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Stabwechsel in der Kreisstadt

Eine Pflanze überreicht Falk Hantschack am Samstagmorgen. Sie gilt Sebastian Hein, dem neuen Ortsbeauftragten des Technischen Hilfswerks (THW) Kamenz. Ein Glückwunsch von Herzen. Ein Glückwunsch, der in die Zukunft weist.

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Von Andreas Kirschke

Eine Pflanze überreicht Falk Hantschack am Samstagmorgen. Sie gilt Sebastian Hein, dem neuen Ortsbeauftragten des Technischen Hilfswerks (THW) Kamenz. Ein Glückwunsch von Herzen. Ein Glückwunsch, der in die Zukunft weist. Falk Hantschack (engagiert im THW-Helferverein Kamenz) will die Anwesenden jedoch auch an et-was erinnern. „Die Pflanze hier ist in ihrer Pflege sehr anspruchsvoll. Genauso braucht das Ehrenamt Pflege. Das wird oft von hauptamtlicher Seite außer Acht gelassen.“

Auch das THW Kamenz wird von ehrenamtlicher Seite geleitet. 41 aktive Helfer, 16 Junghelfer sowie zwölf Alt- und Reservehelfer gehören ihm heute an. „Der Ortsbeauftragte wirkt wie eine Art ehrenamtlicher Behördenleiter“, sagt Siegfried Myskiewicz. Vor zwölf Jahren baute er das THW in Kamenz zusammen mit Gerd Münch Stück für Stück auf. Seit 1998 wirkte er als Ortsbeauftragter. Seinem Nachfolger Sebastian Hein wünscht er Geduld. „Er wird viel Zeit opfern müssen“, meint er. Ein lebendiges Miteinander, ein transparenter Informationsfluss bis zum einzelnen Helfer, ein moderner wie effektiver Ortsverband – all dies schreibt sich der Neue auf seine Fahne. Er dankt für das große Vertrauen. „Das Wichtigste bleibt das sichere Beherrschen der Technik vor Ort“, kennzeichnet er später die Kernauf-gaben. Eine besteht in der Gewinnung neuer aktiver Helfer. Das Erfreuliche: Drei Zugänge konnte man zuletzt verzeichnen. Doch die Abwanderung reißt immer wieder Löcher. Verlässt doch so mancher aus beruflichen Gründen die Heimat.

Ein Problem, das auch Siegfried Myskiewicz bewegt. Immer erfährt er Dankesworte. Sie würdigen das gute Miteinander von THW und Feuerwehr. „Nur die vertrauensvolle Zusammenarbeit machen eine effektive Bekämpfung von Katastrophen möglich“, betont Jens Ahlgrimm von der THW-Geschäftsstelle Dresden. Froh über diese Kooperation sind auch Dietmar Jannack (Landratsamt), Reiner Deutschmann (Stadt Kamenz) und Kreisbrandmeister Dietrich Schniebel. „Vielleicht lässt sich einiges aktivieren, was in letzter Zeit etwas eingeschlafen ist“, regt Deutschmann eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Stadt und THW bei der Absicherung der Hutbergbühne an.

Strukturänderungen

sind bereits angedacht

Auf die bundesweite Rolle des THW kommt Barbara Wittig (SPD) zu sprechen. 21,6 Millionen Euro stehen im neuen Bundeshaushalt für das Hilfswerk insgesamt zur Verfügung. Die Bundestagsabgeordnete lobt die neue Rahmenvereinbarung zwischen Bund und Ländern. Diese diene der Abstimmung und Koordinierung. „Das THW rüstet sich mit Strukturveränderungen für die Zukunft“, unterstreicht Michael Vollweiler vom THW-Länderverband Sachsen-Thüringen. Er würdigt die Initiative der Kamenzer. Dreimal gewann deren Jugend bereits beim THW-Landeswettbewerb. Während der Flutkatastrophe leisteten die Kamenzer über Wochen schier Übermenschliches. Die Katastrophe ließ keinen kalt. „Sie hat jeden hier relativ mitgenommen. Fast unsere gesamte Technik war im Einsatz“, erinnert sich Zugführer Enrico Trenn. „Das betraf Pumpleistungen, Notstromversorgung, Evakuierung, auch das Brennschneiden an Gleisanlagen.“ Täglich habe das THW Kamenz in Dresden 1.200 Menschen mit Essen versorgt. „Und das über Wochen“, lobt Michael Vollweiler. 2003 blieb ein Großeinsatz (Gott sei Dank!) bislang aus. Dafür musste das THW zu mehreren kleineren Hilfeleistungen zwecks Notstromversorgung und Verpflegung im Landkreis ausrücken.

Was Samstag niemand offen erwähnt, sind innere Querelen der letzten Wochen. Gegenüber einem Online-Nachrichtenmagazin hatte Siegfried Myskiewicz von Mobbing gegen ihn und Unstimmigkeiten gesprochen. Das THW wies den Vorwurf zurück. Eine regelmäßig wechselnde Führung, so hieß es, sei normal. „Hier wurde niemand gemobbt und niemand gegängelt. Es gab Führungsprobleme. Und die mussten gelöst werden“, meint Falk Hantschack. Bei genauerem Hinhören offenbaren sich inhaltliche Differenzen. „Ich wollte mit einen runden Tisch gründen: für THW, Feuerwehr, Polizei und andere Partner“, schildert Siegfried Myskiewicz, Führungsfehler einräumend. „Ich hatte sogar die Absicht, das THW in die Ausrücke-Ordnung zu integrieren. Es ging darum, dass kleine, schnelle Eingreifgruppen entstehen, die rasch mit der Feuerwehr zusammen handeln können.“ Diese Vorstellungen konnte er jedoch nicht durchsetzen.

Zur Eingreiftruppe letztes

Wort nicht gesprochen

„Ein runder Tisch existiert bereits. Er wurde letztes Jahr in Hoyerswerda ins Leben gerufen“, hält Sebastian Hein entgegen. Zu schnellen Eingreifgruppen ist das letzte Wort nicht gesprochen. „Die Frage ist, wie wir das absichern.“ Bei teilweise gleichen Aufgaben (doch unterschiedlicher Technik) plädiert er für eine Kooperation mit den Florianjüngern. Jedoch: „Wir sind keine blaue Feuerwehr.“ Für eine noch engere Zusammenarbeit wirbt indes Siegfried Myskiewicz: „Es gibt kein blaues, rotes oder grünes Herz. Es kann nur eine gemeinsame Herzensangelegenheit geben – den Schutz unserer Bürger.“