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Spielpause verlängert – und dann?

Was die Beschlüsse der Profi-Klubs bedeuten und wie Dynamo reagiert – die fünf wichtigsten Fragen und Antworten zur Lage im Fußball.

Sollte die Saison in wenigen Wochen weitergehen, wird Dynamo - wie die übrigen Mannschaften der 1. und 2. Bundesliga auch - vor leeren Rängen spielen müssen.
Sollte die Saison in wenigen Wochen weitergehen, wird Dynamo - wie die übrigen Mannschaften der 1. und 2. Bundesliga auch - vor leeren Rängen spielen müssen. © Robert Michael/dpa (Archiv)

Von Nicolas Reimer und Jan Mies

Es ist nicht viel mehr klar, als vorher zu erwarten war: Die Fußball-Bundesligen setzen ihren Spielbetrieb wegen der Corona-Pandemie bis 30. April aus. Mindestens. Das Ziel sei es weiterhin, die Saison zu beenden, allerdings nicht wie ursprünglich geplant am 16. Mai, sondern im Idealfall bis 30. Juni. Das betonte Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), nach der virtuellen Mitgliederversammlung der 36 Profi-Klubs am Dienstag.

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Dennoch bleiben weiter Fragen offen. Die SZ beantwortet die fünf wichtigsten.

Was wurde außer der längeren Spielpause beschlossen?

Alle Vereine sollen zudem bis zum 5. April auf Mannschaftstraining verzichten. Im Lizenzierungsverfahren für die nächste Saison soll die Überprüfung der Liquidität bei den Vereinen entfallen. Man wolle ihnen damit die Möglichkeit geben, „die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu bewältigen“, sagte Seifert. Des Weiteren wird eine medizinische Task Force eingerichtet. Sie soll unter anderem die „engmaschige, unabhängige Testung von Spielern und weiterem Personal unter anderem unmittelbar vor den Spieltagen“ durchführen.

Welche Szenarien gibt es für den Wiederbeginn?

Ob der Spielbetrieb im Mai fortgesetzt werden kann, ist völlig offen. Die verhängten Einschränkungen im öffentlichen Leben könnten länger bestehen bleiben. Wenn, dann werden die verbleibenden 163 Partien in den höchsten beiden Spielklassen wohl als Geisterspiele ausgetragen - für Dynamo Dresden wären das vier Heimspiele im Rudolf-Harbig-Stadion in der zweiten Liga. Die Klubs sollen Konzepte entwickeln, um Spiele „mit einem möglichst geringen Personalaufwand in den Bereichen Sport, Medien und allgemeine Organisation“ durchzuführen. Das müsste von Politik und Gesundheitsämtern mitgetragen werden.

„Zuallererst, und das ist nach wie vor keine Frage, geht es um die Kontrolle der Ausbreitung des Virus und insbesondere um den Schutz von Risikogruppen“, sagte Seifert. „Das bleibt auch noch einige Zeit so.“ Es werde aber „mit Hochdruck“ daran gearbeitet, „wie wir nach der Krise wieder aufstehen und weiterarbeiten können“. Der DFL-Chef rechnet damit, dass noch länger keine Zuschauer zugelassen sein werden. „Mindestens bis zum Ende der Saison ist es unrealistisch, davon auszugehen, dass wir noch mal vor vollen Stadien spielen“, meinte Seifert. „Was nicht heißt, dass es realistisch ist, dass wir im August vor vollen Stadien wieder anfangen.“

Wie reagiert Dynamo und was bedeutet die Entscheidung?

Für Dynamo nahm der kaufmännische Geschäftsführer Michael Born an der Videokonferenz teil, die etwa dreieinhalb Stunden dauerte. Der Austausch sei „wie gewohnt konstruktiv“ gewesen, berichtet er. Die Entscheidung, bis 30. April zu pausieren, habe man so erwartet und begrüße den Beschluss „in Anbetracht der aktuellen Ausnahmesituation, in der sich unser gesamtes Land befindet, ausdrücklich“. Wie es danach weitergeht, konnte aber noch nicht beschlossen werden, weil externe Faktoren wie die weitere Verbreitung des Coronavirus und die künftige Bewertung der Lage durch Gesundheitsexperten sowie der Politik maßgeblich sein werden.

Die Profis des Fußball-Zweitligisten trainieren vorerst weiter individuell, Chefcoach Markus Kauczinski ist bei seiner Familie in Karlsruhe. Derweil hat der Verein bereits am 19. März einen Großteil seiner Mitarbeiter der Nachwuchsakademie und der Geschäftsstelle in Kurzarbeit geschickt. Die Gespräche mit Spielern über Verträge wurden gestoppt, die Etat-Planung für die nächste Saison müsse komplett überarbeitet werden, hatte Born im Gespräch mit der SZ angekündigt. Für Dynamo sei die Krise aber nicht existenziell.

Warum tut sich der Fußball schwer mit dem Saison-Stopp?

Es droht ein Chaos in jeglicher Hinsicht. Ohne die TV-Einnahmen in Millionenhöhe bricht den Klubs ein wichtiger Teil ihrer Einnahmen weg, insgesamt stehen Einbußen von rund 750 Millionen Euro zur Debatte. „Einige könnten in eine existenzbedrohende Situation geraten“, sagte Seifert.

Erschwerend hinzu kämen die offenen sportlichen Entscheidungen über die Meisterschaft oder die Qualifikation für die europäischen Wettbewerbe sowie Auf- und Abstieg. Dynamo hatte als Tabellenletzter der zweiten Liga vor der Unterbrechung mit zwei Siegen den Anschluss an die Nichtabstiegsplätze geschafft. Born meldete zuletzt Zweifel an, dass die Integrität des Wettbewerbs unter den derzeitigen Bedingungen gewährleistet werden könnte.

Ist der 30. Juni der letzte Termin für ein reguläres Ende?

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Darüber scheiden sich die Geister. Fakt ist: Zum 30. Juni enden etliche Verträge der Profis. Es müsste also arbeitsrechtliche Regelungen geben, die bislang völlig unklar sind. Dieses Problem lasse sich einvernehmlich lösen, erklärte Ulf Baronowsky, Geschäftsführer der Spieler-Gewerkschaft VDV, im Interview mit der SZ . Gegenwärtig sei die Frage aber noch von nachgeordneter Bedeutung. Andererseits wäre zum Beispiel für Bayern Münchens Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge eine Saison bis in den Herbst denkbar. (sid, dpa, SZ/-ler)

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