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Spritze, spritze – das macht Spaß

Die Jugendfeuerwehr Kamenz-Stadt feiert 50. Geburtstag. Derzeit ist sie 18 Jungen stark. Hier lernt man was fürs Leben.

Von Ina Förster

Wasser marsch“, schreit Luis. Für einen kurzen Moment herrscht Ruhe auf dem Platz. Dann setzt Toni an: „Wasser kommt!“ Okay, das Ding ist geritzt! Jedenfalls für diesen Teil der Übung. Noch gefühlte 20 Mal wird man sie diese Sätze heute Nachmittag schreien hören. Stephan Zahour, Jugendwart bei der Freiwilligen Feuerwehr Kamenz-Stadt, ist zufrieden. Seine Jungs erledigen bereitwillig immer wieder die gleichen Handgriffe. Da müssen sie durch! Wie jeden Freitag. Schließlich haben alle großen Feuerwehrmänner einmal so klein angefangen. Heute steht Löschangriff auf dem Programm. Dafür haben die Erwachsenen eines der Löschfahrzeuge aus der Halle gefahren. Immer wieder erklimmen die Kinder den hohen Einstieg und nehmen in der Mannschaftskabine Platz. Dazwischen wird der Schlauch aus- und wieder eingerollt. Fesch sehen sie aus in ihren blauen Overalls und mit diesen knallroten Helmen. Dass das alles hier einfach fetzt, sieht man ihnen an. „Spritze, Spritze, das macht Spaß, tatütata!“ Wer kennt nicht noch das Lied von Feuerwehr Felicitas …

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Stephan Zahour Jugendwart, FFw Kamenz-Stadt
Stephan Zahour Jugendwart, FFw Kamenz-Stadt
Eine feste und sehr wichtige Institution in der Lessingstadt: Ohne die Freiwillige Feuerwehr sieht es trüb aus. Doch auch hier gibt es Nachwuchssorgen. Damit der Dienst weiterhin aufrechterhalten werden kann, braucht es neue Mitglieder.
Eine feste und sehr wichtige Institution in der Lessingstadt: Ohne die Freiwillige Feuerwehr sieht es trüb aus. Doch auch hier gibt es Nachwuchssorgen. Damit der Dienst weiterhin aufrechterhalten werden kann, braucht es neue Mitglieder.

Die Acht- bis Zwölfjährigen am Ende vielleicht nicht, denn DDR-Lieder gehören kaum zu ihrem Repertoire. Aber dass Feuerwehr heute noch genauso Spaß macht wie vor Jahrzehnten, dürfte klar sein. „Wir haben aktuell 18 Kinder und Jugendliche dabei. Allerdings derzeit nur Jungs“, sagt Stephan Zahour. Das Hobby scheint eben doch so ein „Kerle-Ding“ zu sein. Oder? Anke Büttner, stellvertretende Vorstandsvorsitzende, schüttelt mit dem Kopf. „Ich bin der lebende Gegen-Beweis“, lacht sie.

Aber ja, der Prozentsatz der Damen in der Wehr überflügele nicht gerade den der Männer. Und das macht sich eben auch schon meistens in der Jugendfeuerwehr bemerkbar. „Unsere Frauen sind aber enorm wichtig, gerade bei den Einsätzen haben sie oft das richtige Händchen, um Leute zu beruhigen und schwierige Situationen unkompliziert aufzulösen“, weiß Steffen Geisendorf, der stellvertretende Wehrleiter. Ganze neun Feuerwehrfrauen sind in der Wehr Kamenz-Stadt mit am Start. Von insgesamt 55 Mitgliedern. „Die ganze Zahl macht uns nicht gerade glücklich“, so Wehrleiter Ulf Markart. „In guten Zeiten waren wir doppelt so viele.“ Dieser Fakt ist auch in Sachen künftiger Einsatzbereitschaft bedenklich. 2013 gab es immerhin 110-mal zu tun. Das meiste davon Hilfeleistungen bei Verkehrsunfällen, wie Türöffnungen und Ölspuren beseitigen. Dazu kamen die eigentlichen Brände – vom vergessenen Topf angefangen über Gartenabfälle bis zum kompletten Haus, wie an der Bautzner Straße Ende November. Auch andere Dinge gibt es immer wieder abzusichern: ein eingeschlossenes Baby im Transporter, eine einstürzende Scheune, herunter hängende Äste nach Sturm oder auch mal nur ein Roland-Kaiser-Konzert auf dem Hutberg. Der jüngste Einsatz war am Montag die Rettung einer Katze auf einem Dach an der Zwingerstraße. „Trotzdem – für so viele Termine brauchen wir möglichst viele Kameraden und Kameradinnen. Und da klagen wir noch auf hohem Niveau“, weiß Markart. Die Jugendwehr ist das beste Beispiel. So schlecht sieht es eigentlich nicht aus, aber man müsse sich gegen viele Sportvereine behaupten. Fußball, Karate – das sind alles coole Sachen, die Jungs gern machen. Dabei lernt man hier tolle Dinge fürs Leben: Funkausbildung, Schwimmunterricht, Erste-Hilfe-Kurs, Knotenkunde und viel Spiel und Spaß sind Grundpfeiler. Die Kamenzer Jugendwehr fährt jährlich zum Tag der Sachsen, beteiligt sich an Pokalen. Es gibt Ausflüge, wie in den Irrgarten Kleinwelka oder ein Sommerlager. Und das alles kostenfrei. Selbst Vereinsbeitrag müssen Kinder nicht zahlen. Das größte Problem, sie immer wieder für die Feuerwehr zu begeistern, liegt in den Augen des stellvertretenden Wehrleiters im Spagat zwischen Anforderungen und Jugendschutz. „Die Kinder dürfen nur bestimmte Gewichte tragen. Deshalb haben wir spezielle Ausrüstung für sie angeschafft“, sagt Geisendorf. Kürzere Schläuche zum Beispiel oder leichtere Rohre. „Wir haben gute Resonanzen durch die frühzeitige Brandschutzerziehung in den Kitas und Grundschulen, wo es Ganztagsangebote oder AGs gibt, die von unseren Kameraden geleitet werden“, so Jugendwart Stephan Zahour.

Es gab jedoch gerade einen größeren Wechsel in die Erwachsenen-Feuerwehr. Und nun sind eben viele Neulinge am Start, die erst einmal eingeführt werden müssen“, so der Jugendwart. 13 um genauer zu sein, die andere Handvoll sind schon zwischen 14 und 16 Jahren alt. Die Teenies hämmern und sägen an diesem Freitag hinter der Werkzeughalle an einem Häuschen. Das soll bald abgefackelt werden. Zum Tag der offenen Tür am 1. Mai nämlich. Zum 21. Mal lädt man Neugierige an das Feuerwehr-Depot. „Da gibt es dann auch einen Festakt zum 50. Jubiläum unserer Jugendfeuerwehr“, freut sich Vereinsvorstand Stefan Lindner. Dass dieses anliegt, entnahm man übrigens der Projektarbeit eines Lessingschülers, der 1964 über die Gründung der AG Junge Brandschutzhelfer referierte. Die Kamenzer Jugendfeuerwehr besteht noch immer. „Und das ist schließlich unsere Zukunft“, sagt Zahour.