merken
PLUS

Stadt akzeptiert Schadensbilanz an der Stadthalle

Der Stadtrat beschließt eine Reparatur in der Halle nach der anderen. Doch nun ist das Geld erst einmal alle.

Von Sebastian Beutler

Seit ein paar Tagen hängen die Plakate für die Stadthallen-Benefizkonzerte im Görlitzer Stadtbild. Der Förderverein organisiert Künstler, spricht Firmeninhaber als Sponsoren an und ist trotz mancher Hürden guter Dinge, am 28. Juni erneut ein paar Hundert Euro für Bauarbeiten zusammenzutragen, mit denen das Denkmal Stadthalle erhalten wird.

Anzeige
Görlitz zapft an!
Görlitz zapft an!

München muss pausieren, Görlitz feiert: Am 2. und 3. Oktober steigt im L2 Club die Premiere des Görlitzer Oktoberfestes!

Sind sich bei der Stadthalle nicht immer einig: Bürgermeister Michael Wieler (li.) und Thomas Leder.
Sind sich bei der Stadthalle nicht immer einig: Bürgermeister Michael Wieler (li.) und Thomas Leder.

Dass die gespendeten Gelder nur einen Teil der nötigen Mittel allein schon für die Sicherung der Halle ausmachen, wird heute im Technischen Ausschuss deutlich werden. Die Räte sollen grundsätzlich darüber entscheiden, wie mit den Feuchtigkeitsschäden in den Treppenhäusern sowie über dem Foyer umgegangen wird. Dass das Thema heute auf der Tagesordnung steht, ist einem Stadtratsbeschluss vom 27. März zu danken. Nach monatelangen Verhandlungen hatten sich zuvor CDU/FDP und Bürger für Görlitz/Bündnisgrüne auf einen gemeinsamen Beschluss geeinigt, dem der Rat auch mehrheitlich folgte. Danach beauftragte der Stadtrat Oberbürgermeister Siegfried Deinege, eine „detaillierte bautechnische Untersuchung der Schadensbilder an der Stadthalle in Auftrag zu geben, die Ergebnisse dem Technischen Ausschuss bis Mai 2014 zur Überprüfung vorzulegen und die dringend notwendigen Sicherungsmaßnahmen unverzüglich einzuleiten“.

Nun ist es Juni geworden. Doch ist das nicht das Einzige, was die Stadtverwaltung etwas anders an dem Beschluss verstanden hat. Nach Angaben von Bürgermeister Michael Wieler verzichtete die Stadt auf eine detaillierte bautechnische Untersuchung. Stattdessen nimmt sie die Planungen für die letztlich abgeblasene Generalsanierung von 2011/2012 sowie die damals festgestellten Schäden als Grundlage für ihr weiteres Vorgehen. Demnach schlägt Wieler heute vor, die durch das Einregnen angegriffenen Holzbalkendecken in den Treppenhäusern komplett gegen Betondecken auszutauschen. Das wird knapp 200 000 Euro kosten und nicht mehr in diesem Jahr geschehen. Doch sei das auch nicht nötig, weil nach Wielers Angaben derzeit die Dächer der Stadthalle so dicht sind, dass es an keiner Stelle einregnet. Ohnehin fehlen die Mittel noch in der Finanzplanung des städtischen Haushaltes – sowohl für dieses als auch für nächstes Jahr. Doch begründet Wieler sein Vorgehen auch mit der Einschätzung der zuletzt an der Stadthalle wirkenden Bauingenieure, dass zwar ein schnelles, aber kein sofortiges Handeln nötig sei. Eine Position, die der Chef des Stadthallen-Fördervereins Thomas Leder momentan weder einnehmen noch ablehnen kann. Denn Leder will zunächst einmal wissen, ob sich durch das Einregnen Hausschwamm gebildet hat. Erst danach könne seriös gesagt werden, wie dringend auch die Decken in der Halle saniert werden müssen. Seit Monaten dringt Leder deshalb auf Untersuchungen, die Klarheit bringen. Tatsächlich erwartet die Stadt nun nach Aussagen Wielers in diesem Monat Ergebnisse zur Hausschwamm-Diagnose.

Für Stadthallen-Befürworter wie Thomas Leder geht das alles natürlich viel zu langsam. Aber deren beharrliches Dranbleiben hat seit November die Stadthalle doch wieder in den Mittelpunkt der Görlitzer Politik gerückt: Die Strebepfeiler werden jetzt saniert, den Feuchteschäden in absehbarer Zeit auf den Leib gerückt. Dabei war die Stadthalle nach der Absage der Sanierung im Herbst 2012 auf der Prioritätenliste der Stadt ziemlich weit nach unten gepurzelt. Nun ist sie wieder da. Dass das alles nicht immer auf Gegenliebe selbst von Oberbürgermeister Siegfried Deinege stößt, war beim Mai-Stadtrat zu beobachten. Deinege gab erstmals selber die Legende zum Besten, dass in der Stadt Jugendzentrum gegen Stadthalle und damit Jugend gegen Senioren ausgespielt werde. Als wenn die Stadthalle ein Projekt ohne Jugend wäre. „Ich will die Stadt zukunftssicher machen“, redete sich Deinege in Rage. „Und da helfen mir nicht Bewertungen von zwei Projekten“, sagte er mit Blick auf nicht-repräsentative Umfragen vor der Wahl, in denen die Stadthalle besser als das Jugendzentrum abschnitt.

Doch der Kurswechsel der Stadt kostet Geld. Die für dieses Jahr vorgesehenen 134 000 Euro sind bereits aufgezehrt. Rund 30 000 Euro versucht die Verwaltung nun noch für die Sanierung der Fenster im Großen Saal im Etat zu finden. Wie es finanziell weitergeht, müssen die Räte erst mit dem Etat 2015 noch beschließen.

Auf ein Wort