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Staatsanwalt lässt bei Milchviehbetrieben nicht locker

Vor fünf Monaten wurde dort nicht zugelassene Arznei gefunden. Was tatsächlich geschah, ist weiterhin unklar.

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Borda/Gebelzig. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Görlitz gegen zwei Milchviehbetriebe in Borda bei Reichenbach und Gebelzig dauern an. Das bestätigt Staatsanwalt Till Neumann. Den Kühen waren Medikamente gespritzt worden, die in Deutschland nicht mehr zugelassen sind. Zurzeit werden die Vernehmungen vorangetrieben. Eventuell müssten noch Gutachten erstellt werden, so der Sprecher.

Das Landratsamt will deshalb zurzeit nicht sagen, ob die beiden Betriebe noch verschärften Meldepflichten, zusätzlichen Untersuchungen und einem engen Netz der amtlichen Überwachung unterliegen. Diese Auflagen waren im April erteilt worden, nachdem die Sperrung der Anlagen aufgehoben worden war. Die Verbraucher tappen damit fast fünf Monate nach dem Vorfall immer noch im Dunkeln. Das Sächsische Verbraucherschutzministerium hatte Ende März zwar die Informationen des Landkreises über die Sperrung an die Medien weitergegeben. Das geschah zu einem Zeitpunkt, wo ein Lebensmittelskandal auf den anderen folgte. Auf SZ-Nachfragen zu Details und vor allem zum Grad des Ausmaßes verwies die Behörde in Dresden danach jedoch an das Landratsamt zurück und beteuerte nur, dass keine Gefährdung der Verbraucher bestanden hätte. Ein Bild davon können sich die Verbraucher bis heute nicht selbst machen. Über die gespritzten Medikamente ist bislang nur bekannt, dass sie gegen Entzündungen eingesetzt wurden. Da es um Milchkühe geht, liegt die Vermutung nahe, dass es sich um entzündete Euter gehandelt hat. Aber auch darüber gibt es keine Informationen.

Die beiden Betriebe hatten zwar eine entsprechende Karenzzeit beim Einsatz von Medikamenten eingehalten und die Milch weggeschüttet. Aber die Arznei konnte von den Kontrolleuren zum Teil nicht mehr klar zugeordnet werden und sie ist in Deutschland auch nicht mehr zugelassen. Warum, bleibt offen, weil die Behörden dazu keine Auskünfte geben. Rückstände in der Milch wurden nicht gefunden. Unabhängig von der Karenzzeit wurde die Milch knapp drei Wochen während der Sperrung weiter weggeschüttet. Die Anlagenbetreiber hatten Anfang April beim Verwaltungsgericht beantragt, die Sperrung aufzuheben. Ab dem 9. April durften Milch, Fleisch und Tiere wieder außerhalb der Betriebe abgegeben werden. (he)