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Dresden soll die Robotron-Kantine kaufen

Der geplante Abriss des architektonischen Dresdner Unikums wurde 2017 gestoppt. Nun geht es um die künftige Nutzung. 

Ein architektonisches Unikum ist die alte Robotron-Kantine allemal. Aber was soll mit dem verwaisten Gebäude passieren?
Ein architektonisches Unikum ist die alte Robotron-Kantine allemal. Aber was soll mit dem verwaisten Gebäude passieren? © Sven Ellger

Die Dresdner besinnen sich auf ihre architektonischen Wurzeln – und zwar zunehmend auf jene, die in der DDR-Zeit geschlagen wurden. Kunstwerke, die nach der Wende abgebaut wurden, kehren auf öffentliche Plätze und Straßen zurück, einige Plattenbauten in Gorbitz sind nun denkmalgeschützt und können nicht abgerissen oder baulich verändert werden. Vor dem Abriss gerettet ist vorerst auch die alte Robotron-Kantine in der Lingner-Stadt. Nun geht es darum, wie das Gebäude künftig genutzt werden soll. Mit einem Antrag der Linken wird das Thema nun politisch.

2017 hatte der Bauausschuss den Abriss gestoppt – der Eigentümer, die Immovation AG aus Kassel, hält seitdem die Füße still. Eigentlich war vorgesehen, auf der Fläche den Blüherpark zu erweitern. Der Linke-Antrag fordert nun, dass sich der Stadtrat zum Erhalt der Kantine bekennt. Demnach soll die Stadt das Bauwerk kaufen und an einem Runden Tisch diejenigen zusammenholen, die ein Konzept für die künftige Nutzung erarbeiten können.

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Tatsächlich gibt es mittlerweile viel Zuspruch für den Erhalt dieses architektonischen Unikums. Die Kantine wurde Ende der 1960er-Jahre von den Architekten Herbert Zimmer, Peter Schramm und Siegfried Thiel entworfen und ist kein sogenannter Typenbau. Zwar wurden vorgefertigte Bauteile verwendet, aber in der Gestaltung ist die Kantine – etwa mit ihren Formsteinwänden – weltweit einzigartig. Das erklärte Stadtbezirksbeirat Marco Dziallas (Linke) am Dienstagabend, als er den Antrag seiner Fraktion im Stadtbezirksbeirat Altstadt vorstellte und im Gremium um Zustimmung warb. Bezirksamtsleiter André Barth erläuterte, dass die Verwaltung den Erhalt und auch den Runden Tisch durchaus begrüßt. Dennoch könnten auch die Denkmalpläne für den Blüherpark nicht unberücksichtigt bleiben.

Zu Wort kamen im Beirat auch diejenigen, die bereits Interesse an der Nutzung der Kantine angemeldet hatten: die Kunsthaus-Chefin Christiane Mennicke-Schwarz und Martin Fiedler, der sich im Branchenverband der Dresdner Kultur- und Kreativwirtschaft engagiert. Unter dem Motto „Wir gestalten Dresden“ will Fiedler in einer Art Zukunftslabor Menschen zusammenbringen, die in unterschiedlichen Bereichen und Disziplinen arbeiten. „Dafür fehlt in Dresden bislang ein neutraler Ort“, sagte er im Stadtbezirksbeirat. In der Kantine könnten die positiven Kräfte dieser Stadt aus Kunst, Kultur und Wissenschaft eben diesen Ort finden. In den letzten Wochen seien das Kunsthaus-Konzept, das unter anderem die Nutzung für Ausstellungen vorsieht, und das Konzept für das Zukunftslabor gemeinsam weiterentwickelt worden. Auch eine Zusammenarbeit mit der Ostrale sei in der Robotron-Kantine eine Option, erklärte Christiane Mennicke-Schwarz. Die Ostrale hat derzeit keinen festen Ort für ihre temporäre Ausstellung.

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Nun gehe es vor allem darum, die Kantine mit dem Kauf zu sichern, erklärte Dziallas. Diskussionen gab es im Stadtbezirksbeirat über den Kaufpreis, der ja noch nicht feststünde. „Deshalb soll die Stadt jetzt so schnell wie möglich Verhandlungen mit dem Eigentümer aufnehmen“, so Dziallas. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Stadt ermitteln lassen, dass eine Sanierung des Gebäudes zwischen zwölf und 15 Millionen Euro kosten würde.

Der Stadtbezirksbeirat Altstadt stimmte dem Antrag der Linken letztlich mit großer Mehrheit zu. Bevor der Stadtrat entscheidet, diskutieren unter anderem der Bauausschuss und der Kulturausschuss darüber.