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Spielplatz wird Treffpunkt

Außerdem will der Ostroer Ortschaftsrat die Schule zum Kulturzentrum umgestalten. Aber das Geld fehlt.

© Andreas Kirschke

Von Andreas Kirschke

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Seit Anfang 2008 hat Ostro einen Ortschaftsrat. Er will konstruktiver Partner der Gemeinde sein. Über seine Ziele für 2015 und das feine Gespür für Eigeninitiative im Dorf sprach die SZ mit Ortsvorsteher Mirko Pohontsch.

Die alte Schule in Ostro. Sie als „Kulturschule“ umzugestalten und zu nutzen, ist weiterhin das Ziel. Sowohl das inhaltliche als auch das bauliche Konzept dafür liegen bereits vor. Daran ließe sich anknüpfen. Schwierig ist jedoch die Finanzierung. © Andreas Kirschke

Herr Pohontsch, warum braucht Ostro den Ortschaftsrat?

Es würde auch ohne ihn gehen. Aber dann, so befürchte ich, würde das große Sterben ohne kleinere Lichtblicke weiter gehen. 1986 schlossen sich die Pforten der Schule, nach der Wende die beiden Geschäfte für den täglichen Bedarf, 1995 wurde die Eigenständigkeit der Gemeinde aufgegeben, Ende der 90er-Jahre und auch später bestand die Gefahr einer Schließung des Kindergartens. Nun geht es auf kirchlichem Gebiet weiter: Seit September 2010 hat die Kirchgemeinde keinen eigenen Pfarrer mehr, und zurzeit steht mit der Bildung von „Verantwortungsgemeinschaften“ in unserem Bistum – so befürchten wir – mittelfristig die Eigenständigkeit der Pfarrgemeinde auf dem Spiel. Wir wollen mit unseren Initiativen dieser Entwicklung etwas entgegentreten, damit aus einer lebendigen Dorfgemeinschaft keine anonyme Schlafgesellschaft wird.

Welche Schwerpunkte setzt der Ortschaftsrat 2015?

Wir wollen den Sport- und Spielplatz zum Treffpunkt ausbauen, das hat für uns Priorität. Seit November gab es schon vier Arbeitseinsätze mit erfreulich hoher Beteiligung. Zugleich haben wir die alte Schule und die Ostroer Schanze im Blick.

Worum ging es bei diesen Arbeitseinsätzen?

Zwischen Sportplatz und Kirche haben wir für den Baumverschnitt gesorgt. Auf dem Sportplatz erneuerten wir die Fundamente für die Fangnetze. Sie standen schon schief und waren zunehmend verschlissen. Wir haben auch das Gelände rings um die Kirche gesäubert und gepflegt. Das Kloster St. Marienstern bot uns seinen Spielplatz an. Da haben wir nicht lange überlegt, sondern sofort zugegriffen. Auch Apfelbäume haben wir in dem Zuge gepflanzt und den schadhaften Zaun an der alten Schule ausgebessert. Insgesamt kamen über 270 Stunden zusammen.

Wie geht es jetzt weiter?

Möglichst im Frühjahr wollen wir den Spielplatz ausbessern, neu zusammensetzen, reinigen, streichen und auf dem Sportplatz errichten. Das soll in Abstimmung mit der Gemeinde und mit dem Tüv geschehen. Der künftige Spielplatz soll Treffpunkt für die Kinder werden. Daneben wollen wir eine Grillecke einrichten.

Und was wird aus der alten Schule?

Die langfristige Vision „Kulturschule“ steht nach wie vor. Daran halten wir fest. Geklärt werden muss die genaue Verteilung der Aufgaben. Daran arbeiten wir gerade. Geklärt werden muss zum Beispiel: Erhält der Ortschaftsrat künftig ein eigenes und vor allem ausreichendes Budget für das Gebäude? Wie weit kümmert er sich um offene Reparaturen? Welche finanziellen Spielräume werden uns zugesichert, damit auch wir planen können? Diese Fragen wollen wir mit der Gemeinde klären. Weiterhin ist die Frage nach dem endgültigen Standort des Cisinski-Museums noch offen. Das Dachgeschoss der alten Schule ist sehr weiträumig und hervorragend geeignet.

Vor gut einem Jahr schrieb der Ostroer Ortschaftsrat eine lange Liste mit Mängeln auf und übergab sie der Gemeinde.

Wir sahen das als dringend notwendig. Denn viele Mängel bestanden schon über Jahre hinweg. Immer wieder hatte uns die Gemeinde vertröstet. Obwohl die Mängel unkompliziert zu beheben gewesen wären. Inzwischen sind die Punkte weitgehend abgearbeitet. Das begann unter dem früheren Bürgermeister Andreas Mickel.

Gerade in der alten Schule trifft sich auch die Ostroer Jugend. Wie arbeitet der Ortschaftsrat mit ihr zusammen?

Ganz unkompliziert. Die Jugend ist jederzeit ansprechbar und hilfsbereit. Sie leistet viel Arbeit für das Gemeinwohl im Ort. Im vergangenen Jahr haben sich die jungen Leute einen Rasentraktor gekauft. Sie übernehmen nun die Grasmahd auf dem Sportplatz. Sie unterstützt uns beim Besorgen der Netze für den Sportplatz. Auch das geschenkte Holz wird ordentlich gespalten und gestapelt.

Wie setzt sich der Ortschaftsrat für die Ostroer Schanze ein?

Hier sind uns etwas die Hände gebunden. Gut wäre, wenn sich ein Verein gründet und sich der Pflege, Geschichte und Werbung der Ostroer Schanze annimmt. Hier könnten Ostroer und Interessierte aus dem Umland mitarbeiten.

An wen denken Sie da?

An Geschichts- und Archäologie-Interessierte. Immerhin ist die Ostroer Schanze das bedeutendste archäologische Bodendenkmal der Oberlausitz. Sie wurde um 750 vor Christus von Menschen der Billendorfer Gruppe am Ende der Lausitzer Kultur errichtet. Sie galt auch als wichtiges Handelszentrum an der alten Straße von Osten nach Westen, der späteren Via Regia. Heute umfasst das Gelände rund 6 600 Quadratmeter. Lohnenswert wäre es, einen Lehrpfad mit Infotafeln anzulegen oder Objekte zur damaligen Bauweise zu errichten. Stattfinden könnten auch immer wieder Veranstaltungen für den Ort und für die Region wie zum Beispiel dieses Jahr am 5./6. Juni, wenn das Sorbische National-Ensemble das Oratorium „Podleco“ (Vorsommer) dort aufführt.

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