merken
PLUS Löbau

Das Löbauer Stadion wird 70

Tausende erlebten nach großem Aufbauwillen die Einweihung am 21. August 1950. Doch die Glanzzeiten scheinen vorüber.

Dicht gedrängt erwarten die Zuschauer den Beginn der Einweihungsveranstaltung des Löbauer Stadions am 21. August 1950.
Dicht gedrängt erwarten die Zuschauer den Beginn der Einweihungsveranstaltung des Löbauer Stadions am 21. August 1950. © Stadtarchiv Löbau

Das Löbauer Stadion wird 70. Richtig fit ist die traditionsreiche Sportstätte allerdings schon lange nicht mehr. Vom Glanz und Charme ihrer besten Jahre ist wenig übrig geblieben. Dabei hätte die Geburtsstunde nicht verheißungsvoller sein können.

Es war am 21. August 1950. Zu Tausenden strömten an diesem schönen Sommersonntag die Löbauer und ihre Gäste an den Stadionweg, um die Einweihung ihres neuen Sportstadions am Fuße des Löbauer Berges zu erleben. Exakt 15.800 sollen gekommen sein. „Im Schmuck von Hunderten von Fahnen, die auch vom Dach der Tribüne wehten, leuchtete das satte Grün der neuen Rasenflächen neben dem Dunkelrot der Aschenbahn“, so ein SZ-Bericht. Sachsens Ministerpräsident Max Seydewitz (damals gab es in der DDR noch keine Bezirke) verlieh dem neuen Sportareal den Namen „Stadion der Jugend“. Löbaus damaliger Bürgermeister begründete die Namensverleihung: „Wir sagen oft: ,Unser Herz der Jugend`. Das aber verlangt, daß wir auch für unsere Jugend die Hände rühren. Das haben wir getan und übergeben der Jugend unserer Stadt dieses herrliche Stadion.“

Anzeige
Görlitz zapft an!
Görlitz zapft an!

München muss pausieren, Görlitz feiert: Am 2. und 3. Oktober steigt im L2 Club die Premiere des Görlitzer Oktoberfestes!

Damit war ein jahrzehntelanger Traum in Erfüllung gegangen. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts war in Löbau der Wunsch nach einem „Spielplatz“ laut geworden, der in den 1920er-Jahren in den Bau eines Sportplatzes am Schützenhaus mündete. Dieser galt lange Zeit als „schönste und größte Sportstätte der Lausitz“ mit vielen bedeutenden Veranstaltungen. Doch der Zweite Weltkrieg sorgte bald für das Aus, allerdings kein Aus für immer. 1949 wurden die Bürger zu freiwilligen Arbeitseinsätzen für den Um- und Ausbau der „Sportstätte am Schützenhaus“ aufgerufen. 150 Tonnen Granit aus Schönbach wurden verbaut, Fabriken lieferten Schlacke für die Laufbahnen, die Bevölkerung wurde zur Beschaffung von Nägeln aufgerufen. Das fast Unglaubliche wurde wahr: Nach nur 14 Monaten Bauzeit und 35.000 Aufbaustunden war das „Stadion der Jugend“ fertig.

© Stadtarchiv Löbau

Zur Einweihung gab es „Fußballgroßkämpfe“, denn das runde Leder sollte künftig eine wesentliche Bestimmung des Stadions sein. Die BSG Konsum Löbau, die bald darauf Empor Löbau hieß, trat gegen Viktoria Rheydt aus Westdeutschland an. Den Ball hatten die Gäste aus Nordrhein-Westfalen als Geschenk mitgebracht. Schon damals galt Löbau als Fußball-Hochburg, die mit Empor und später mit der zeitweise in der DDR-Liga spielenden Armeesportgemeinschaft Vorwärts Löbau ihre Glanzzeiten erlebte.

Aber das Löbauer Stadion wurde mehr als ein Fußballstadion. Die Leichtathleten nutzten es ebenso wie der Schulsport. Hier fanden Kinder- und Jugendspartakiaden statt, das Stadion sah eine Zielankunft einer DDR-Rundfahrt. Und es stand nicht nur dem Sport offen. 1951 drehte die DEFA hier für den Farbfilm „Sport der Millionen“, die Kreislandwirtschaftsausstellung präsentierte ihre Stände. 1954 fand das Löbauer Heimatfest statt, Das Stadion war Veranstaltungsort für Konzerte, für das Kreisblasmusikfest und für Vereidigungen der NVA-Offiziersschüler. Die Aufzählung ließe sich problemlos fortsetzen.

Zum Programm gehörte eine Vorführung von Turnern. Sachsens Ministerpräsident Max Seydewitz verlieh der Sportstätte den Namen „Stadion der Jugend“ (Foto rechts unten).
Zum Programm gehörte eine Vorführung von Turnern. Sachsens Ministerpräsident Max Seydewitz verlieh der Sportstätte den Namen „Stadion der Jugend“ (Foto rechts unten). © Stadtarchiv Löbau
Sachsens Ministerpräsident Max Seydewitz verlieh der Sportstätte den Namen „Stadion der Jugend“.
Sachsens Ministerpräsident Max Seydewitz verlieh der Sportstätte den Namen „Stadion der Jugend“. © Stadtarchiv Löbau
Zu den Fotografen der Einweihung gehörte auch der Löbauer Drogist Werner Heinze, von dem die Aufnahme von der Eröffnungsrede stammt.  
Zu den Fotografen der Einweihung gehörte auch der Löbauer Drogist Werner Heinze, von dem die Aufnahme von der Eröffnungsrede stammt.   © Stadtarchiv Löbau

Doch diese glorreichen Zeiten erlitten durch die Wende einen deutlichen Bruch. Die Sportstätte wurde bedeutend weniger genutzt. Zwar wurden einmal als Freiluftturnier die Deutschen Meisterschaften im Radball ausgetragen, 2006 gab es sogar eine Rugby-Premiere, auch die Gewerbemesse Konventa schlug ihre Zelte auf. Aber das Stadion war in die Jahre gekommen, der Sanierungsaufwand immens, wobei die marode Tribüne nur ein Schwerpunkt war. 1998 wurden nötige Investitionen auf fast 6 Millionen Mark geschätzt. Empor Löbau, das großes Interesse an der weiteren Stadionnutzung zeigte, konnte diese Herkulesaufgabe jedoch allein nicht schultern.

Neue Hoffnung für die Stadionzukunft erwuchs aus den Vorstellungen des Neugersdorfer Unternehmers Ernst Lieb, den FC Oberlausitz als starken Fußballverein der Region künftig in einem umgebauten Löbauer Stadion spielen zu lassen. Doch diese Pläne zerschlugen sich. Allerdings hatte sich Empor Löbau zuvor mit dem Heinz-Bahner-Stadion in Großschweidnitz ein neues Domizil gesucht und im Juli 2015 mit Medizin Großschweidnitz fusioniert.

Als das „Stadion der Jugend“ vor 20 Jahren seinen 50. Geburtstag feierte, verband das Löbauer Fußball-Urgestein Manfred Salm mit diesem Jubiläum Wünsche: „Mögen Löbaus Fußballfreunde, ob Alt oder Jung, im Stadion wieder engen Kontakt mit den Aktiven finden. Mögen die Zuschauer wieder zu sportlichen Großveranstaltungen in diese herrliche Anlage strömen.“ Seine Wünsche sind bisher nicht in Erfüllung gegangen, im Gegenteil. Durch den Weggang von Empor gibt es in Löbau keine Fußballmannschaft mehr. Ähnlich traurig sieht es im Handball aus. Dennoch erklärt Stadtsprecherin Eva Mentele auf SZ-Nachfrage: „Die Stadt Löbau bekennt sich zum Stadion. Es ist geplant, dass es weitergeht.“ Ein, wenngleich nur kleiner Beleg dafür: Die Kinder und Jugendlichen des SC Großschweidnitz-Löbau trainieren in der nunmehr 70-jährigen Anlage.

Fußball-Knüller im Stadion Löbau

Zuschauermagneten: zum Beispiel 1951 BSG Empor Löbau-VFL Nord Berlin (13.000), 1954 Ostsachsenauswahl-Tennis Borussia Berlin-West (12.000), 1960 Meisterschaftsendspiel der DDR-Junioren SC Rotation Leipzig-Aufbau Magdeburg (6.000), 1962 Junioren-Länderspiel DDR-CSSR mit Rudi Glöckner als Schiedsrichter (8.500).p Länderspiel DDR-VAR: Am 7. September 1966 empfing die DDR-Olympiaauswahl die Nationalmannschaft der Vereinigen Arabischen Republik (Ägypten und Syrien). Unter Leitung von FIFA-Referee Männig (Böhlen) liefen für die DDR unter anderem Nachtigall (Vorwärts Berlin), Sykora (Hansa Rostock), Klaus Sammer (Dynamo Dresden) und Bernd Bransch (HFC Chemie) auf. Das Spiel endete remis.

Löbau in der DDR-Liga: Die ASG Vorwärts Löbau war dort ab 1971 drei Spielzeiten vertreten, gemeinsam mit solchen namhaften Teams wie Wismut Pirna-Copitz, Chemie Zeitz, Chemie Böhlen, Aktivist Schwarze Pumpe oder Motor Wema Plauen sowie zweiten Mannschaften der DDR-Oberliga. Zuschauer: 1.000 bis zu 4.000 bei jedem Heimspiel.

Kreisches Prachttore: Zum 25. Stadiongeburtstag 1975 spielte die Armeeauswahl Ostsachsen (Vorwärts Löbau & Vorwärts Kamenz) gegen Dynamo Dresden. Dynamo gewann 3:0, alle Treffer erzielte Hansi Kreische – 1:0 Fallrückzieher unter die Latte, 2:0 18-m-Flachschuss in die rechte Ecke, 3:0 Effet-Freistoß an der Mauer vorbei. (dD)

1 / 3

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Löbau