merken
PLUS

Freital

Pesterwitzer Sportlern fehlt Platz

Die Turner nehmen niemanden mehr auf, die Fußballer müssen sich ein altes Kleinspielfeld teilen. Ein Ausbau ist geplant, doch es gibt ein Problem.

Vereinschef Steffen Schütz aus Pesterwitz hat Sorgen: Der Zulauf ist so groß, dass Halle und Fußballplätze nicht mehr ausreichen.
Vereinschef Steffen Schütz aus Pesterwitz hat Sorgen: Der Zulauf ist so groß, dass Halle und Fußballplätze nicht mehr ausreichen. © Karl-Ludwig Oberthuer

Es ist später Nachmittag, und in der Pesterwitzer Turnhalle herrscht ein gewaltiger Geräuschpegel. Rund 40 Kinder wärmen sich auf. Die jungen Turner hüpfen und rennen, umkurven dabei Matten, Reckanlage und Pauschenpferd. "Das ist schon grenzwertig", sagt Steffen Schütz mit Blick auf das Gewusel. Schütz ist der Vorsitzende des Sportvereins Pesterwitz. Seine große Sorge: Es fehlt an Kapazitäten. 

Damit meint er nicht das Personal. Man habe fleißige, engagierte Übungsleiter. "Aber wir haben so viel Zulauf bei den Turnern, dass wir inzwischen einen Aufnahmestopp verhängt haben." Die Halle sei für noch mehr Sportler einfach zu klein. Schütz: "Wir platzen aus allen Nähten." Und das bezieht sich nicht nur auf die Turner. Auch die Fußballer haben Platzsorgen und das im wörtlichen Sinne.

Reppe & Partner Immobilien

Bietet Ihnen das komplette Rundum-sorglos-Paket für Ihr Immobilieneigentum.

Der SV Pesterwitz hat einen großen Rasenplatz und ein Kleinspielfeld aus Kunstrasen, welches 2001 als eines der ersten in der Region gebaut wurde. Inzwischen ist es völlig veraltet. "Das ist noch auf Sandbasis errichtet und total runter", berichtet der Vereins-Chef. Doch gerade in der kalten Jahreszeit wird es dringend gebraucht, weil man den Rasenplatz dann schonen muss. 

Zudem verfügt das Großfeld nicht über eine Flutlichtanlage, das Kleinfeld dagegen schon. Dieses müssen sich nun 13 Mannschaften teilen, denn Pesterwitz hat mit gut 200 Spielern die größte Fußballabteilung aller Freitaler Vereine. Bei fünf Wochentagen ist aber ein Training aller Teams auf dem Kleinfeld in der Kernzeit von 17 bis 21 Uhr schon rein rechnerisch kaum möglich. Einige Mannschaften haben  Asyl auf dem Platz der SG Weißig gefunden. Gerade für die Juniorenmannschaften ist das aber keine Option. "Wir können als Verein nicht auch noch alle Kinder nach Weißig transportieren. Das überschreitet unsere Kräfte", sagt Steffen Schütz.

Dazu kommt, dass die Fußballer im Winter gerne in die Halle gehen - nicht unbedingt nur aus Bequemlichkeit. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat der Hallenfußball als Alternative im Winter stark an Bedeutung gewonnen. Jede Mannschaft möchte zumindest ein- bis zweimal an Turnieren teilnehmen. Aber die Pesterwitzer Halle ist mit den Turnern, Volleyballern und Tennisspielern voll. Schütz: "Manche Fußballmannschaften trainieren jetzt sonnabends, da ist noch frei." Dauerhaft muss aber die Platzfrage geklärt werden.

Diese wird seit einem Jahrzehnt auch diskutiert. Es geht darum, den kleinen Kunstrasenplatz zum Großfeld umzubauen. Allerdings gibt es ein Problem. Die Pesterwitzer Sportanlagen liegen an der Stadtgrenze, und das benötigte Land für die Platzerweiterung gehört der Stadt Dresden. Wenn da etwas gehen soll, dann nur gemeinsam. Jedoch besteht für das Gelände noch nicht einmal Baurecht. Das kann nur über ein zeitlich und finanziell aufwendiges Bebauungsplanverfahren geschaffen werden, dass die Stadt Dresden durchführen muss. 

Ein Interesse besteht bei der Landeshauptstadt sogar. Denn unter den gut 750 Mitgliedern beim SV Pesterwitz sind ganz viele Dresdner aus den Stadtteilen Altfranken, Altrosstal und Dölzschen. Die Landeshauptstadt hat die Sportanlage sogar in ihre sogenannte Sportstättenbedarfsplanung einkalkuliert. In dieser Analyse steht, dass in  Dresden dringend neue Plätze gebaut werden müssen, um mit dem Zulauf in den Vereinen Schritt halten zu können. "Das ist unsere große Hoffnung", sagt dazu Jörg Schneider. Er ist Geschäftsführer der Technischen Werke Freital. Das städtische Unternehmen bewirtschaftet den Pesterwitzer Platz und ist deshalb in alle Planungen einbezogen.

Schneider öffnet eine Aktenmappe und faltet mehrere Bauentwürfe auseinander, darunter welche, für die sogar schon mal Fördermittel beantragt waren. Das war 2009. Eine Planung sah beispielsweise vor, den neuen Kunstrasenplatz parallel zum Großspielfeld anzulegen. "Ging nicht, da Ackerfläche", sagt Schneider. Einem anderen Entwurf zufolge sollte das kleine Kunstrasenfeld verlängert werden. Ging auch nicht, wegen eines Grüngürtels. Letzter Stand ist nun, den kleinen Platz in der Breite zum Großfeld zu verdoppeln.

Derzeit wird dafür ein Lärmschutzgutachten erstellt, weil in unmittelbarer Nähe Wohnhäuser stehen. In die Kosten teilen sich Freital und Dresden. Liegt das Gutachten vor, kann das Bebauungsplanverfahren eingeleitet werden. "Ich schätze mal, wir müssen uns noch etwa drei Jahre gedulden, bis der Sportplatzbau genehmigt ist", sagt Schneider.  Deshalb hat der Stadtrat eine Investition in den Pesterwitzer Platz mit dem neuen Haushaltsplan ins Jahr 2024 verschoben. Falls Dresden den Bebauungsplan bis dahin fertigstellt. Und falls es dann auch Fördermittel gibt. 

Steffen Schütz ist darüber sehr enttäuscht. "Die Planungsdauer ist eine Katastrophe", kommentiert er. Immerhin, ein kleiner Trost bleibt den Pesterwitzer Sportlern. Ende Februar starten Bauarbeiten für den Anbau eines weiteren, dringend benötigten Geräteraums an die Halle.  Schneider: "Der Anbau ist übrigens so geplant, dass auf dem Gelände noch genügend Platz für eine zweite Sporthalle bleibt."