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Stadt sieht Chance für mehr Obdachlosen-Schlafplätze

Das Dresdner Sozialamt hält das Einrichten einer Übernachtungsstätte für Obdachlose für sinnvoll. Das erklärte jetzt Amtsleiterin Susanne Cordts. Damit reagiert die Stadtverwaltung auf die Kritik der Nachtcafé-Organisatoren.

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Das Dresdner Sozialamt hält das Einrichten einer Übernachtungsstätte für Obdachlose für sinnvoll. Das erklärte jetzt Amtsleiterin Susanne Cordts. Damit reagiert die Stadtverwaltung auf die Kritik der Nachtcafé-Organisatoren. Das von Kirchgemeinden initiierte Projekt bietet Obdachlosen im Winter Übernachtungsmöglichkeiten in Kirchen an. Doch die Nachfrage steigt, sodass die Schlafmöglichkeiten nicht mehr ausreichen. Die Organisatoren hatten deshalb an die Stadt appelliert, sich an der Lösung des Problems zu beteiligen. „Die Schaffung einer Notschlafstelle wurde 2012 als Ziel in die Fortschreibung des Wohnungslosenkonzepts aufgenommen“, so Susanne Cordts. Derzeit hält die Stadt für Notfälle fünf Schlafplätze für Obdachlose in einem Übergangswohnheim bereit. Die Idee einer Notschlafstelle mit mehr Plätzen ist jedoch nicht neu. Von 1995 bis 1999 existierte eine städtische Übernachtungsstätte in der Buchenstraße 15b. Sie wurde damals mit 47 Plätzen und sieben Notbetten betrieben. Dort fanden bei schlechtem Wetter auch Obdachlose kurzfristig eine Unterkunft. Auf Antrag der damaligen PDS im Stadtrat wurde die Einrichtung jedoch zu einem normalen Übergangswohnheim umfunktioniert, in der wohnungslose Menschen längere Zeit unterkommen können.

Über den Vorschlag der Stadt kann sich Linken-Stadtrat Andreas Naumann nicht freuen. Als Leiter der AG Wohnungslosigkeit, in der sich Verbände und Vereine engagieren, sieht er das Problem so nicht gelöst. „Ich habe Angst, dass damit die wachsende Wohnungslosigkeit nur abgehakt wird, obwohl wir das Problem doch lösen sollten.“ Zudem wäre fraglich, wie die Stadt auch eine soziale Betreuung der Obdachlosen in dieser Einrichtung hinbekommen will. „Die gibt es in den Nachtcafés und ist sehr wichtig für diese Menschen.“