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Stadion wieder unter Wasser

Bereits zum dritten Mal hat Starkregen das Hauptgebäude geflutet. Passiert das jetzt öfter?

© steffen fã¼ssel, steffen fuess

Von Juliane Richter

Das Wasser kam schnell und unaufhaltsam. Binnen weniger Minuten ist am Dienstag vergangener Woche ein Teil des Stadionhauptgebäudes voll Wasser gelaufen. Der Starkregen war schuld – schon wieder. Wie schon im Juli 2012 und im August 2013 hat sich das Wasser seinen Weg in die unterste Stadionebene gebahnt. Dort befinden sich die Mannschaftskabinen von Dynamo Dresden, der neu eingerichtete Kraftraum, der Physiotherapiebereich und auch verschiedene Lagerräume.

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Laut Stadionmanager Hans-Jörg Otto steht die aktuelle Schadenssumme noch nicht fest. Sie soll aber wohl nicht ganz so hoch ausfallen wie bei den beiden vergangenen Havarien. Damals betrug der Schaden ihm zufolge 100 000 und 150 000 Euro und wurde jeweils von Versicherungen getragen. Beide Male musste der Fußboden in den betroffenen Bereichen erneuert werden. Bei der aktuellen Havarie geht Otto davon aus, dass dieses Mal zumindest die Neuanschaffung der Spinte in den Umkleiden nicht nötig sein wird. Wie schon bei den vorangegangenen Wassereinbrüchen ist das Problem vielschichtig: Einerseits drückt das Wasser von der Lennéstraße über die beiden großen Windtunnel, die bis zum Spielfeld reichen, durch Türen ins Innere. Andererseits strömt das Wasser aus den Abflüssen von Waschbecken und Duschen. „Dieses Mal stand das Wasser in den Windtunneln etwa knöchelhoch. In den Räumen etwa zwei bis drei Zentimeter“, sagt der Stadionmanager. Von nachmittags bis nachts war er mit seinem Team im Einsatz, um das Wasser zurückzudrängen. Ein Starkregen mit 50 Litern Niederschlag auf den Quadratmeter sei halt doch zu viel, meint er.

Zur eigentlichen Ursache des Debakels und wieso es bisher nicht verhindert wurde, will sich Otto nicht ausführlich äußern. Das Problem bei der ersten Havarie im Jahr 2012 sei eine falsch eingebundene Leitung gewesen. Deshalb habe die Versicherung der damaligen Baufirma den Schaden bezahlt. Die Leitung sei verlegt worden. Schaden zwei und drei könnten durch das Gefälle zwischen Lennéstraße und Stadion beeinflusst worden sein. Die Fußballarena liegt unter dem Straßenniveau. Über mögliche Ursachen im eigenen Entwässerungssystem schweigt Otto und verweist auf Axel Eichholtz, den Geschäftsführer der Stadionprojektgesellschaft. Eichholtz ist jedoch derzeit im Urlaub und reagiert nicht auf Anrufe.

Auf Suche nach der Ursache

Nach SZ-Informationen reicht womöglich die Kapazität der installierten Versickerungsanlage nicht aus. Sind die eingebauten, riesigen Wasserspeicher voll, drückt das Wasser zurück. Die genaue Ursache wollen die Stadionprojektgesellschaft und die Stadtverwaltung nun gemeinsam klären. Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) hat sich den Schaden noch in der vergangenen Woche vor Ort angeschaut. Laut Stadtsprecher Kai Schulz hat er danach verschiedenen Ämtern Prüfaufträge erteilt. „Wenn die Ursache im öffentlichen Bereich liegt, wie etwa bei der Kanalisation oder dem Gefälle der Lennéstraße, wird die Stadt handeln. Wenn dem nicht so ist, muss der Stadioneigentümer selber aktiv werden. Immerhin gilt auch hier, dass der Eigentümer sein Gebäude selbst schützen muss“, sagt Schulz. Die Stadt sieht dabei die Bam Sports GmbH in der Pflicht, deren Vorgängergesellschaft HBM das Stadion gebaut hat. Auch hier ist Axel Eichholtz Geschäftsführer. Parallel dazu laufen die Trocknungsarbeiten in den Räumen. Über etwa 100 in den Fußboden gebohrte Löcher sind Entfeuchter angeschlossen. Wie lange die zum Trocknen des Bodens brauchen werden, ist noch unklar.

Leidtragender ist in dem Fall Dynamo Dresden. Der Drittligist will am 16. Juni mit der Vorbereitung für die neue Saison beginnen. Diesen Termin will Geschäftsführer Robert Schäfer trotz der „ungünstigen Kabinensituation“ nicht verschieben. Wie schon nach den beiden vorherigen Havarien könnte die Profimannschaft vermutlich die Amateurkabinen im Stadion nutzen. „Es ist alles andere als optimal, aber wir müssen das akzeptieren und werden mit der Situation umgehen“, sagt Schäfer. Dennoch bemängelt er, dass keine ausreichenden Vorkehrungen für eine erneute Überschwemmung getroffen worden sind. Der Verein habe mehrmals darauf hingewiesen. Obwohl die grundlegenden Probleme wohl nicht von einem Tag auf den anderen behoben werden, will Stadionmanager Otto zumindest im Kleinen handeln. Er plant, Flutschutzwände für die beiden Windtunnel zu besorgen.Kommentar