, dass er nicht gezahlt hat. In der Aussage vom Angeklagten klang das noch anders. Er sagte aus, dass ihm Gruma nur noch Wagen in der Smart-Größe liefern konnte. Die Angestellte verneinte das. Die ebenfalls als Zeugin geladene Hauptbuchhalterin sagte aus, dass nach telefonischer Kontaktaufnahme in einem persönlichen Treffen Ratenzahlung vereinbart wurde. 

Als diese Zahlungen ausblieben, wurde ein Inkassounternehmen eingeschaltet. Dieses schickte umgehend einen seit 2017 bestehenden Negativeintrag. Daraufhin wäre Strafantrag gestellt worden. Bis Ende 2019 seien dann sechs Raten gezahlt worden, ehe der Angeklagte schwer erkrankte. Auch erklärte die Gruma-Mitarbeiterin, dass Mahnungen per Post geschickt werden. „Weil sie zurückkommen, wenn sie nicht zugestellt werden können.“

Zahlreiche Vorstrafen mit mehrjähriger Haft

Den Angeklagten, der die Post nach eigenem Bekunden angezeigt hatte, veranlasste diese Aussage zu einem gewaltigen Aufbrausen. Er fühle sich als Idiot dargestellt und von der Justiz verarscht. „Ich hoffe, dass ich beim vierten Schlaganfall nicht gefunden werde“, sagte er unter Tränen, nachdem er von seiner schwangeren Verlobten beruhigt wurde. 

Die versuchte mit emotionalen Einwürfen immer wieder, die Glaubwürdigkeit ihres Lebensgefährten zu erhöhen. Der Blick von Richterin Nancy Weiß ins Strafregister trug dazu allerdings nicht bei. Insgesamt standen darin zwölf Eintragungen, die teilweise mit mehrjährigen Haftstrafen geahndet wurden.

Letztendlich sahen Staatsanwaltschaft und Gericht die Betrugsvorwürfe als erwiesen an. Aufgrund der persönlichen Situation des Angeklagten, der einschlägig vorbestraft ist und sich in der Bewährung befindet, verhängte Richterin Nancy Weiß wegen Betruges in drei Fällen 100 Tagessätze zu jeweils 15 Euro, 3.055 Euro Wertersatz und die Übernahme der Kosten des Verfahrens. Der Angeklagte reagierte darauf äußerst unwirsch, warf Gericht und Staatsanwaltschaft vor, „nichts recherchiert zu haben“ und erklärte: „Ich zahle das nicht, sperren Sie mich doch ein.“

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln