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Sport nach Fahrplan

Seit der Schließung der Ulber-Sporthalle im Januar vorigen Jahres müssen die Schüler der Rauschwalder Mittelschule für den Sportunterricht lange Wege in Kauf nehmen. Eine Lösung des Problems ist derzeit nicht in Sicht.

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Von Susan Ehrlich

Als „völlig unbefriedigend“ bezeichnet Gerd Fischer die Situation, die die Schließung der maroden Ulber-Halle mit sich brachte. Der Schulleiter der Rauschwalder Mittelschule am Diesterwegplatz sagt, dass seitdem an normalen Sportunterricht nicht mehr zu denken sei. Als Mitte Januar 2002 die altersschwache Turnhalle gesperrt werden musste, weil durch den kaputten Fußboden die Sicherheit für die Sportler gefährdet war, mussten sich Schule und Sportvereine nach neuen Möglichkeiten umsehen.

Notprogramm fordert

neue Stundenpläne

Das „Notprogramm“ der Mittelschule machte zunächst neue Stundenpläne erforderlich – über Nacht sozusagen. Ein Teil der Klassen erhielt Schwimmunterricht in der Fichte-Schwimmhalle, die anderen fuhren mit dem B-Bus zum Sportunterricht ins Berufsschulzentrum an der Ossietzky-Straße. Gewechselt werden konnte nicht. Doch wenigstens erlaubte es das Wetter, dass ab dem Frühjahr der Sportplatz genutzt werden konnte.

Mit dem neuen Schuljahr hat sich nichts zum Besseren verändert. Der versprochene Neubau einer modernen Sporthalle liegt auf Grund des mageren städtischen Haushaltes auf Eis.

„Der Unterricht wird ähnlich wie im vergangenen Schuljahr durchgeführt“, sagt Petra Zimmermann vom Schul- und Sportamt und hofft, dass das Bauvorhaben im nächsten Haushalt Platz findet, „um die angespannte Sportsituation zu entlasten“.

Aus Gerd Fischers Sicht ist das auch bitternötig. Mittlerweile seien die 438 Rauschwalder Mittelschüler zum Sportunterricht auf fünf verschiedene Sportstätten aufgeteilt, sagt er. Neben der Turnhalle der benachbarten Grundschule fahren die 19 Schulklassen mit Linienbussen und Straßenbahnen zum Berufsschulzentrum, nach Weinhübel, zur Jahnsporthalle oder zur Schwimmhalle. „Es ist alles sehr kompliziert“, bedauert Fischer. Das Fach Sport lässt sich vorwiegend nur am Nachmittag in den Stundenplan einbauen, und wegen der langen Anfahrtswege von zum Teil mehr als einer halben Stunde geht dabei mindestens eine Wochenstunde verloren. „Dazu kommt, dass unsere Lehrer in den anderen Hallen nur Gäste sind und sich in dieser Rolle verständlicherweise nicht besonders wohl fühlen“, sagt der Schulleiter.

Mit der Zeit verliert

man den Mut

Noch etwas anderes beobachtet Fischer seit längerer Zeit: Weil sich die Vereine mit ihren Angeboten neue Domizile suchen mussten, stehen viele Jugendliche nachmittags auf der Straße. Denn nicht alle können den Vereinen nachreisen. So treibt sich mancher, der früher selbst in der Ulber-Halle aktiv war, heute gelangweilt auf dem Parkplatz davor herum. Dass da Flaschen, Kippen und anderer Unrat zurückbleiben, verwundert Gerd Fischer nicht. „Mit der Zeit verliert man eben den Mut“, versucht er die Schüler zu verstehen.

Der Zustand der Ulber-Halle wird indessen nicht besser. Anlieger haben beobachtet, dass derzeit das kaputte Parkett entfernt wird. Auf Anfrage erfuhren sie, dass hier erneut eine Eishalle vorbereitet werden soll. Dies wurde von Seiten der Stadt bislang jedoch nicht bestätigt.