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Spiegel TV filmt Abschied der Aussteiger

Nach acht Monaten zogen Schneiders mit ihrer grünen Kutsche weiter Richtung Osten. In Großenhain fanden sie Freunde. Die Abfahrt mit vier Kutschen war filmreif.

Der letzte Tag in Großenhain. Daniel, Barbara, Sarah und Julian Schneiders mit einem Teil ihrer Tiere und neuen Freunden, die sich oft an die Familie zurückerinnern werden.
Der letzte Tag in Großenhain. Daniel, Barbara, Sarah und Julian Schneiders mit einem Teil ihrer Tiere und neuen Freunden, die sich oft an die Familie zurückerinnern werden. © Anne Hübschmann

Großenhain.  Wo Familie Schneider ist, riecht es nach Lagerfeuer und Tieren. Naturbelassen eben. Ursprünglich und einfach, doch den Menschen zugewandt. Daniel und Barbara mit ihren erwachsenen Kindern Sarah und Julian vergeuden keine Zeit damit, nach Ansehen und Geld zu gieren. Überall wo sie sind, wollen sie die Herzen der Einheimischen erreichen. 

Das ist ihnen auch in Großenhain gelungen. Die Aussteigerfamilie, die seit drei Jahren in  ihrer Grünen Kutsche lebt, hat die längste Zeit der Reise - acht Monate am Stück - in  Sachsen verbracht. Hier fühlten sie sich wohl. Seit September campierten die Vier auf Großenhainer Territorium: erst bei Kleinthiemig, dann in der Nähe des Spitalteiches. Immer mit Zustimmung der Flächeneigentümer.

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Am Donnerstagabend feierten sie in großem Kreis ihren Abschied. Sie wollen weiter Richtung Osten. Sogar Spiegel-TV war vor Ort, um den Aufbruch der vier Kutschen für den Sender  Vox zu filmen. Vater Daniel steuert die große grüne Kutsche, Mutter Barbara die kleine Kutsche mit dem Anhänger für den Ziegenbock Hasel. Bei Zeithain haben sie dieses Gefährt bekommen. Tochter Sarah steuert einen Sulky mit den zwei Jahre alten Pferden, die während der Tour der Familie geboren sind. Und Sohn Julian lenkt den Planwagen. Insgesamt neun Pferde ziehen die Schneiders über die B 101 und auf Feldwegen Richtung Skäßchen. Am Wochenende wird es von dort noch weitergehen. 

In der Abschiedsrunde erzählt Julian, wie er und seine Mama mit einer kleinen Kutsche und dem Pony kürzlich in Großenhain am Netto in der Dresdner Straße zum Einkaufen waren. "Wir sind auch über den Marktplatz gefahren", erinnert sich Julian mit Stolz. Viele haben den Aussteigern in ihrer legeren Kluft hinterhergeschaut. Doch sie blieben auf Abstand. 

Neugier für das Ungewöhnliche

Anders die Anwohner ihres Camp-Platzes. Bernd und Teresa Krille aus Kleinthiemig haben seinerzeit die Kutschen auch fahren sehen und sich gedacht: Wer sind denn die? "Die Familie vermittelt einen Hauch von Abenteuer" so Teresa Krille. Die Kleinthiemiger suchten den Kontakt, brachten den Schneiders Wasser, gaben sogar ihre Adresse an, wenn die Aussteiger Pakete empfangen wollten. "Unsere Enkel Emma, Emilia und Elias waren auch öfter bei Daniel und seiner Familie", sagen sie. Der ungezwungene menschliche Umgang hat den Krilles gefallen. Elias wurde auch durch seine Hortnerin auf die Familie aufmerksam gemacht. Die achtjährige Emilia lernte bei Sarah Schneider reiten und erfuhr viel über Pferdehaltung und das Leben in der Natur. Ihre Eltern Anja und Thomas Schmitt sind begeistert. "So eine Familie hatten wir noch nie live gesehen", sagen sie. Anja Schmitt hat den Aussteigern gern Kuchen gebacken.

Die Neugier für etwas Ungewöhnliches und diese andere Art, zu leben, lockte so manchen Anwohner zu den Schneiders. Daniel und Julian verdienten sich Geld mit kleinen Arbeiten. Vater Daniel ist auch ein begnadeter Masseur, der Menschen und Tiere von Schmerzen befreit. Mit diesem Einkommen und aus Spenden bestreiten die Schneiders ihren bescheidenen Unterhalt. Uwe, der beim Fruchthof Stauda arbeitet, versorgte die Familie mit Holz und frischem Obst. "Damit sind wir gesund über den Winter gekommen", freuen sich die Schneiders. 

Am frühen Freitagnachmittag passierten die Kutschen die Bundesstraße B101 Richtung Skäßchen.
Am frühen Freitagnachmittag passierten die Kutschen die Bundesstraße B101 Richtung Skäßchen. © Kathrin Krüger-Mlaouhia

Bei Pferdebesitzer Heiko Schwarzer in Weßnitz konnte die Familie ihre Tiere im Dezember übers Wochenende unterbringen für eine Kurzreise. "Wir durften als Fremde auf die Pferde aufpassen, das ist schon ein großes Vertrauen", sagt auch Katja mit ihrem Freund aus Großenhain. Sie hat ihr Reitpferd in Weßnitz in Pension. So  lernten sie die Aussteiger kennen und besuchten sie spontan dann am Heiligabend mit Leckereien. Ist doch logisch, dass Pferdefreunde sich viel zu erzählen haben, sagt sie. 

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Reinhold ist sogar aus der bayerischen Rhön zum Abschied der Grünen Kutsche gekommen. Er hat den Schneiders als "Chefmechaniker" mal bei einer Panne geholfen und reist ihnen seither gern hinterher. "Die Schneiders sind mir ans Herz gewachsen", meint der 55-Jährige und stößt mit ihnen an. Seinen Besuch verbindet er gern mit einem Kurzurlaub. Auch seine Freundschaft endet nicht an einem Ort, sondern geht weiter. "Das macht den Sinn unserer Reise aus", unterstreicht Daniel. Und erzählt noch, wie mal der Polizeihubschrauber über ihnen kreiste. Als Daniel nach oben winkte, gab der Hubschrauber kurz Lichtzeichen und drehte ab. Alles in Ordnung schien das zu bedeuten.

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Ein Team von Spiegel TV drehte für VOX eine Doku über die Abreise der Schneiders.
Ein Team von Spiegel TV drehte für VOX eine Doku über die Abreise der Schneiders. © Kathrin Krüger-Mlaouhia

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