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Spielen und lernen in der Natur

Für den Waldkindergarten gibt es eine lange Anmeldeliste. Trotzdem ist in der Kitagruppe ab Herbst ein Platz frei.

Von Cathrin Reichelt

Unermüdlich schwingt Oskar einen dicken Stock über die Pflanzen am Waldboden. „Mäh, mäh, mäh“, imitiert er dazu einen Rasenmäher. Neben dem Dreijährigen versucht Dominik (4), einen dicken Baumstamm zu zersägen. Die sechsjährige Mara füllt derweil einen Setzkasten mit Bucheckern, Zapfen und Federn. Im Waldkindergarten liegt das Spielzeug auf dem Boden. Die Kinder haben einen großen Freiraum und finden immer etwas, womit sie sich beschäftigen können.

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Mit 15 Kindern im Alter von drei bis sieben Jahren ist die Gruppe der Kindertagesstätte Bussibär komplett. Die meisten von ihnen sind derzeit vier und fünf Jahre alt. Vier Mädchen und Jungen kommen im Herbst in die Schule. Dann ist noch ein Platz frei, obwohl es weiter eine Anmeldeliste gibt. „Für die Aufnahme in den Waldkindergarten gibt es bestimmte Bedingungen“, erklärt Sozialpädagogin Katja Brinkmann. „Vor allem müssen die Kinder mindestens drei Jahre alt und trocken sein. Denn windeln können wir sie hier draußen nicht.“ Die Kinder, die derzeit auf der Anmeldeliste stehen, sind aber noch jünger. Deshalb kann noch ein Platz vergeben werden. Insgesamt sei die Anmeldeliste im Vergleich zu den Vorjahren aber kleiner geworden. Zum einen, weil Eltern aufgrund der langen Wartezeit den Antrag wieder zurückgenommen haben, andere Familien seien weggezogen.

Viele Eltern zeigen zwar Interesse an der alternativen Kitagruppe, sie seien sich aber nicht bewusst, was eine Waldgruppe bedeutet. „Es wäre wünschenswert, wenn alle Kinder geimpft sind“, meint Katja Brinkmann. Aber man habe noch nie ein Kind ausgeschlossen, das diesen Schutz nicht hatte. Da die Mädchen und Jungen bei fast jedem Wetter draußen spielen, brauchen sie mehr wetterfeste Kleidung und Schuhwerk als andere Kindergartenkinder. Auch der Rucksack muss einiges aushalten. Schließlich sind die Kinder permanent mit ihm unterwegs. Denn sie frühstücken nicht nur an oder in ihrem Bauwagen im Wald. „Wir gehen auch mal zu den Alpakas oder in Richtung Etzdorf auf den Waldspielplatz, auf dem es einen Schaukelbaum gibt“, nennt die Sozialpädagogin nur zwei Beispiele. Weil es unterwegs nicht immer eine Toilette gibt, wird der Wald im Notfall als solche genutzt. „Das klappt bei den ganz Kleinen nicht immer reibungslos. Also gehört auch ein Wechselschlüpfer in den Rucksack“, so Katja Brinkmann. Ein weiterer Beutel mit Wechselsachen hängt im Bauwagen. Dort liegen auch die Schlafsäcke, die die Eltern für die Kinder mitbringen müssen. Denn im Sommer erfolgt der Mittagsschlaf im Wagen.

Sowohl die Kinder als auch die Eltern müssen sehr flexibel sein und täglich genau auf Absprachen, Aushänge oder auch ein leuchtendes Tuch achten. Hängt das morgens an einer Treppe, treffen sich die Kinder in einem Garten und nicht auf dem Waldplatz. Wenn der Zahnarzt kommt, wie in dieser Woche, müssen die Eltern ihren Nachwuchs gleich in der Kita abgeben.

Im Waldkindergarten haben die Kleinen viel Freiraum, müssen aber auch gewisse Regeln einhalten, damit niemandem etwas passiert. Die Kinder beschäftigen sich mit eigenen Themen, wie dem Löwenzahn, der Hummel oder den Schnecken, beteiligen sich aber auch an Aktivitäten der Kita. Vor Kurzem gab es eine Sternwanderung. Derzeit wird ein Kinderfest unter dem Motto „Zirkus“ vorbereitet.