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Freital

Stadt zahlt Lehrgeld für ihr neues Zentrum

Der Wechsel des Investors kostet Freital eine hohe Summe. Auch der zukünftige Eigentümer muss draufzahlen.

Am Fuße des Windbergs liegt Freitals Mitte. Das Grundstück soll bebaut werden und sich zu einem echten Zentrum entwickeln.
Am Fuße des Windbergs liegt Freitals Mitte. Das Grundstück soll bebaut werden und sich zu einem echten Zentrum entwickeln. © Karl-Ludwig Oberthür

Der Kampf um Freitals neues Stadtzentrum wirkt wie beim Monopoly, wenn sich ein Spieler in die nächste Runde rettet. Die Stadt steht wieder auf "Los", nur dass sie zwischendurch mal eben 150.000 Euro eingebüßt hat. So lässt sich die Situation nach der jüngsten Ratssitzung vom Donnerstagabend beschreiben. Da fasste der Stadtrat einen Beschluss, der viel Geld kostet, aber auch den Weg für das Projekt mithilfe eines neuen Investors ebnet.

Das Vorhaben am Sächsischen Wolf, der rund 21.000 Quadratmeter großen Industriebrache an der Ecke Poisentalstraße/Dresdner Straße, sollte ursprünglich von der RTLL-Gruppe umgesetzt werden. Das Planungsunternehmen aus Westsachsen erhielt den Zuschlag im September 2017. Dann allerdings kam es zum Zerwürfnis mit der Stadt. Denn RTLL hatte ein Bodengutachten erstellen lassen und war vom Ergebnis abgeschreckt. 

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Im Erdreich auf der Fläche des ehemaligen Betonwerkes sowie im Bereich des einstigen Kohlesortierplatzes wurde das sogenannte Leitnuklid U-238 nachgewiesen. Dabei handelt es sich um uranhaltiges Erdreich, angefallen aus Steinkohleabfällen. Die Entsorgung kostet laut RTLL rund zwei Millionen Euro zusätzlich zu den ohnehin notwendigen Altlastenbeseitigungen. RTLL wollte, dass die Stadt diese Kosten übernimmt.

Stadtrat zieht die Notbremse

Inmitten des Streits zog der Stadtrat die Notbremse und beschloss im Mai 2019, das Zentrumsprojekt in neue Hände zu geben. Die HD Investition um Investor Günter Herms erhielt den Zuschlag. Daraufhin forderte RTLL, bereits getätigte Auslagen für Planung und Gutachten von der Stadt zurück. Es ging dabei um 390.000 Euro. Um diese zu bekommen, erwirkte RTLL mit einer einstweiligen Verfügung einen Verkaufsstopp für das Grundstück am Sächsischen Wolf. Das war im Herbst 2019.

Nun musste ein Kompromiss her. Der sieht nun so aus, dass die Stadt 150.000 Euro an RTLL bezahlt. Dafür erhält sie alle zum Objekt vorliegenden Planungen und Gutachten. RTLL verzichtet auf weitere Ansprüche gegen die Stadt. Zudem legt Investor Herms weitere 240.000 Euro dazu. Damit erhält RTLL die geforderten 390.000 Euro und ist aus dem Spiel. Sobald die einstweilige Verfügung aufgehoben ist, kann der Grundstücksverkauf an HD erfolgen.

Doch damit ist das Monopoly-Spiel noch nicht zu Ende. HD verpflichtet sich beim Kauf des Areals, den städtischen Anteil an der RTLL-Entschädigung - also die 150.000 Euro - zu übernehmen, trägt also letztendlich die gesamten 390.000 Euro. Insgesamt bezahlt HD für den Sächsischen Wolf 1,6 Millionen Euro. Im Preis inbegriffen sind noch ein zusätzliches Flurstück an der Leßkestraße, dass als Parkplatzausfahrt dienen soll sowie ein schmaler Streifen entlang des linken Weißeritzufers.

Investor im Stadtrat zu Gast

Günter Herms und sein Freitaler Architekt Hardy Wolf waren am Donnerstagabend persönlich im Stadtrat, um noch einmal ihr Projekt vorzustellen. "Wir wollen eine lebendige Stadtmitte schaffen", sagte Herms zu seinen Ideen. Es gehe nicht um ein Einkaufszentrum, sondern eine Mischung aus Handel, Gastronomie, Wohnen, Praxen und Büros, betonte Herms.

Vorgesehen ist ein gut 800 Quadratmeter großer Stadtplatz zum Verweilen. Im Sommer können dort Straßencafés Stühle und Tische aufbauen. Für die Planungen hat HD bereits Gutachten eingeholt, so zum Beispiel zum Artenschutz, Schallschutz, zur Straßenplanung und Boden. Der Zeitplan sieht nun vor, bis Ende April den Entwurf eines Bebauungsplanes bei der Stadt einzureichen. Damit kann das Verfahren offiziell beginnen.

HD geht es dabei nicht nur um den Sächsischen Wolf. Jenseits der Weißeritz befindet sich das Firmengelände der Umweltdienste Becker. Auch das hat HD bereits gekauft. Sobald Becker den geplanten Umzug an den Stadtrand nach Wurgwitz vollendet hat, will HD das Beckergelände beräumen und dort eine Wohnbebauung errichten. Geplant sind um die 120 Wohneinheiten in Stadthäusern - für alle Altersgruppen.

Das Wohnviertel soll mit dem Stadtzentrum verbunden werden, HD baut dafür eine Fußgängerbrücke über die Weißeritz. Voraussichtlich im August oder September werden die Pläne für Stadtzentrum und Wohnviertel öffentlich ausliegen. Gibt es keine großen Einwände, könnte Anfang 2021 die Satzung beschlossen werden. Anschließend kann der Investor den Bauantrag einreichen.

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Frühestens Mitte 2021 dürften die ersten Baufahrzeuge auf das Gelände rollen. In der Stadtverwaltung wird man aber schon jetzt froh sein, einen Schlussstrich unter die RTLL-Angelegenheit ziehen zu dürfen. 

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