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Pirna

Stadtrat stoppt Investitionen in Stadtbad

Keine Fördermittel für das Hohnsteiner Freibad aus Ortskernprogramm. Muss es nun schließen?

Äußerlich ganz passabel und trotzdem an vielen Stellen sanierungsbedürftig: Hohnsteins Freibad.
Äußerlich ganz passabel und trotzdem an vielen Stellen sanierungsbedürftig: Hohnsteins Freibad. © Steffen Unger

Auf den ersten Blick sieht das Hohnsteiner Stadtbad noch ganz passabel aus. Der zweite allerdings bringt die Schrammen ans Licht. Seit mittlerweile 20 Jahren wurde wenig in Neues investiert. Nur noch das Notwendige getan.

Das hätte sich nächstes Jahr ändern können. Denn mit dem neuen Förderprogramm „Vitale Dorfkerne“ gibt es erstmals seit 20 Jahren wieder die Möglichkeit, auch Fördermittel für Freibäder zu erhalten. Und da Hohnsteins Tourismuschef André Häntzschel für das Hohnsteiner Bad eine umfangreiche Sanierungsliste hat, wollte die Stadtverwaltung die Chance ergreifen und hatte knapp 150 000 Euro Eigenmittel für das Hohnsteiner Bad eingestellt.

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Die Planung sollte in diesem Jahr erfolgen und 2020 sollte saniert werden. So sollten Warmwasserduschen am Funktionsgebäude angebaut werden. Bislang gibt es nur Kaltduschen am Badebecken. Eine neue Fassade und neue Fenster wären ebenfalls möglich geworden. Und die Stadt wollte in die Wasseraufbereitungstechnik investieren. Nicht zuletzt hatte man dabei auch den erhofften Tourismusaufschwung mit im Blick.

So sei zum Beispiel das Parkhotel wieder am Start. Und auch die Übernachtungsgäste von der Burg Hohnstein sind ein wesentliches Besucherklientel. Bereits der Supersommer 2018 bescherte ein sattes Plus an Besuchern. Geplant waren Einnahmen aus den Eintrittsgeldern in Höhe von 15 000 Euro, so wie durchschnittlich in den letzten Jahren auch. Reichlich 25 700 Euro waren es letztlich. Deshalb schien Tourismuschef André Häntzschel, in dessen Regie die Bäder in Hohnstein und Rathewalde fallen, ganz optimistisch, künftig etwas mehr in das Hohnsteiner Bad zu investieren. Einen Sanierungsstau beklagte er seit Längerem. Das Bad wurde 1994 mit 3,5 Millionen Euro Fördermittel gebaut. Inzwischen ist die Technik alt.

Doch da die Stadt damals Fördermittel bekommen hatte, darf sich 25 Jahre nichts am Status des Bades ändern. Die Fördermittelbindung läuft in diesem Jahr aus. Einen Anschluss hätte sich die Stadt gut vorstellen können. So weit der Plan. Allerdings hatte die Verwaltung die Rechnung ohne den Stadtrat gemacht. Noch in der alten Zusammensetzung wurde der Haushaltsplan 2019/2020 beschlossen. Hauptsächlich auf Betreiben der Unabhängigen Wählervereinigung wurden die Investitionen gestoppt und nur ein geringes Budget in den Haushalt aufgenommen. Für 2019 sind das 15 550 Euro und für nächstes Jahr knapp 30 000 Euro. Befürworter der Investition wie Stefan Thunig (CDU) sehen darin ein falsches Zeichen. „Es wird die Botschaft gesendet, dass wir uns perspektivisch von dem Bad verabschieden. Das ist nicht richtig“, sagt er. Wenn keine Sanierung des Bades erfolge, gebe man die Richtung vor, das Hohnsteiner Bad perspektivisch zu schließen, so die Meinung der Befürworter. Denn die Standpunkte der Wählervereinigung sind hinreichend bekannt. Schon 2014 regten sie die Privatisierung oder gar die Schließung des Bades an. Der Antrag wurde damals zurückgenommen. Man wolle das Bad nicht schließen, stellte Stadtrat Tilo Müller (UWV) klar. Zur Begründung hieß es, man sehe die Zweckbindung der Fördermittel als kritisch an. Möchte man sich da doch eine Hintertür offenlassen?

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Ein schleichendes Aus sieht Bürgermeister Daniel Brade (SPD) deswegen nicht. Das Freibad sie baulich in Ordnung. Immerhin habe man im vergangenen Jahr zum Beispiel neue Innentüren und Bodenfliesen im Funktionsgebäude angebracht. Außerdem wurden die Beckeneinläufe neu abgedichtet. Mit der Förderung hätte alles auf einen Schlag erledigt werden können. „Mit der Entscheidung der Stadträte geht es nur Stück für Stück und Jahr für Jahr“, sagt er. Traurig sei er darüber nicht. „Ganz wichtig ist nach wie vor, dass die Hohnsteiner Einwohner zu ihrem Freibad stehen und es auch besuchen“, sagt er. Jede Eintrittskarte helfe. Trotzdem investiert Hohnstein in seine Bäderlandschaft, und zwar in das Erlebnisbad Rathewalde. Das soll von dem Förderprogramm profitieren. Knapp 130 000 Euro sind für zwei Jahre geplant.

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