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Stadt will ungewöhnliche Geldquelle anzapfen

Mit einem speziellen Fonds soll vom Spielplatzbau bis zum Kostümkauf alles Mögliche finanziert werden können – wenn die Bürger mitmachen.

Arbeitsstunden wären eine weitere Finanzierungsmöglichkeit für die eine Hälfte des Geldes: Bürgermeister Jochen Reinicke.
Arbeitsstunden wären eine weitere Finanzierungsmöglichkeit für die eine Hälfte des Geldes: Bürgermeister Jochen Reinicke. © Eric Weser

Gröditz. Ein neuer Spielplatz für Nauwalde. Die Sanierung der Trauerhallen. Blumen für den Kreisel in Reppis. Es gibt vieles, was sich Gröditzer von ihrer Stadt wünschen. Auch der Blick in die jährlichen Anträge für die Vereinsförderung zeigt das. Doch wie in anderen Orten auch sind die Mittel knapp.

Über eine neue Geldquelle will Gröditz jetzt zusammen mit Vereinen und Initiativen solche kleinere Projekte fördern. Weil die Stadt sich erfolgreich für ein Kleinstädte-Förderpogramm des Landes beworben hatte, hat sie Zugriff auf einen sogenannten Verfügungsfonds. Im Stadtrat stellte Bürgermeister Jochen Reinicke (parteilos) vor, was sich dahinter verbirgt. 

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Demnach können über den Fonds verschiedenste kleine bis mittelgroße Projekte angestoßen werden, im Umfang von 5.000 bis mehr als 200.000 Euro. Jedes Vorhaben werde dabei zur Hälfte vom Staat bezahlt (Bund, Freistaat und Kommune finanzieren diese Hälfte jeweils zu gleichen Teilen). Die andere Hälfte speise sich von privater Seite, etwa aus Spenden oder Wohltätigkeitsveranstaltungen.

Würde etwa ein Spielplatzbau mit 60.000 Euro Gesamtkosten veranschlagt, kämen 30.000 Euro von der öffentlichen Hand (je 10.000 Euro von Bund, Land und Stadt). Damit ließen sich zum Beispiel die Spielgeräte kaufen. Da Spenden und Wohltätigkeit erfahrungsgemäß übeschaubare Summen einbringen, gibt es nach Reinickes Worten für die andere Hälfte des Geldes eine weitere Finanzierungsmöglichkeit: Arbeitsstunden. Manch Stadtrat fühlte sich da an den einstigen „Subbotnik“ erinnert. Abwegig ist der Gedanke auch nicht. In diesem Fall werden die Arbeitsstunden aber mit einem fiktiven Stundenlohn von bis zu acht Euro brutto abgerechnet. Diese Finanzierungsmöglichkeit mache den Fonds attraktiv, so Reinicke.

So bürokratisch das zunächst klingen mag – es soll nicht bürokratisch sein, so der Rathaus-Chef. Diesmal jedenfalls nicht. Denn Gröditz habe vor Jahren schon einmal Zugriff auf einen Verfügungsfonds gehabt. Genutzt habe man das aber damals nicht, weil die Fallstricke bei der Abrechnung zu groß erschienen seien. Seit damals habe das Land aber die Förderung vereinfacht, so Reinicke.

Erste Anträge sind schon da

Deshalb sollen in Gröditz nun möglichst viele Projekte über den Fonds realisiert werden. Losgehen soll es ab Herbst. Bis dahin muss auf Stadt-Ebene noch ein Gremium gebildet werden, das über die Projekte befindet. Wer genau darin sitzen wird, steht aus. Es werden aber unter anderem Vertreter des Rathauses und dem neuen Stadtrat sein, so Jochen Reinicke.

Schon jetzt sind die Vereine, Ortschaftsräte und sonstigen Initiativen in Gröditz gefragt, ihre Ideen für den Verfügungsfonds auf den Tisch zu legen. Erste Anträge gibt es dem Rathaus-Chef zufolge bereits. Der Fußballverein will eine Entwässerung des Hartplatzes am Eichenhain umsetzen. Der Geflügelzuchtverein habe sich auch mit einem Vorhaben angemeldet.

Die Gröditzer Stadträte haben die neue Fördermöglichkeit begrüßt – und sich dafür ausgesprochen, dass vor allem die Vereine schnell davon erfahren. Das soll noch im Mai bei in einer gesonderten Veranstaltung passieren, so Bürgermeister Reinicke, der im Stadtrat sagte, dass der Fantasie für Projekte kaum Grenzen gesetzt seien. In einem Erzgebirgsort seien Mittel aus dem Fonds beispielsweise zur Anschaffung von Trachtenteilen genutzt worden. Wichtig sei, dass sich die Bürger selbst einbringen. Das wäre dann auch im Sinne der Landesregierung. Dort hofft man zudem, dass über den Verfügungsfonds privates Engagement in Gang kommt und privates Geld für die Stadtentwicklung ausgegeben wird.

Wie viel sich von den Hoffnungen in Gröditz erfüllt, muss sich nun zeigen.