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Sport-Begeisterung vom Opa geerbt

Ein grüner Ehrenwimpel ziert den Platz über dem Schreibtisch im Wohnzimmer von Heinz Neumann. Das gute Stück bekam der Neugersdorfer vor zwei Jahren vom Handballverband Sachsen überreicht, für seine verdienstvolle Arbeit in der Handballsektion des Neugersdorfer Turn- und Ballspielvereins.

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Von Romy Kühr

Ein grüner Ehrenwimpel ziert den Platz über dem Schreibtisch im Wohnzimmer von Heinz Neumann. Das gute Stück bekam der Neugersdorfer vor zwei Jahren vom Handballverband Sachsen überreicht, für seine verdienstvolle Arbeit in der Handballsektion des Neugersdorfer Turn- und Ballspielvereins. Das ist nicht die einzige Auszeichnung, die der 77-Jährige erhalten hat. So nennt er zum Beispiel auch die goldene Ehrennadel des Deutschen Handballverbandes sein Eigen. Seit 60 Jahren engagiert sich Heinz Neumann ehrenamtlich für den Handballsport in seiner Heimatstadt. Damit gehört er zu den ältesten aber auch treuesten Mitgliedern des Vereins.

Selbst viele Spieler geworben

Die Liebe zum Handball liegt bei Neumanns wohl im Blut. Sein Großvater, der jahrzehntelang als erster Vorsitzender der Abteilung hoch angesehen war, nahm ihn eines Tages dorthin mit. „Mein Großvater hat den Bau der Jahn-Turnhalle mit auf den Weg gebracht“, berichtet Heinz Neumann. Das Gebäude feierte in diesem Jahr sein 80-jähriges Jubiläum.

Als 16-Jähriger trat Heinz Neumann 1946 in die Fußstapfen des Großvaters, als er die Neugründung der Handballsparte nach dem Krieg mit vorantrieb: „Zu meiner Überraschung wurde ich zum Spielführer der zweiten Männermannschaft gewählt“, erinnert er sich. 32 Sportfreunde gehörten damals der Sektion an. Die Funktion als Spielführer war eine echte Herausforderung für den jungen Sportler: „Die meisten hatten nach dem Krieg andere Sorgen“, erzählt Heinz Neumann.

Also ging er jedes Wochenende mit dem Fahrrad auf Tour durch die Stadt, um die Männer zum Training zu animieren. Das war keine leichte Aufgabe, erinnert sich der 77-Jährige. „Aber es gab dann auch einen sehr engen Zusammenhalt unter den Sportfreunden. So etwas gibt es ja heute kaum noch“, sagt er etwas wehmütig.

Trotzdem seien die Neugersdorfer Handballer auch heute eine „tolle Truppe“, lobt Heinz Neumann. Rund 200 Mitglieder zählt die Sektion gegenwärtig. Ein großer Teil davon sind Kinder und Jugendliche, die Heinz Neumann noch bis vor zwei Jahren trainierte: „1998 begann ich beim Kinder- und Jugendtraining mitzuhelfen“, erzählt er. 1999 übernahm er das Training dann schließlich ganz. Als Übungsleiter führte er die jüngsten Sportler zunächst an diese Ballsportart heran. „Da trainiert man erst einmal das Ballgefühl, macht einfache Spiele mit dem Handball“, erklärt Heinz Neumann. „Später kommt dann der schwierigere Part dazu, nämlich den Kindern auch die Spielregeln zu vermitteln.“ Diese Arbeit musste er vor zwei Jahren leider aus gesundheitlichen Gründen aufgeben: „Man kann ja nicht nur reden, sondern muss den Kindern auch was zeigen“, erklärt er.

Halle für Punktspiele fehlt

Zwar mangelt es dem Neugersdorfer Verein nicht an Sportfreunden. Aber den vielen begeisterten Handballern fehlt eine Halle, die groß genug ist, um hier auch Punktspiele durchführen zu können. Dass das ein großes Problem ist, kann Heinz Neumann aus seiner jahrzehntelangen Mitarbeit im Verein bestätigen. „Die Jahn-Turnhalle können wir zwar zum Training nutzen, aber Punktspiele sind hier nicht möglich“, bedauert er. Deshalb müssen die Handballer oft nach Seifhennersdorf ausweichen. „Denn die Sportler müssen schließlich auch mal auf einem großen Spielfeld trainieren, um dann fit zu sein für den Wettkampf.“ Eine eigene große Halle, so Heinz Neumann, würde auch mehr Besucher in die Stadt bringen, die als Zuschauer zu den Spielen kommen.

Der Rentner engagiert sich also auch heute noch für das Wohl des Handballvereins. Nach wie vor tourt er durch die Oberlandstadt. Heute sammelt er zwar keine Spieler, dafür aber die Beiträge der passiven Mitglieder ein. Und wenn der Kassenwart des Vereins mal in den Urlaub geht, übernimmt Heinz Neumann seine Vertretung. Kein Problem für den pensionierten Hauptbuchhalter, der selbst jahrelang Kassenwart im Verein war.