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Spielen bis der Schulbus kommt

Der Förderverein der Grundschule Großharthau sorgt für ein tolles Lernumfeld. Die Glücksfee verhalf dazu, dass für die Kinder ein Traum in Erfüllung geht.

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Von Constanze Knappe

Ein Gewusel und fröhliches Geplapper. An die zwanzig Kinder vergnügen sich im Spielzimmer der Grundschule Großharthau. Sie warten auf den Schulbus, der sie nach Hause bringt. Das müssen sie nicht bei Wind und Wetter im Freien. Ganz im Gegenteil. Eine gemütliche Sofaecke, Stofftunnel zum Durchkrabbeln, Bau- und Müllfahrzeuge, eine Stoffwippe – für Zeitvertreib ist gesorgt. Dass das Zimmer noch nicht ganz fertig ist, stört die Kinder nicht. Mit einem Wanddurchbruch wurde der Raum vergrößert, die Wände sind in pastelligem Gelb gestrichen, neuer Fußbodenbelag liegt drin. „Über den Winter lässt die Gemeinde eine neue Beleuchtung anbringen“, erklärt Kathrin Baier-Gericke. Sie ist die Vorsitzende des Schulfördervereins und der will für neue Möbel sorgen. Außerdem wird der Verein zusammen mit den Kindern die Wände gestalten. Ideen dafür werden im Kunstunterricht gesammelt.

Nach dem Winter wird gebaut

Das Spielzimmer im Flachbau gegenüber der Schule ist nur ein Beispiel, wie sich der Schulförderverein ins Zeug legt. Dabei ist der Verein noch ganz jung, wurde 2010 von seinerzeit acht Mitgliedern gegründet. Inzwischen sind sie 17 und haben schon etliches erreicht. Bei einer ihrer ersten Aktionen wurde 2010 kurz vor Weihnachten Spielzeug für das Spielzimmer angeschafft. Da mehr als die Hälfte der 78 Schüler aus dem Umland mit dem Bus kommt, können sich die Kinder auch vor dem Unterricht im Spielzimmer aufhalten. Oder in Freistunden. Oder zwischen Unterricht und den Ganztagsangeboten.

In die Schlagzeilen geriet der Verein jedoch durch ein anderes Projekt. Vorstandsmitglied Astrid Waldmann stieß im Internet auf eine Aktion der Zeitschrift “Familie & Co.“ Vereine konnten sich bei einem Onlinevoting um Geld bewerben, das ein Waschmittelhersteller spendierte. Ein Projekt war schnell gefunden. „Unser Schulgarten ist überholungsbedürftig“, erklärt Petra Schneider, Klassenlehrerin der zweiten Klasse und Mitglied im Schulförderverein. An die 6 000 Euro würden gebraucht, um an anderer Stelle einen neuen Schulgarten so herzurichten, dass es wieder Spaß macht, mit Kindern dort zu gärtnern und man dabei auch Erfolge sieht. Der Schulförderverein wollte aber noch mehr: Naturnahe Projekte in einem Grünen Klassenzimmer umsetzen. Der Verein bewarb sich damit – und gewann. Ein Preisgeld von 10 000 Euro. Partner sind auch gefunden. In der Werkstatt für Behinderte der Lebenshilfe in Bischofswerda weiß man sehr genau, wie die Pläne der Großharthauer am besten zu verwirklichen sind. Eine Vor-Ort-Besichtigung des Schulgeländes gab es bereits. Die Gemeinde hat mit der Baugenehmigung schon grünes Licht gegeben. „Sobald das Wetter es zulässt, wird gebaut“, kündigt Kathrin Baier-Gericke an. „Dann wird sicher noch manche helfende Hand gebraucht“, sagt Petra Schneider. Das Grüne Klassenzimmer ist gewissermaßen der Punkt aufs i. Die Gemeinde hat die Grundschule erst sanieren lassen. Zu Schuljahresbeginn war man damit weitgehend fertig geworden.

Kathrin Baier-Gericke könnte sich eine längere Zusammenarbeit mit der Behindertenwerkstatt vorstellen. Die Kinder werden ein Insektenhotel und Nistkästen bauen, könnten sich auch die Werkstatt in Bischofswerda anschauen.

Bei dem großen Gewinn hatte Astrid Waldmann nicht zum ersten Mal ein glückliches Händchen. Beim Onlinevoting einer Brauerei und beim Internetvoting einer Bank floss ebenfalls Geld in die Vereinskasse. „Damit lässt sich wirtschaften“, sagt Kathrin Baier-Gericke. Projekte könne man besser angehen, wenn das Geld ganz oder teilweise gesichert, man nicht jedesmal bei Null anfangen müsse.

Viele Partner im Dorf

Ganz ohne Unterstützung aus dem Dorf geht es dennoch nicht. Die Vereinsvorsitzende verweist auf Sach- und Arbeitsleistungen von Großharthauer Firmen. Auf gutem Weg sei die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Großharthau. An deren Adventsmarkt beteiligte sich der Schulförderverein und durfte einen Teil des Erlöses behalten. Außerdem unterstützt der Feuerwehrförderverein Schulprojekte mit 250 Euro. Als Dankeschön für die Arbeit der AG Junge Brandschutzhelfer. Schüler, die einst Mitglied waren, stehen heute im aktiven Dienst der Feuerwehr. Ein gegenseitiges Geben und Nehmen habe sich entwickelt. Wenn die Feuerwehr zum Kindertag in der Schule ist, ist das für die Schüler sowieso das Größte.

Die Vereinsvorsitzende ist froh, dass im Förderverein nicht nur Lehrer mitmachen und Eltern, deren Kinder aktuell die Schule besuchen. „Unser großes Ziel ist der Erhalt der Schule im ländlichen Raum“, sagt sie. Veranstaltungen tragen zur Attraktivität bei. Projekte und Ganztagsangebote fördern den Spaß beim Lernen. Nächstes großes Vorhaben nach dem grünen Klassenzimmer wird das Jubiläum 110 Jahre Schule im nächsten Jahr. Gefeiert wird aber erst 111 Jahre 2014, weil man sich nicht mit anderen Aktivitäten im Dorf in die Quere kommen will. Historische Fotos dafür werden schon jetzt gesucht, so Petra Schneider. Ebenso aber auch kreative Ideen und fleißige Helfer, denn der Schulförderverein Großharthau hat noch viel vor.