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Staat hat viele Taschen

Die Steueroase Schweiz wird immer attraktiver für Deutschlands Großverdiener. Boris Becker will seinen Wohnsitz in den Alpenstaat verlegen, ebenso wie der Molkerei-Chef Theobald Müller – 200 Millionen...

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Von Horst Biallo

Die Steueroase Schweiz wird immer attraktiver für Deutschlands Großverdiener. Boris Becker will seinen Wohnsitz in den Alpenstaat verlegen, ebenso wie der Molkerei-Chef Theobald Müller – 200 Millionen Euro Erbschaftssteuer will der bayerische Unternehmer mit der Leppersdorfer Sachsenmilch-Fabrik durch seinen Umzug vermeiden.

Der Wegzug zum Sparen ist den Vermögenden vorbehalten – der Normalverdiener dagegen muss hierzulande die klamme Staatskasse auffüllen. Der Bürger muss einen Großteil seines monatlichen Verdienstes als Einkommens- und Lohnsteuer beim Staat abliefern. Das sind die direkten Steuern, die dem Beschäftigten gleich vom Einkommen abgezogen werden. Hinzu kommen die indirekten Steuern: Sobald jemand am Bier nippt, eine Zigarette anzündet, das Auto startet oder eine Zeitung kauft, kassiert der Fiskus mit. Mehr als 30 Steuern erhebt der Staat. Die Sächsische Zeitung stellt die zwölf wichtigsten von heute an in der Serie „Deutschland, deine Steuern“ vor.

Teil 1 widmet sich heute der Einkommenssteuer als Haupteinnahmequelle des Staates. Ihre Summe sinkt 2003 wegen der hohen Arbeitslosigkeit.

2. Die Mehrwertsteuer ist der größte Steuerposten nach der Einkommenssteuer. Wegen der schlechten gesamtwirtschaftlichen Lage und der Konsumzurückhaltung sinken auch dort die Einnahmen. Für bestimmte Güter soll der ermäßigte Steuersatz von sieben auf 16 Prozent steigen.

3. Die Mineralölsteuer ist die üppigste Verbrauchssteuereinnahme. 42,2 Milliarden Euro Steuern nimmt der Staat aus dem Verfeuern von Benzin, Diesel, Heizöl, Flüssig- und Erdgas. Der Effekt der ökologischen Steuerreform zeigt sich an sinkenden Einnahmen.

4. Die Gewerbesteuer ist die wichtigste Einnahmequelle der Kommunen. Wegen Etatnöten der Kommunen sollen künftig auch Freiberufler Gewerbesteuer zahlen.

5. Die Ökosteuer ist die rot-grüne Lieblingssteuer mit umweltpolitischem Erfolg, dient aber auch zum Auffüllen der Rentenkasse. Durch die Ökosteuer wurden seit 1999 Benzin, Diesel, Strom, Heizöl und Erdgas verteuert.

6. Tabaksteuer: Zigarettenkonsum bringt meistens Geld in Kasse. Die Tabaksteuer ist seit Ende des 17. Jahrhunderts obligatorisch. Die Erhöhung in diesem Jahr soll ein Plus von einer Milliarde Euro einbringen.

7. Die Kapitalertragssteuer wird mit der Einkommenssteuer erhoben und ist eine Abgabe auf Erträge aus Geldanlagen. In der Diskussion sind Bescheinigungen der Banken, die Auskunft über Kapitalerträge und Spekulationsgewinne der Kunden geben.

8. Kirchensteuer: Die Kirche gilt als das reichste Unternehmen der Bundesrepublik, denn jedes Kirchenmitglied unterliegt einer Zahlungspflicht. Der Steuersatz variiert von Bundesland zu Bundesland.

9. Die Kaffeesteuer ist eine Steuer auf geröstete Bohnen und löslichen Kaffee. Wer selber röstet, bleibt steuerfrei.

10. Auch die Kfz-Steuer ist eine verlässliche Größe im Bundeshaushalt. Sie bringt rund 7,6 Milliarden Euro – Tendenz steigend. Je umweltverträglicher die Abgase, desto günstiger die Steuer.

11. Die Erbschaftssteuer hat nur einen geringen Anteil am Gesamtsteueraufkommen. Die Erben profitieren von hohen Freibeträgen, und die Unternehmer wandern ins erbschaftssteuerfreie Ausland ab.

12. Branntwein- und Biersteuer: Der Bierpfennig ist seit dem Mittelalter Tradition. Die Höhe des Steuersatzes ist abhängig von der Stammwürze.

www.bundesfinanzministerium.de