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Dresden

Sprachkurs für Lehrer an Gehörlosen-Schule

Die Pädagogen der Dresdner Schule lernen jetzt über das Internet, wie man mit der Deutschen Gebärdensprache kommuniziert.

Nicht nur Schüler, sondern auch Lehrer lernen in Dresden jetzt digital.
Nicht nur Schüler, sondern auch Lehrer lernen in Dresden jetzt digital. © dpa/Ulrich Perrey (Symbolbild)

Dresden. Nicht nur Dresdens Schüler müssen derzeit mehr Hausaufgaben machen als üblich. Auch einige Lehrer drücken sozusagen die heimische Schulbank. Denn die Johann-Friedrich-Jencke-Schule schickt ihre Pädagogen jetzt zum Online-Seminar.

Die Schule stand in den letzten Monaten mehr im Fokus der Öffentlichkeit als jede andere in Sachsen. Dort lernen Kinder, die entweder über nur noch wenig Hörvermögen verfügen oder komplett gehörlos sind. Daher bezeichnet sich die Einrichtung als Förderzentrum mit dem Schwerpunkt Hören. Das Problem: Nicht ein Lehrer beherrscht die Deutsche Gebärdensprache (DGS) so gut, dass es reicht, die Kinder auszubilden. Selbst Richter stellten das bereits fest und zwangen Sozialämter dazu, für Gebärdensprachdolmetscher aufzukommen.

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Dass es kein Dauerzustand ist, dass Dolmetscher von morgens bis nachmittags neben den Lehrern stehen, weiß auch die zuständige Behörde, das Landesamt für Schule und Bildung (Lasub). Die beste Lösung wäre es, wenn es Lehrer gebe, die die Gebärdensprache beherrschen. Doch davon gibt es zu wenige - bundesweit. Selbst an den Hochschulen in Hamburg und Berlin haben die Sachsen bereits "gewildert" - erfolglos. Deshalb greift jetzt erst einmal Plan B.

Trotz Schulausfalls drängt die Zeit

Inzwischen gebe für die Lehrer der Jencke-Schule einen Sprachkurs, die im Internet stattfindet, so Lasub-Sprecherin Petra Nikolov zur SZ. Die Schule habe Lizenzen für insgesamt 29 Fortbildungen erworben. "Manimundo" heißt die Lernplattform. "Diese wird aktiv von den Lehrkräften genutzt, denn leider ist es uns unverändert nicht gelungen, pädagogisches Personal mit DGS-Kompetenzen einzustellen", so Nikolov weiter. Die Lehrerschaft der Dresdner Schule sei sei bemüht, ein Mindestmaß an Gebärdensprach-Wissen über diese Fortbildung zu erwerben.

Zwar ist derzeit ohnehin unklar, wann der normale Unterricht wieder starten kann. Trotzdem drängt die Zeit. Denn schon jetzt steht fest, dass die Dolmetscher nicht für immer in den Klassenzimmern stehen können. Die Urteile der Sozialrichter betreffen ausschließlich dieses Schuljahr. Und auch das Land Sachsen, das sich bereit erklärt hat, Dolmetscher zu bezahlen, wird dies erst einmal nur bis zum Sommer tun.

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Hilfe könnte noch von der Landesregierung selbst kommen. Ende Januar hatte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) Eltern und Kinder der Schule eingeladen und sich deren Probleme angehört. Kretschmer machte deutlich, dass er gern Lehrer schicken würde, es aber zu wenige gebe. Geld sei nicht das Problem. Allerdings stellte er eine Zwischenlösung in Aussicht. "Bis zum Sommer sehen wir uns wieder", versprach der Ministerpräsident. Bis dahin werde etwas passieren.

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