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Spohla - Irland - Neuseeland und zurück

Thea-Laurine Scholz aus Spohla (16) spielt Harfe – jetzt kann man sie in Hoyerswerda hören

Thea-Laurine Scholz vor ihrem Konzert am Sonnabend auf dem Hoyerswerdaer Marktplatz.
Die Sinnsprüche auf den Altstadt-Boulevard-Sitzmöbeln passen bestens zur Musik von Thea-Laurine: „Kultur für alle Sinne“ und „Fühl dich wohl!“. Noch an (vorer
Thea-Laurine Scholz vor ihrem Konzert am Sonnabend auf dem Hoyerswerdaer Marktplatz. Die Sinnsprüche auf den Altstadt-Boulevard-Sitzmöbeln passen bestens zur Musik von Thea-Laurine: „Kultur für alle Sinne“ und „Fühl dich wohl!“. Noch an (vorer © Foto: Uwe Jordan

Harfe ist ja nun nicht unbedingt ein massentaugliches Instrument wie Gitarre oder Mundharmonika. Besorgte Eltern raten ihren Sprösslingen für den Anfang eher zur Blockflöte. Oder wenn sie hoch klassisch interessiert sind, zur Violine, zum Klavier, zur Trompete ... Das war bei Scholzes aus Spohla nicht anders: Eine Tochter hatte sich für die Gitarre entschieden; Mutter Kerstin unterrichtete Blockflöte und Saxophon – da sollte doch Thea-Laurine auch ein Instrument erlernen, das übliche Erwartungen bedient. Und man weiß ja ohnehin nie, ob sich diese Musikleidenschaft überhaupt über Jahre hinweg hält. Aber Thea-Laurine wollte nicht. Nicht minder genau wusste sie: was sie wollte: Harfe!

Weder Ys noch Divers, sondern Elfen

Das lag nicht etwa an Joanna Newsom, die mit ihren hochgelobten Alben „Ys“ oder „Divers“ die Harfe im Pop salonfähig gemacht hatte. Die Erstklässlerin, die Thea-Laurine damals war, interessierte sich kaum für musikalische Vorbilder, sondern war schlichtweg fasziniert von – Elfen; also von der irisch-keltischen Sagenwelt, und zu der gehört untrennbar die Harfe, die es sogar ins Landeswappen geschafft hat. Also Harfe und sonst nichts! Gut – die Eltern fügten sich schließlich seufzend, Thea-Laurine nahm Unterricht in Kamenz – aber das Programm, so umschreibt es die angehende Künstlerin heute, „war nicht besonders motivierend“. Doch deswegen die Harfe aufgeben? Niemals!

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Harfe ist einzigartig.Harfe ist ein seltenes Instrument. Und egal, was man spielt –es hört sich IMMER gut an.

- Thea-Laurine Scholz über ihr Instrument

Inzwischen hatten auch die Eltern entdeckt, dass dieses Instrument beim häuslichen Üben seine Vorteile hat. Anders als Geige und Klavier, wo es sehr lange dauert, ehe der Anfänger tatsächlich Hör-Freude produziert, ist die Harfe gutmütig; klingt immer irgendwie angenehm, wenn man sanft ein paar Töne greift. „Das war schon sehr entspannend“, schätzt Vater Steffen die ersten musikalischen Gehversuche seiner Tochter ein. Nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht: Harfenmusik kann für Fortgeschrittene technisch höchst anspruchsvoll sein, und Virtuosität erlangt nur, wer eisern und unbeirrt übt – aber der absolute Beginner hat, Können und Willen vorausgesetzt, rasch erste Erfolgserlebnisse. Das erste Lied, das sie „drauf hatte“ war „Spinning Wheel“ – nicht das expressionistische Rock-Werk der Band „Blood, Sweat & Tears“ von 1968, sondern „The Old Spinnig Wheel“; eine Volksweise um ein Spinnrad, das Träume spinnt: von einem altmodischen Garten und einem Mädchen mit ihrem altmodischen Verehrer; Träume aus lange vergangenen Zeiten halt – und Letzteres passt ja zur romantischen Anmutung, die man im ersten Moment mit Harfenmusik verbindet.

Gerade mal so groß wie die Harfe

An einen Karriereplan war damals nicht zu denken: „Ich wollte nicht «groß rauskommen»; ich wollte das Ding einfach spielen können“, sagt Thea-Laurine. Sie fügt aber im nächsten Atemzug an: „Ich bin ein echter «Bühnenmensch».“ Gemerkt hat sie das spätestens bei ihrem ersten großen öffentlichen Auftritt – das war beim Schulkonzert im Hoyerswerdaer Christlichen Gymnasium „Johanneum“ („... ich war gerade mal so groß wie meine Harfe“). Ihr Auftritt begeisterte alle. Trotzdem. Wer weiß, wie die Sache ausgegangen wäre, wenn sie nicht 2016 in Neuseeland bei einer Harfenlehrerin gelandet wäre, die ihr, anders als der Unterricht in Kamenz, genau das vermittelte, was sie unbewusst von der Harfe erhofft hatte: Freude am Spiel. Freude am Fluss der Melodien. Freude am Improvisieren. Als sie vom anderen Ende der Welt wieder zurück in Deutschland war; ein bisschen traurig, dass diese Harfen-Offenbarung vorbei schien, schlug ihr die Neuseeländerin vor, man könne doch den Unterricht per Skype fortführen. „Anfangs hab‘ ich gedacht: «Ein Witz, das funktioniert doch nie ...»“ – aber genau das tat es doch. Heute zwingt Corona in vielen Dingen dazu, auf Entfernung und per Computer Dinge zu tun; „aber ich mache das eigentlich schon seit vier Jahren“, schätzt Thea-Laurine ein; immer noch ein bisschen erstaunt, dass sie gewissermaßen eine Art Trendsetterin ist. Doch Musizieren vor Publikum ist noch etwas ganz anderes. Ein absoluter Höhepunkt war der Oktober 2019: Da kehrte Thea-Laurine kurz nach Neuseeland zurück – für Konzerte mit einem Harfen-Orchester, das ihre Lehrerin zusammengestellt hatte. 15 Instrumente; kleine Harfen, Reiseharfen, eine große Pedalharfe: alles war vertreten. „Zwar hatte ich vorher schon die Noten gehabt und geübt – aber der volle Orchesterklang, das zu hören und Teil davon zu sein – faszinierend.“

Zukunft als Solistin

Jetzt steht für sie auch fest, dass die Harfe ihre Zukunft sein soll. Nicht in einem Orchester (vielleicht: noch nicht?), sondern selbstständig. Erfahrungen als Straßenmusikerin hat sie schon gesammelt; etwa wenn sie bei ihrer Oma in Erfurt weilt und dort auf der Krämerbrücke spielt – oder bei ihrer kleinen Konzerttournee; einstündige Auftritte im Rahmen des Hoyerswerdaer Altstadt-Boulevards. Ihr Repertoire umfasst Klassik (etwa französische Harfen-Literatur) und ruhige Pop-Songs; temperamentvoll hüpfende irische Stücke, Flamenco, lateinamerikanische „Fingerbrecher“, also spieltechnisch-rhythmisch vertrackte Lieder – und auch Meditatives, bei dem das gesprochene Wort die melodischen Klänge ergänzt. Auch das hat sie in Neuseeland bei ihrer dortigen Mentorin gelernt. Eigene Kompositionen stehen zwar noch nicht auf ihrer Basking List (also dem „Fahrplan“ ihrer Auftritte, der sich ohnehin je nach Publikum und Stimmung ändern kann), aber es gibt diese Kompositionen. Daran wird noch gearbeitet; denn wenn es mal eine CD geben sollte, soll sie natürlich perfekt sein! Bis dahin bleiben die Live-Auftritte von Thea-Laurine Scholz – und die Möglichkeit, sie privat für einen Auftritt zu buchen.

Drei Gründe. Und einer extra.

Wenn sie drei Gründe nennen sollte, um jemanden vom Selbst-Harfe-Lernen zu überzeugen, fällt ihr die Antwort nicht schwer: „Harfe ist einzigartig. Harfe ist ein seltenes Instrument. Und egal, was man spielt – es hört sich IMMER gut an.“ Grund Nr. 4, eigentlich der unwiderlegbarste: Thea-Laurine Scholz einmal spielen zu hören.

Theas Tour zum Hoyerswerdaer Altstadt-Boulevard (Sieben Konzerte, hier das Restprogramm)

  • 20. August (Do) 15 Uhr, Stadtcafé (Kirchstraße 1)
  • 22. August (Sa), 9.30 Uhr, Café „Rosali“ (Kirchstraße 16)
  • 29. August (Sa), 18 Uhr Finale: KulturFabrik (Braugasse 1)
  • Buchungen sind möglich ü[email protected]
  • www.thea-laurine.de

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