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Großenhain

Stadträte gehen in die Luft

Mehrere Ratsvertreter fahren mit dem Hubsteiger auf den Rathausturm. Sie wollen die Schäden mit eigenen Augen sehen.

Die Stadträte Mario Beger, Mike Preibisch und weitere schauten sich am Freitag auf dem Rathausturm die Schäden an.
Die Stadträte Mario Beger, Mike Preibisch und weitere schauten sich am Freitag auf dem Rathausturm die Schäden an. © Anne Hübschmann

Großenhain. "Der Schuss muss sitzen“, sagt Thomas Röthig vom Stadtbauamt, als die Stadträte zum Ausflug auf den Rathausturm starten. Gemeint ist natürlich die Sanierung des Turmes, um die es hier geht (SZ berichtete mehrfach). Diesmal sollen alle Schäden richtig beseitigt werden. Weil das mehr Geld brauchen wird, als ursprünglich geplant, wurde das Entscheidungsgremium von der Steinbildhauerfirma Witschel zur eigenen Inaugenscheinnahme eingeladen. „Wir wollen das, was nötig ist, transparent zeigen, und dass alle wissen, wovon wir reden “, so Hartmut Witschel. Das findet Kai-Michael Riepert richtig. „Man kann zwar auch anhand von Bildern erklären, dass die Arbeiten teurer werden, aber es selbst zu sehen, ist besser“, sagt er. „Oben kann man nichts mehr verstecken.“

Auch Thomas Neumann, Tibor Berta, Mario Beger, Mike Preibisch und Brigga Pöschel nutzen am Freitagnachmittag die Gelegenheit. Am Sonnabend sind es weitere Stadträte. Mario Beger führt an, dass Naturstein ja sein Leben sei und er auch deshalb Interesse zeige. Die Anwesenden bekommen zuerst acht Papierblätter zu sehen, auf denen Witschels Mitarbeiter Jan-Mario Anders am Turm alle einzelnen Vierungen eingezeichnet hat – es sind sehr, sehr viele. 97 000 Euro brutto ist der bisherige Leistungsumfang, erklärt Thomas Röthig. In dem arbeitet die Firma Witschel derzeit am Turm. Doch der eigentliche Kostenrahmen ist noch nicht klar. „Die Firma strickt gerade mit heißer Nadel daran“, sagt Röthig.

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Per Hubbühne nicht festzustellen

16 500 Euro zusätzlich kostet allein die Sicherung von drei Obelisken und der gerissenen Turmbekrönung. Die Obelisken wurden bereits Anfang der Woche vom Rathausturm geholt. „Sie waren nicht mal mit einem Hauptdübel gesichert“, zeigt sich selbst Hartmut Witschel überrascht. Bevor das Gerüst gestellt worden war, hatte Jan-Mario Anders per Hubbühne die Sicherheit der Obelisken getestet und deren Wackeln nicht erkennen können. Auch die Spitzen der Obelisken sollen erneuert werden.

Nachdem die Stadträte mit Schutzhelm nach oben gefahren sind, zeigt ihnen Hartmut Witschel die große Anzahl an gerissenen, hohlen und abgesackten Mineros-Vierungen. Das sind Mörtelausbesserungen, die 1993 von der westdeutschen Firma Nassvogel ausgeführt wurden, so der Großenhainer. Mineros sei aber kein Allheilmittel. Selbst bei den manuellen Überarbeitungen in den 60er Jahren hätte man Schäden in Stein ausgebessert.

Das soll nun erneut passieren. Denn so schnell wird kein teures Gerüst wieder am Rathausturm stehen. Die Finanzierung hält Thomas Röthig für gesichert. „Wir bekommen eine Förderung über den städtischen Denkmalschutz“, sagt der Bauamtsmitarbeiter. Die beträgt 80 Prozent. Erst wenn die Erhöhung mehr als 50 000 Euro umfasst, sei eigentlich ein Stadtratsbeschluss erforderlich. 176 000 Euro sind für den Rathausturm insgesamt bewilligt, davon wurden schon Leistungen im Vorjahr verbaut. Mittel könnten auch noch aus der Dianabrunnen-Sanierung abgezweigt werden, sagt Thomas Röthig.

Neue Schäden möglichst verhindern

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Hartmut Witschel schlägt vor, die Taubenvergrämung nicht zu erneuern. Das würde der Denkmalschutz auch nicht verlangen. Derzeit haben sich schon Tauben auf dem Turm eingerichtet. Wichtiger sei, das Kupferblech über den Fugen zu erneuern, damit es nicht rasch zu neuen Schäden am Sandstein kommen kann. Die Stadträte können schon neue Teile am Turm sehen. Und außerdem bekommen sie einen Blick über Land, der für sie einmalig sein dürfte.

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