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Stabile Preise für Freizeitspaß

Nur der Tierpark hat zu Jahresbeginn seine Preise erhöht. Museen, Kino oder Schwimmbad wollen ihm nicht folgen. Doch gibt es den Wunsch nach weiteren Vergünstigungen für Familien.

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Von David Berndt

Wenn Eugen Böhler ganz auf Familie macht, geht er in den Görlitzer Tierpark. Der Familienbeauftragte der Stadt sucht mit seinen vier Kindern dann das Naturerlebnis in der weitläufigen Anlage. Und das Beste daran: Dank des Kombi-Tickets ist damit auch gleich ein Besuch auf der Kulturinsel Einsiedel in Zentendorf verbunden. Doch seit Anfang des Jahres muss Boehler tiefer in die Tasche greifen. Der Naturschutz-Tierpark hat seine Tickets um 50 Cent erhöht. Im Schnitt bedeutet dies einen Anstieg um knapp 15 Prozent. Höhere Betriebskosten nennt die Einrichtung als Grund. Ausgenommen davon sind freilich die Jahreskarten. Für eine Familie mit zwei Kindern bleibt es demnach bei den bisherigen 42,50 Euro für den ganzjährigen Tierparkbesuch.

Der Tierpark steht mit seiner Preiserhöhung im Moment unter den Görlitzer Freizeiteinrichtungen ziemlich allein da. Wie eine SZ-Umfrage unter Museen, Bibliotheken, Schwimmbad und Kino sowie Theater ergab, haben fast alle ihre Preise stabil gehalten. Das Theater hat lediglich einen Zuschlag am Abend in Höhe von zwei Euro auf alle Karten eingeführt – zu Beginn der neuen Spielzeit. Das Neisse-Bad, die Görlitzer Museen, das Palast-Theater und die Görlitzer Oldtimer-Parkeisenbahn haben für dieses Jahr hingegen keine Preiserhöhung geplant. Das Naturkundemuseum, so sagt Sprecher Christian Düker, ist beispielsweise sehr zufrieden mit seinen Besucherzahlen. Traditionell ist das Museum das beliebteste unter den Görlitzern. Das Städtische Museum hatte freilich seine Preise bereits mit der Wiedereröffnung von Kaisertrutz und Barockhaus Neißstraße angehoben.

So schön stabile Ausgaben für den Freizeitspaß sind angesichts der höheren Kosten für Müll oder demnächst auch Strom, so wenig reicht das dem Familienbeauftragten aus. „Gerade Familien mit mehreren Kindern müssen noch stärker entlastet werden“, fordert Eugen Böhler daher. Für ihn greifen einzelne Vergünstigungen zu kurz. Er nennt zum Beispiel den Familienpass des Freistaates Sachsen. Dieser berechtigt Eltern mit drei Kindern, Alleinerziehende mit zwei Kindern oder Eltern mit einem schwer behinderten Kind dazu, ausgewählte Kulturorte im Freistaat kostenlos zu besuchen. In Görlitz betrifft das genau eine Einrichtung: das Senckenberg Museum für Naturkunde.

Ginge es nach Eugen Böhler, würde es eine eigene Görlitzer Familienkarte geben. Mit dieser erhielte man dann entsprechende Rabatte in teilnehmenden Freizeiteinrichtungen. Schwergewichte wie das Neisse-Bad oder der Naturschutz-Tierpark sind dafür ein Muss. Gemeinsam mit dem „Bündnis Görlitz für Familie“, in dessen Vorstand Eugen Böhler vor kurzem gewählt wurde, wünscht er sich, dass auch andere Bereiche des Alltags subventioniert werden. Die Ausgaben einer Großfamilie beschränken sich schließlich nicht auf die Freizeit. Hinzu kommen Handwerksrechnungen in der Haushaltskasse oder die Rechnungen für Nachhilfestunden der Kinder.

Böhler und das Familienbündnis setzen dabei vor allem auch auf den Görlitzer Oberbürgermeister. Der stellt seine Politik unter das Motto, Görlitz zu einer familienfreundlichen Stadt der Generationen zu entwickeln. Nun erhofft sich Böhler, dass OB Siegfried Deinege auf seine Vorschläge reagiert. Eine Liste mit potenziellen Einrichtungen für eine Familienkarte haben Böhler und seine Mitstreiter bereits zusammengetragen. Bis sie aber kommt, wird Eugen Böhler weiter Vergünstigungen wie das Kombiticket von Tierpark und Kulturinsel nutzen.