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Bautzen

Spreehotel-Angriff: Angeklagte können auf Bewährungsstrafe hoffen

Drei Männer warfen Molotowcocktails auf ein Bautzener Flüchtlingsheim. Dass sie dabei stümperhaft vorgingen, bewahrt sie wohl vor dem Gefängnis.

Auf dem Foto von 2016 sind die Brandflecken gut zu erkennen. Damals warfen drei Männer selbst gebaute Molotowcocktails über den Zaun des Spreehotels. Die Flaschen landeten auf dem Asphalt vor dem Gebäude.
Auf dem Foto von 2016 sind die Brandflecken gut zu erkennen. Damals warfen drei Männer selbst gebaute Molotowcocktails über den Zaun des Spreehotels. Die Flaschen landeten auf dem Asphalt vor dem Gebäude. © Archivfoto: Robert Michalk

Bautzen. Die Brandflecken auf dem Asphalt sind für den Staatsanwalt entscheidend. Die kleinen schwarzen Stellen, die man so leicht übersehen kann. Für Manfred Sauter stehen sie dafür, dass es sich bei dem Angriff auf das Spreehotel keinesfalls nur um jugendlichen Blödsinn handelte. Das, was im Dezember 2016 an der damaligen Flüchtlingsunterkunft passierte, dürfe man nicht verharmlosen und schon gar nicht als einfache Störung des öffentlichen Friedens abhaken, sagt er. Auch wenn die Männer weit davon entfernt gewesen seien, einen ernsthaften Anschlag zu verüben, müsse man die drei dennoch des Versuchs der schweren Brandstiftung schuldig sprechen.

Der Staatsanwalt zählt die vielen Straftaten noch einmal auf. Er spricht vom Spreehotel, aber auch von Einbrüchen in zahlreiche Gartenlauben. Er redet vom Wert der Beute und davon, dass die drei Angeklagten den Tresor in einer Bar aufbrachen. Das Wichtigste kommt zum Schluss seiner Rede. Für alle drei Männer schlägt er Freiheitsstrafen vor, die aber zur Bewährung ausgesetzt werden sollen. Bei einem Angeklagten würde er ein Jahr und acht Monate auf Bewährung verhängen. Bei den beiden anderen Männern plädiert er für eine zweijährige Bewährungsstrafe.

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Was an dem Abend geschah

Damals, als der Angriff geschah, waren die Männer zwischen 19 und 23 Jahre alt. Zusammen gingen sie an eine Tankstelle, kauften Diesel. Den Kraftstoff füllten sie in leere Flaschen. Zwischen fünf und acht sollen es gewesen sein. Stofffetzen eines alten Bettlakens dienten als Zünder. Es war schon spät am Abend, als die drei das Spreehotel am Bautzener Stausee erreichten. Sie liefen um das Gebäude herum, in dem damals noch 230 Geflüchtete lebten. An der Rückseite des Hauses zündeten sie die Flaschen an, warfen sie über den Zaun. 

Keine der Flaschen erreichte die Fassade des Hauses. Schon in der Luft erloschen die Geschosse. Nur eines brannte auf dem Gelände des Spreehotels ab, richtete außer den schwarzen Flecken am Boden aber keinen großen Schaden an. „Dilettantisch“ sei man bei dem Angriff vorgegangen, erklärt der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Er glaube auch nicht, dass die Männer die Bewohner verletzen, sie vielleicht sogar töten wollten. Es sei aber sehr wohl ihr Ziel gewesen, das Gebäude in Brand zu setzen.

Genau das hatten die Angeklagten am ersten Verhandlungstag bestritten. Es sei ihnen nicht darum gegangen, das Haus tatsächlich anzuzünden. Man habe nur„Aufmerksamkeit“ erzeugen wollen. Einer der Angeklagten deutete auch an, er sei zuvor von einem Gastronomen bedroht worden. Näheres wollte er nicht sagen. Dabei hatte der Angeklagte schon einmal ausführlicher über den Besuch des Lokalbesitzers gesprochen. Bei einer Vernehmung sagte er der Polizei, der Gastronom habe ihm zu Hause aufgesucht und sein Geld gefordert. Es sei jener Barbesitzer gewesen, dessen Lokal die drei Männer zuvor ausgeraubt hatten. Und er war nicht allein. Der Begleiter des Barbesitzers habe damals zum Angeklagten gesagt, er käme aus dem „Schussfeld“ wenn er „Kanakenheime“ anbrennt.

Das richtige Strafmaß finden

Für Staatsanwalt Manfred Sauter ist dieser Teil der Geschichte nicht so wichtig, wenn es darum geht, das richtige Strafmaß für den Angriff auf das Spreehotel zu finden. Es ändere nichts an der Tatsache, dass die drei Männer tatsächlich den Entschluss fassten, die Brandsätze zu werfen.

Es gibt aber auch ein paar Details, die für die drei Angeklagten sprechen. Dass sie ihre Taten gestanden haben, muss sich positiv auf das Urteil auswirken, meint der Staatsanwalt. Auch hält sich der Wert der Gegenstände in Grenzen, die sie aus den Lauben entwendeten. Bei zwei der drei Angeklagten greift zudem der Jugendschutz, was sich wiederum strafmildernd auswirkt. Sie seien 2016 noch nicht besonders reif und leicht beeinflussbar gewesen, sagt die Sachverständige. Inzwischen könne man bei allen eine Entwicklung erkennen. Ein Angeklagter geht einer geregelten Arbeit nach, engagiert sich bei der Jugendfeuerwehr. Der Zweite sucht gerade nach einem Job im Bereich Lager und Logistik und leistet nebenbei Arbeitsstunden in einer sozialen Einrichtung. Der Dritte will noch in diesem Sommer eine Langzeittherapie beginnen, um seine Drogensucht zu besiegen.

Mit dem Plädoyer des Staatsanwaltes endet am Mittwoch der zweite Verhandlungstag. Das Landgericht in Bautzen hat noch ein paar Zeugen verhört, die Vorstrafen der Männer vorgelesen. Nur das Urteil steht noch aus. Am Freitag dürfen sich die drei Rechtsanwälte der Angeklagten äußern. Danach möchte der Präsident des Landgerichts, Friedrich Graf Stolberg seine Entscheidung verkünden.

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