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Stadt beurlaubt Krippenerzieherin

Der Elternrat der Kita in Ziegra hat die Frau angezeigt. Sie soll mit den Kindern sehr rüde umgegangen sein.

Von Jens Hoyer

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Die Stadtverwaltung hat gestern eine Krippenerzieherin der Kita Spatzennest in Ziegra beurlaubt. Der Verdacht: Sie soll mit den kleinen Kindern sehr rüde und unfreundlich umgesprungen sein. Im Juristendeutsch heißt das „Gefährdung des Kindeswohls“. Auslöser war ein Brief des Elternrates, der am Freitag bei der Stadtverwaltung einging. Man habe sich die Anzeige nicht leicht gemacht, sagte Antje Münch, die Vorsitzende des Elternrates. „Wir haben lange hin und her überlegt. Aber wir sind die Vertreter der Eltern. Das können wir nicht zulassen.“ Lange habe man den Verdacht gehabt, dass etwas in der Kita nicht stimmt. Die Kinder hatten Angst, in den Raum zu gehen, in dem sich die Erzieherin aufhielt, weinten und zitterten. Es sei mit normaler Unsympathie nicht mehr zu erklären, wenn ein großer Teil der Kinder Angst vor einer Erzieherin habe, sagte Antje Münch. Eltern hätten von Kindern berichtet, die nachts schreiend aufwachten und sagten, nicht mehr in die Kita zu wollen. Andere Kinder hätten die Frau als „böse“ bezeichnet. Wenn die Kinder dann von der Krippe in die Kindergartengruppe wechselten, seien sie regelrecht aufgeblüht.

Allerdings stützt sich der Verdacht der Eltern nicht nur auf solch vage Vermutungen. Andere Erzieherinnen der Einrichtung hätten ihre Beobachtungen aufgeschrieben und an den Elternrat weitergegeben, sagte die Elternsprecherin. Ständiges Anschreien der Kinder und festes Anfassen seien dabei noch das Geringste gewesen. Die Erzieherin soll auch Kinder fallengelassen und umgeschubst haben. Stundenlang seien die Kleinen in nassen Schlüpfern geblieben oder die Windeln nicht gewechselt worden. Wenn Kinder nicht alleine essen konnten und gefüttert werden mussten, habe sie den Löffel so weit in den Mund gestoßen, dass sich das Kind übergeben musste. Und das sind nicht die einzigen Beobachtungen, die notiert wurden.

Am Dienstag hatten sich die Eltern mit Birgit Hummitzsch, Leiterin des Sozialamtes der Stadt, getroffen. „Wir haben die sofortige Beurlaubung der Erzieherin verlangt“, sagte Antje Münch. Der Forderung sei nach einer Ablehnung schließlich nachgekommen worden, nachdem eine Vertreterin des Elternrates die gesammelten Beobachtungen verlesen hatte. Die Amtsleiterin soll geäußert haben, dass sie bis dahin von den Vorkommnissen nichts wusste. Von der Stadtverwaltung kam gestern auf Anfrage des Döbelner Anzeigers eine sehr knappe Antwort, mit der das Beurlauben der Mitarbeiterin bestätigt wurde. Das Landesjugendamt als Aufsichtsbehörde sei von der Anzeige informiert worden. Mit ihm werde auch das weitere Vorgehen abgestimmt. Weitergehend wollte sich die Verwaltung mit Hinweis auf ein laufendes Verfahren nicht äußern.

Warum die Vorwürfe erst jetzt aufgekommen sind, bleibt somit rätselhaft. Die Elternvertreter berichten, dass Eltern durchaus Gespräche mit der Leiterin der Einrichtung zu dem Thema geführt hätten. Einige sollen sogar ihre Kinder aus der Einrichtung genommen haben. Auch soll es schon seit Längerem zu den Übergriffen gekommen sein – also auch schon, als Ziegra noch selbstständig war. Wie die frühere Bürgermeisterin und heutige Ortsvorsteherin Helga Busch gestern sagte, seien ihr nie Probleme mit der Erzieherin bekannt geworden.

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