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Stadtrat verurteilt Gedenktafel-Diebstahl

Wenn eine Gedenktafel an einen KZ-Todesmarsch verschwindet, ist ein politisches Motiv naheliegend. Sebnitz will sich damit nicht abfinden.

Gedenktafel an einer Sebnitzer Grundschule. Eine ähnliche Tafel wurde in Hinterhermsdorf gestohlen.
Gedenktafel an einer Sebnitzer Grundschule. Eine ähnliche Tafel wurde in Hinterhermsdorf gestohlen. © Daniel Schäfer

Einstimmig hat der Sebnitzer Stadtrat in seiner Sitzung vergangene Woche den Diebstahl einer Gedenktafel an den KZ-Todesmarsch verurteilt. Die Sandsteintafel, die an den Todesmarsch von KZ-Häftlingen in den letzten Kriegstagen 1945 mit 300 Opfern erinnert, wurde bereits im Herbst in Hinterhermsdorf entwendet. Sie ist eine von insgesamt 14 Tafeln entlang der Route vom früheren KZ Schwarzheide bis ins damalige KZ Theresienstadt. 

Die Stadträte aller Parteien und Fraktionen folgten damit einem gemeinsamen Antrag von Mitsprache Stadt und Land, Linken und Grünen. Der Beschluss würdigt die Gedenktafeln entlang der Todesroute als "wichtigen Beitrag zum Gedenken an die Opfer des Faschismus und zur Erinnerungskultur an unsere Landes- und Stadtgeschichte".

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"Der Diebstahl ist ein Angriff auf dieses Gedenken", erklärte Paul Löser (Grüne), einer der Initiatoren des Beschlusses. Ein politisches Motiv sei naheliegend. "Das sollte uns als Einwohner alarmieren."   

AfD relativiert Leid jüdischer Opfer

Einen Einwand gab es jedoch seitens der AfD. Ganz im Sinne von Partei-Rechtsaußen Björn Höcke, der einst in Dresden eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" gefordert hatte, versuchte sich auch AfD-Stadtrat Tino Besser an einer Relativierung der Geschichte: "Wir haben noch mehr Leute verloren", sagte Besser. Die Gedenktafel solle deshalb nicht nur an "gefallene Juden" erinnern, sondern möge ergänzt werden um einen Hinweis auf "die Opfer, die Gesamt-Deutschland zu beklagen hat".

Nun ist allein der Begriff "gefallen" im Zusammenhang mit dem Holocaust eine Verharmlosung der NS-Verbrechen. "Gefallene" sind Soldaten, die in einem Krieg umgekommen sind. Die Häftlinge in den Konzentrationslagern wurden jedoch von den Nazis aufgrund ihrer religiösen oder ethnischen Zugehörigkeit oder ihrer politischen Einstellung interniert und industriell ermordet.

Auf den Gedenktafeln rings um Sebnitz wird auch nicht nach Opfergruppen differenziert, sondern generell allen Teilnehmern des Todesmarschs gedacht, ganz gleich ob Juden, Kommunisten oder Christen. Darauf wies CDU-Stadtrat Ekkehard Schneider hin.

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Letztlich stimmte auch die AfD-Fraktion dem Antrag zu. Der Sebnitzer Stadtrat ruft die Täter demnach auf, die entwendete Gedenktafel zurückzubringen. Taucht das Original nicht bis zum 31. März wieder auf, wird die Stadt eine neue Tafel anfertigen lassen.      

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