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Eltern des toten Babys schweigen

Die Ermittlungen zum Tod des Bernstädter Säuglings im Februar gehen voran - noch aber fehlt ein wichtiges Puzzleteil. Die Mutter sitzt nach wie vor in Haft.

Die Auswirkungen eines Schütteltraumas machen Puppen wie diese deutlich.
Die Auswirkungen eines Schütteltraumas machen Puppen wie diese deutlich. © dpa

Trotz der Einschränkungen durch Corona sind die Ermittlungen im Fall des mutmaßlich misshandelten Bernstädter Babys weiter vorangekommen. Wie der ermittelnde Staatsanwalt, Sebastian Matthieu, auf SZ-Nachfrage bestätigte, konnten inzwischen alle relevanten Zeugen vernommen werden. Matthieu betonte, er sei froh, dass man dies in direkten Gesprächen habe tun können, weil es so möglich gewesen sei, Verständnis- und Rückfragen zu stellen, die für den Fall wichtig sind. 

Gerade mit Blick auf die Corona-Einschränkungen seien Ermittler zum Teil in einigen Verfahren gezwungen gewesen, Zeugen lediglich schriftlich Fragen zu stellen. Unter den vernommenen Zeugen waren unter anderem Rettungssanitäter, die Familienhebamme und die Familienhilfe des Kreises, wo die Mutter bereits in Betreuung war, erklärt der Staatsanwalt.

Spezialisten aus Hamburg hinzugezogen

Da sich aus dem Obduktionsergebnis des nur drei Monate alten Säuglings ableiten lässt, dass gegen das Kind offenbar mehrfach Gewalt ausgeübt wurde, hatte die Staatsanwaltschaft Görlitz entschieden, Spezialisten der Klinik in Hamburg-Eppendorf hinzuzuziehen. In der Rechtsmedizin am Dresdner Uniklinikum hatte man dazu bereits die erforderlichen Gewebeproben gesichert. Nun erhofft man sich konkretere Informationen sowohl zu zuletzt zugefügten Verletzungen, die am Ende offenbar zum Tod geführt haben, als auch zu älteren Wunden. "Dieses Spezialisten-Gutachten liegt uns noch nicht vor, ich hoffe aber, dass es in den nächsten Tagen eintreffen wird", sagt Sebastian Matthieu. Klar sei aber bereits jetzt, dass deutliche Hinweise auf sogenannte Schütteltraumen gebe - innere und äußere Verletzungen, die entstehen, wenn man ein Kind kräftig hin und her schüttelt.

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Die zum fraglichen Zeitpunkt im Februar dieses Jahres noch 19-jährige Mutter des verstorbenen Babys sitzt weiterhin in Chemnitz in Untersuchungshaft. Sie hat - abgesehen von einer ersten polizeilichen Vernehmung nach Einlieferung des Kindes in die Uniklinik Dresden - keine weiteren Aussagen mehr gemacht. Damals hatte sie angegeben, das Kind habe sich vom Sofa gerollt. So sei es zu den Verletzungen gekommen, mit denen sie das Kind dann zuerst im Görlitzer Klinikum vorstellte, von wo man das Baby ans Uniklinikum Dresden verlegte. Auch der Vater des Säuglings hat bislang keine Aussagen gemacht, bestätigt der Staatsanwalt. Beide werden jeweils von Anwälten vertreten.

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