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Spuren des Krieges bleiben

Wie das Oktogon der Dresdner Kunsthochschule behutsam saniert wurde.

© Sven Ellger

Von Bettina Klemm

Er wüsste keine andere deutsche Hochschule, die über so schöne Ausstellungsräume verfügt, sagt Matthias Flügge. Der Rektor der Kunsthochschule Dresden ist gern in seinem Oktogon und den angrenzenden Räumen des Südflügels an der Brühlschen Terrasse. Die Säle sind durch zahlreiche Präsentationen und Veranstaltungen schnell zu einem festen Bestandteil der Dresdner Kunstszene geworden. Studenten stellen dort ihre Abschlussarbeiten vor. Gerade im Jahr zum 250. Jubiläum der Kunstakademie sind die Ausstellungsräume gefragt.

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Blick in die Glaskuppel des Oktogons. Die Zitronenpresse bildet ein Wahrzeichen der Kunsthochschule an der Brühlschen Terrasse.
Blick in die Glaskuppel des Oktogons. Die Zitronenpresse bildet ein Wahrzeichen der Kunsthochschule an der Brühlschen Terrasse. © Sven Ellger

Im Oktogon und in der alten Bibliothek dominieren die roten Ziegelwände mit den abgeplatzten Oberflächen. Majestätisch wölbt sich darüber das kunstvolle Glasdach der Zitronenpresse. In den Loggien wurde die Originalfarbe nur behutsam ergänzt, um große Fehlstellen auszugleichen. Putz- und Stuckflächen sind meist nur gereinigt und verfestigt worden. Die weißen Wände wurden mit Sumpfkalk behandelt, eine uralte Technik. Während der Erbauungszeit Ende des 19. Jahrhunderts waren die Räume durch Stuck und Malerei reich ausgestaltet. „Das ist nun ein Ort der Geschichte. Es müssen Kontraste bleiben, damit Geschichte spürbar wird“, sagt Flügge. Angesichts des Wiederaufbaus des Neumarkts findet er: Dresden werde immer mehr zu einer glatten, geleckten Stadt.

Dieser Auffassung sind auch die Mitglieder des Vereins Zeitgenossen. In der Initiative für zeitgenössisches Bauen haben sich Architekten, Stadtplaner und Architekturkritiker zusammengeschlossen. Sie stellen Beispiele vor, wie Geschichte weitergeschrieben wird. Einer von ihnen ist der Architekt Eberhard Pfau, der den Auftrag zur Sanierung des Südostflügels der Kunsthochschule erhalten hatte. „Er war damals eine absolute Ruine und im Inneren bis auf den Rohbau ausgebrannt“, schildert er.

Er hatte nur ein gutes Jahr Zeit, denn zum zehnten Jahrestag der deutschen Einheit sollte der Flügel übergeben werden. Auch das Budget von 4,7 Millionen Euro durfte nicht überschritten werden. Gemeinsam mit Marcus van Reimersdahl vom sächsischen Finanzministerium und dem damaligen Rektor Ulrich Schießl erarbeitete Pfau jeden einzelnen Sanierungsschritt. „Der Rektor war dabei ein guter Sparringpartner“, sagt er. „Wir wollten das Vorhandene stabilisieren, aber ansonsten so belassen“, erklärt van Reimersdahl. Er zeigt auf die Stahlkonstruktion für die Glasdecke. Als Ersatz für die alte Staubschutzdecke wurde eine neue Konstruktion entwickelt, die trotz thermischer Trennung und Isolierverglasung ebenso filigran wie ihre Vorgängerin wirkt, sagt er. Die Auflagebreite wurde klein gehalten, damit die neue Konstruktion schlank erscheint.

Zur Herausforderung geriet die Planung der Lüftungstechnik. Dazu wurden im Stuckkranz des Oktogons historische, runde Luftauslässe wieder genutzt. Sie verhindern, dass kalte Luft aus dem Deckenbereich in den Ausstellungsraum dringt. Früher hatte man dazu Leinensegel unterhalb der Kuppel aufgespannt.

„Eine Besonderheit sind die fugenfreien Fußböden aus Industrieestrich. Darunter wurde eine Fußbodenheizung installiert“, sagt Eberhard Pfau. Der sandsteinfarbene Ton wurde für alle Bereiche gleichermaßen verwendet und wird so zu einem verbindenden Element. Pfau nennt es: Ästhetik der Bescheidenheit.

Ein Spezialthema, sagt Pfau, waren auch die Türen. Vor der Zerstörung gab es Holztüren zwischen den Ausstellungsräumen. Statt diese nachzubauen, entschieden sich die Architekten für Wendeflügel mit einer Beplankung aus glasperlengestrahltem Edelstahl. Pfau nennt sie Parasiten zwischen heilsamer Störung und unfreundlicher Übernahme. Die Türen haben eine Höhe von etwa 3,40 Metern. „In die Portale sind Beleuchtungs- und Beschallungstechnik integriert“, erläutert Pfau. Er verweist auf Feinheiten wie die Griffmulden und das Aufschleifen der Bleche mit Korundwolle, damit die Stahloberfläche auch ohne Lackierung erhalten bleibt.

Für die frühere Bibliothek hat Pfau Rundbogenfenster entwickelt. Die einfach verglasten Fenster wurden durch eine zweite Glasebene und Schmetterlingsflügel zu Kastenfenstern umgebaut. Das verhindert den Tauwasserausfall und erleichtert die Reinigung.

Für den Innenausbau des Südflügels wurde Eberhard Pfau 2001 mit dem Deutschen Architekturpreis geehrt.