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Görlitz

Stadt entschärft Huckelpiste am Berzdorfer See

Ab nächste Woche sollen die Kanten besser angeschrägt werden. Wegen der Huckel fährt selbst der Bus nicht mehr zum See.

Stadträtin Yvonne Reich steht mit ihrem Fahrrad in Deutsch Ossig an einem der sechs neuen Huckel am Rundweg um den Berzdorfer See. Hier war sie gestürzt. Nun reagiert das Rathaus auf die Gefährlichkeit der Huckel.
Stadträtin Yvonne Reich steht mit ihrem Fahrrad in Deutsch Ossig an einem der sechs neuen Huckel am Rundweg um den Berzdorfer See. Hier war sie gestürzt. Nun reagiert das Rathaus auf die Gefährlichkeit der Huckel. © Nikolai Schmidt

Stadträtin Yvonne Reich war darüber gestürzt, der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) hatte sich in deutlichen Worten dazu geäußert und auch bei vielen anderen Gästen am Berzdorfer See riss die Kritik an ihrer Ausführung nicht ab: Die sechs neuen Huckel, die den Verkehr auf der Strandpromenade in Deutsch Ossig verlangsamen sollen, sind für viele einfach nur ein Ärgernis. Vor allem sind ihre Kanten viel zu steil. Autofahrer müssen ganz langsam fahren, um sie gefahrlos passieren zu können. Für Fahrradfahrer, Inlineskater und Fußgänger mit Kinderwagen ist zwar rechts und links genug Platz, daran vorbeizufahren – aber wer nicht aufpasst und mittig oder nebeneinander fährt, dem kann es schnell wie Yvonne Reich gehen. Und zwar am Tag – und erst recht nachts.

Rathaus reagiert auf Kritik

Jetzt aber reagiert das Rathaus auf die Kritik. „Ein Huckel wird nächste Woche manuell bearbeitet, um das Steigungsverhältnis zu entschärfen“, sagt Baubürgermeister Michael Wieler. Anders ausgedrückt: Die steilen Kanten an diesem einen Huckel werden deutlich angeschrägt. Anschließend soll es einen Befahrungstest geben. „Wenn der erfolgreich ist, machen wir das Gleiche auch bei den anderen fünf Huckeln“, sagt Wieler. Er betont allerdings, dass die Stadt den Bau nicht bei der ausführenden Firma beanstandet hat. Die Huckel seien abgenommen worden, die Firma habe eine ordentliche Arbeit abgeliefert.

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Stattdessen sei die Korrektur eine Reaktion auf die Kritik von Yvonne Reich, vom ADFC und von anderen Bürgern: „Das, was die Firma gebaut hat, gefällt nicht allen.“ Weitere Stürze von Fahrradfahrern seien der Stadt aber nicht bekannt geworden, sagt Wieler. Ursprünglich hielt er die Huckel für richtig. „Ich bin mit 20 bis 25 Stundenkilometern drüber gefahren“, sagte er Anfang Mai: „Das war ein spürbares Rucken, aber keine Gefährdung für mein Auto, das kein Geländewagen ist.“ 20 bis 25 Stundenkilometer seien gar nicht erlaubt. Gestattet ist nur Schrittgeschwindigkeit. „Wenn man sich daran hält, ist das kein Risiko fürs Auto“, sagte er damals. Autos könnten also drüber fahren, Radfahrer und Inlineskater an der Seite vorbei.

OB Ursu lenkt ebenfalls ein

OB Octavian Ursu lenkt jetzt ebenfalls ein: „Wenn wir feststellen, dass wir zu viel geleistet haben, entschärfen wir es.“ Das sei hier der Fall: „Wir haben es ausprobiert und festgestellt, dass es besser werden kann.“ Die Stadt habe sich der Kritik angenommen. Vollkommen entschärft werden sollen die Huckel aber nicht: „Sie sollen weiter dazu dienen, dass Autos nicht zu schnell fahren können.“ Es gehe um den Schutz von Kindern, die auf der Strandpromenade unterwegs sind.

Doch es gibt auch noch ein ganz anderes Problem: Wegen der Huckel fährt der E-Bus bereits seit 14. Mai nicht mehr zum Berzdorfer See. Das Überfahren der Huckel sei für die Busse zwar möglich, erklärt Andreas Kolley von den Görlitzer Verkehrsbetrieben (GVB): „Das Entscheidende für uns ist aber die Fahrzeit.“

Durch die verkehrsrechtliche Anordnung, Schrittgeschwindigkeit zu fahren, werde der Busverkehr vor ein Problem gestellt: „Wir müssen für die gleiche Strecke nun mehr Fahrzeit einplanen, auf dem Hin- und Rückweg sind es zusammen 16 Minuten zusätzlich." Das habe erhebliche Auswirkungen auf den gesamten Fahrplan der Linie E und die Anschlüsse. Letztere müssten nun folgerichtig angepasst werden. Die GVB stehe dazu in enger Abstimmung mit der Stadt Görlitz. Ab dem Himmelfahrtstag soll die Haltestelle Strandpromenade wieder bedient werden, sagt Kolley: „Lediglich die Haltestelle Deutsch Ossig wird vorübergehend nicht angefahren.“

Bus soll woanders wenden können

Wieler kennt das Zeitproblem: „Bisher konnte der Bus mit 30 Stundenkilometern über die Strandpromenade fahren, jetzt nur noch mit drei bis sieben.“ Damit könne er seine Zeiten nicht mehr einhalten. Die vorübergehende Lösung sieht nach Aussage von Ursu so aus, dass der Bus bis auf Weiteres nicht mehr nach Deutsch Ossig fährt, sondern nur noch bis zum Beginn des Sees.

Dort soll er halten und auch wenden können, ohne dass erst noch eine Wendemöglichkeit gebaut werden müsste. Ein Teil der Fläche dort gehört dem Bergbausanierer LMBV. Ursu ist gerade dabei, die Wendemöglichkeit mit der LMBV abzuklären. Der OB will ebenfalls, dass der Bus ab dem Himmelfahrtstag dort hinfahren und wenden kann.

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