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Stadtrat Dietrich Thiele findet verschollenen Adler

Die Suche hatte Erfolg: Auf dem Gelände des Holzhofes wurde gestern Nachmittag der Steinvogel des Soldatendenkmals am Stadtring ausgegraben.

Zittau

Es grenzt tatsächlich an ein kleines Wunder: Der Adler, der bis 1960 das Soldatendenkmal am Ring zierte, ist wieder da. Gestern wurde er auf dem Gelände des Holzhofes an der Görlitzer Straße ausgegraben. „Wir waren schon in der letzten Ecke und wollten gerade aufhören. Da haben wir den Adler gefunden“, schildert Dietrich Thiele. Der unabhängige Abgeordnete im Zittauer Stadtrat ist sichtlich gerührt. „Heute ist für mich ein glücklicher Tag. Ich denke, ich habe mir eine Flasche Sekt verdient“, lacht er.

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Sicher zu Recht. Seit Monaten beschäftigt sich Dietrich Thiele mit dem Projekt Adlersuche–von manchen belächelt, aber immer hartnäckig. Der Adler aus Granit, der gestern aus der Erde gehoben wurde, ist in einem hervorragenden Zustand. Fast ein halbes Jahrhundert haben ihm kaum geschadet: Nichts ist abgebrochen, er ist nur stark verschmutzt. Nun soll der Denkmalsvogel aufgearbeitet werden und dann seinen angestammten Platz auf dem Denkmalsockel wieder einnehmen. „Ich habe das auch für meinen Opa gemacht“, verrät Dietrich Thiele. Das Vorhaben Adlerjagd war für ihn mit Anfangsschwierigkeiten verbunden. So blieb die Finanzierung zunächst ungewiss. Immerhin musste schwere Technik wie ein Bagger aufgefahren werden. Der Adler wurde gestern immerhin in über einem Meter Tiefe gefunden.

Im Oktober 2007 wurde schon einmal kurz auf dem Holzhof-Gelände gegraben. Dort, so Hinweise, die Dietrich Thiele erhalten hatte, sollte sich der Adler befinden. Ergebnis gab es keines, das Geld war knapp. Einen Monat später ist die Finanzierung immer noch ungewiss. Schließlich wurde ab Januar dieses Jahres für Zittau eine sogenannte Arbeitsmaßnahme mit Mehraufwandsentschädigung (MAE), Ein-Euro-Jobber, bestätigt. Innerhalb dieser gab es Hilfe beim Graben nach der verschwundenen Plastik. Vor 48Jahren passte die wohl nicht mehr in das sozialistische Weltbild und wurde entfernt. „Den Leuten, die den Adler auf Geheiß vergruben, müssen wir heute dankbar sein, dass sie ihn nicht zerstört haben“, sagt Dietrich Thiele.

Das Königlich-Sächsische Infanterie-Regiment102, an dessen gefallene Angehörige das Denkmal erinnert, war ab 1867 vollständig in Zittau stationiert. Von 1914 bis 1918 kämpfte es im Ersten Weltkrieg an der Westfront. 1919 wurde das Regiment aufgelöst.Matthias Klaus